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Umstrittenes ARD-Interview mit Putin: Videos in Deutsch und Russisch

Publiziert am 30. August 2008 von Krusenstern

Sotschi * Ein Interview der ARD zur Georgien-Krise mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin wird vor der kommenden EU-Tagung zum Thema Russland zum Politikum. Wir publizieren im Sinne der Meinungsbildung das Putin-Interview in den jeweils unterschiedlich gekürzten Versionen des russischen Staatssenders Westi (mit deutschen Untertiteln) und der ARD, dazu die vollständige Abschrift des rund 30 Minuten langen Interviews in Russisch und Deutsch.

Das ARD-Interview mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin, welches in voller Länge rund 60 Minuten dauerte, oben in der auf 30 Prozent gekürzten Version des russischen Staatssenders Вести * Westi mit deutschen Untertiteln. Darunter die auf 15 Prozent gekürzte Version mit deutschsprachiger Übersetzung der Tagesschau der ARD.

Putin-Interview, ungekürzt in der deutschen Übersetzung

(Deutsche Übersetzung von putin-ard.blogspot.com. Die im ARD-Interview gekürzten Teile sind mit oranger Farbe markiert. Zusätzliche Passagen aus einer Abschrift von Russland.ru sind mit gelber Farbe markiert.)

Thomas Roth: Herr Ministerpräsident, nach der Eskalation in Georgien sieht das Bild in der internationalen Öffentlichkeit so aus damit meine ich Politik, aber auch Presse: Russland gegen den Rest der Welt. Warum haben Sie Ihr Land mit Gewalt in diese Situation getrieben?
Wladimir Putin: Was meinen Sie, wer hat den Krieg begonnen?
Thomas Roth: Der letzte Auslöser war der georgische Angriff auf Zchinwali
Wladimir Putin: [Ich] Danke Ihnen für diese Antwort. So ist es auch, das ist die Wahrheit. Wir werden dieses Thema später ausführlicher erörtern. Ich möchte nur anmerken, dass wir diese Situation nicht herbeigeführt haben.

Wladimir Putin: Ich bin überzeugt, dass das Ansehen eines jeden Landes, das im Stande ist, das Leben und die Würde der Bürger zu verteidigen, eines Landes, das eine unabhängige Außenpolitik betreiben kann, dass das Ansehen eines solchen Landes mittel- oder langfristig steigen wird. Umgekehrt: Das Ansehen der Länder, die in der Regel die Interessen anderer Staaten bedienen, die die eigenen nationalen Interessen vernachlässigen unabhängig davon, wie sie das auch erklären mögen , wird sinken.
Roth: Sie haben die Frage trotzdem noch nicht beantwortet, warum Sie die Isolation ihres ganzen Landes riskiert haben
Putin: Ich dachte, geantwortet zu haben, aber wenn sie zusätzliche Erklärungen brauchen, das mache ich. Unser Land, das die Würde und den Stolz unserer Bürger verteidigen kann, und die außenpolitischen Verpflichtungen im Rahmen der Friedensstiftung erfüllen kann, wird nicht in Isolation geraten, ungeachtet dessen was unsere Partner in Europa und USA im Rahmen ihres Blockdenkens sagen. Mit Europa und den USA endet die Welt nicht. Und im Gegenteil, ich möchte es nochmal betonen: Wenn Staaten ihre eigene nationale Interessen vernachlässigen, um außenpolitische Interessen anderer Staaten zu bedienen, dann wird die Autorität dieser Länder unabhängig davon, wie sie das auch erklären mögen, nach und nach sinken. Das heisst wenn die europäischen Staaten die außenpolitischen Interessen der USA bedienen wollen, dann werden sie, aus meiner Sicht, nichts dabei gewinnen.
Jetzt reden wir mal über unsere internationalen rechtlichen Verpflichtungen. Nach internationalen Verträgen haben die russischen Friedenstifter die Pflicht, die zivile Bevölkerung von Südossetien zu verteidigen. Und jetzt denken wir mal an 1995 (Bosnien). Und wie ich und Sie gut wissen, haben sich die europäischen Friedensstifter, in dem Fall repräsentiert durch niederländische Streitkräfte, nicht in den Konflikt eingemischt und haben einer Seite damit erlaubt, einen ganzen Ort zu vernichten. Hunderte wurden getötet und verletzt. Das Problem und die Tragödie von Srebrenica ist in Europa sehr bekannt. Wollten Sie, dass wir auch so verfahren? Dass wir uns zurückgezogen hätten und den georgischen Streitkräften erlaubt hätten, die in Zchinwali lebende Bevölkerung zu vernichten?
Roth: Herr Ministerpräsident, Kritiker sagen, Ihr eigentliches Kriegsziel war gar nicht, nur die südossetische Bevölkerung aus Ihrer Sicht zu schützen, sondern zu versuchen, den georgischen Präsidenten aus dem Amt zu treiben, um den Beitritt Georgiens über kurz oder lang zur NATO zu verhindern. Ist das so?
Putin: Das stimmt nicht, das ist eine Verdrehung der Tatsachen, das ist eine Lüge. Wenn das unser Ziel gewesen wäre, hätten wir vielleicht den Konflikt begonnen. Aber, wie sie selbst sagten, das hat Georgien gemacht. Jetzt gestatte ich mir, an die Tatsachen zu erinnern. Nach der nicht legitimen Anerkennung des Kosovo haben alle erwartet, dass wir Südossetien und Abchasien anerkennen. Alle haben darauf gewartet und wir hatten ein moralisches Recht darauf. Wir haben uns mehr als zurückgehalten. Ich will das auch nicht kommentieren. Ja, mehr noch, wir haben das geschluckt. Und was haben wir bekommen? Eine Eskalation des Konfliktes. Überfall auf unsere Friedensstifter. Überfall und Vernichtung der friedlichen Bevölkerung in Südossetien. Das sind Tatsachen, die angesprochen wurden. Der französische Aussenminister war in Nordossetien und hat sich mit Flüchtlingen getroffen. Die Augenzeugen berichten, dass die georgischen Streitkräfte mit Panzern Frauen und Kinder überfahren haben, die Leute in die Häuser getrieben und lebendig verbrannt haben. Georgische Soldaten haben, als sie nach Zchinwali kamen, - so im vorbeigehen Granaten in die Keller und Bunker geworfen, wo Frauen und Kinder sich versteckt hatten. Wie kann man so etwas anders nennen als Genozid?
Und jetzt zur Regierung in Georgien.

Das sind die Menschen, die ihr Land in die Katastrophe getrieben haben, die georgische Führung hat das mit eigenen Aktionen gemacht. Die Staatlichkeit des eigenen Landes torpediert. Solche Menschen sollten keinen Staat führen, ob groß oder klein. Wären sie anständige Personen, sollten sie unbedingt zurücktreten.
Roth: Das ist jedoch nicht Ihre Entscheidung, sondern die der georgischen Regierung.
Putin: Natürlich, jedoch kennen wir auch Präzedenzfälle, die einen anderen Charakter haben. Ich erinnere nur die amerikanische Invasion des Iraks und was sie mit Saddam Hussein gemacht haben, weil dieser ein paar schiitische Dörfer vernichtet hatte. Und hier wurden in den ersten Stunden der Kampfhandlungen auf südossetischem Territorium 10 ossetische Dörfer vollständig vernichtet (ausradiert).
Roth: Herr Ministerpräsident, sehen Sie sich denn im Recht, in das Territorium eines souveränen Staates, nämlich Georgien, vorzudringen und dort Bombardierungen durchzuführen? Ich selbst sitze hier nur aus purem Zufall mit Ihnen, da buchstäblich einige Meter von mir eine Bombe explodiert ist, die aus Ihrem Flugzeug abgeworfen wurde. Gibt Ihnen das aus völkerrechtlicher Sicht das Recht
Putin: Natürlich, haben wir ein Recht darauf …
Roth: Ich will nochmal darauf hinweisen: Die Bombe ist auf ein Wohnhaus abgeworfen worden.

Putin: Wir haben uns absolut im Rahmen des Völkerrechts bewegt. Wir haben den Angriff auf unsere Friedensstifter, auf unsere Bürger als ein Angriff auf Rußland aufgefasst. In den ersten Stunden der Kampfhandlungen töteten die georgischen Streitkräfte mehre Dutzend unserer Blauhelme. Haben unseren südlichen Posten, da war südlicher und nördlicher, mit Panzern eingekreist und direkt beschossen. Als unsere Blauhelmsoldaten die Technik aus einem Hangar holen wollten, wurde ein Schlag mit dem Artilleriesystem Grad ausgeführt. 10 Leute, die in diesen Hangar reingingen, wurden auf der Stelle getötet (lebendig verbrannt). Danach hat die georgische Luftwaffe Luftschläge in verschiedenen Punkten in Südossetien durchgeführt. Nicht in Zchinwali, sondern inmitten von Südossetien. Und wir sahen uns gezwungen, die Verwaltungspunkte der georgischen Streitkräfte, die sich außerhalb der Konfliktzone befanden, unschädlich zu machen. Das waren solche Punkte, von wo die Artillerieschläge und die Luftangriffe auf russische Blauhelme koordiniert und ausgeführt wurden.
Roth: Ich hatte ja gesagt, dass auch die Bombardierung der Zivilbevölkerung stattgefunden hat. Sie haben womöglich nicht alle Informationen.
Putin: Ich verfüge möglicherweise nicht über alle Informationen. Im Zuge der Kampfhandlungen sind Fehler möglich. Jetzt gerade hat die amerikanische Luftwaffe in Afghanistan einen Schlag gegen die Taliban durchgeführt und hat fast 100 Leute aus der Zivilbevölkerung getötet. Das ist die erste Möglichkeit. Die zweite, die wahrscheinlicher ist: die Verwaltungspunkte der georgischen Artillerie, der Luftwaffe und Radarstationen wurden mutwillig mitten in den Wohngebieten platziert, damit die Wahrscheinlichkeit der Luftschläge gegen diese minimiert wird. Sie haben die Zivilbevölkerung und Sie als Geiseln benutzt.
Roth: Das ist eine Mutmaßung.

Roth: Der französische Außenminister Kouchner hat viele Sorgen geäußert in den letzten Tagen, als Minister der Ratspräsidentschaft. Er hat auch die Sorge geäußert, dass der nächste Konfliktherd um die Ukraine beginnt, nämlich um die Krim, um die Stadt Sewastopol. Ist die Krim das nächste Ziel, der Sitz der Schwarzmeerflotte?
Putin: Sie sagten das nächste Ziel. Wir haben auch hier kein Ziel gehabt. Deshalb ist es nicht korrekt, so zu reden.
Roth: Schließen sie das aus?
Putin: Und, wenn Sie gestatten, dann bekommen Sie eine zufriedenstellende Antwort: Die Krim ist kein kritisches Territorium, da hat es keinen ethnischen Konflikt gegeben, im Unterschied zum Konflikt zwischen Südossetien und Georgien. Und Russland hat längst die Grenzen der heutigen Ukraine anerkannt. Im Grunde genommen haben wir die Grenzverhandlungen abgeschlossen. Da bleiben nur Demarkationsangelegenheiten, das ist eine technische Angelegenheit. Und eine solche Frage riecht nach Provokation. Da gibt es innerhalb der Krim komplizierte Prozesse, Krim-Tataren, ukrainische Bevölkerung, russische Bevölkerung, also slavische Bevölkerung. Das ist aber ein internes Problem der Ukraine. Es gibt einen Vertrag über die Flotte bis 2017.
Roth: Ein anderer Außenminister, dieses mal der britische, Herr Millbrand äußerte seine Bedenken, dass ein neuer Kalter Krieg beginnt. Ein neuer Rüstungswettlauf. Wo stehen wir? Ist es nur eine Eiszeit, ist es schon ein kalter Krieg, hat das Wettrüsten schon begonnen oder schließen sie alles aus?
Putin: Wissen sie, es gibt so einen Witz: Wer schreit als erster: Haltet den Dieb? - Derjenige, der gestohlen hat.
Roth: Der Außenminister von Großbritannien.
Putin: Das haben sie so gesagt. Wunderbar. Es ist eine Freude mit ihnen zu reden. Aber sie haben es gesagt.

Putin: Russland strebt keinerlei Verschiebungen an, keinerlei Spannungen. Obwohl auch das sein kann. Wir wollen gutnachbarschaftliche, partnerschaftliche Beziehungen unterhalten. Wenn Sie erlauben, dann sage ich, was ich darüber denke. Es gab die Sowjetunion und den Warschauerpakt. Und es gab die sowjetischen Streitkräfte in der DDR, und man muss es ehrlich zugestehen, das waren Okkupationskräfte, die nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in Ostdeutschland geblieben sind unter dem Deckmantel der Koalitionsstreitkräfte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion, des Warschauerpaktes sind diese Okkupationskräfte weg. Die Gefahr von Seiten der Sowjetunion ist weg. Die NATO aber, die amerikanischen Streitkräfte, in Europa sind immer noch da. Wofür?
Um Ordnung und Disziplin in den eignen Reihen zu halten, um alle Koalitionspartner innerhalb eines Blocks zu halten, braucht man eine außenstehende Gefahr. Und Iran ist da nicht ganz passend für diese Rolle. Man will daher einen Gegner wiederauferstehen lassen und dieser soll Rußland sein. In Europa jedoch fürchtet uns niemand mehr.

Roth: Die Europäische Union in Brüssel wird über Russland reden. Es wird wohl auch über Sanktionen gegen Russland zumindest geredet werden, möglicherweise werden sie beschlossen. Macht Ihnen das irgend eine Art von Sorge oder ist Ihnen das egal, weil Sie sagen, die Europäer finden sowieso nicht zu einer Stimme?
Putin: Würde ich sagen, wir pfeifen drauf, es ist uns egal, würde ich lügen. Natürlich verfolgen wir alles sehr aufmerksam. Wir hoffen, dass der gesunde Menschenverstand triumphieren wird, und wir glauben, dass eine nicht politisierte, sondern objektive Einschätzung der Ereignisse gegeben wird. Wir hoffen auch, dass die Aktionen der russischen Friedensstifter unterstützt werden und die Aktionen der georgischen Seite, , die diese verbrecherische Aktion durchgeführt hatte, sanktioniert werden.
Roth: Herr Ministerpräsident, müssen Sie sich in Wirklichkeit nicht entscheiden? Sie wollen auf der einen Seite auf eine intensive Zusammenarbeit mit Europa nicht verzichten, Sie können es meines Erachtens wirtschaftlich auch gar nicht, andererseits wollen Sie trotzdem nach eigenen russischen Spielregeln spielen. Also auf der einen Seite ein Europa der gemeinsamen Werte, die Sie auch teilen müssen, andererseits spielen Sie nach russischen Spielregeln. Beides zusammen geht aber nicht.
Putin: Wir wollen nicht nach irgendwelchen besonderen Spielregeln spielen. Wir wollen, dass alle nach einheitlichen völkerrechtlichen Regeln vorgehen. Wir wollen nicht, dass diese Begriffe manipuliert werden, in einer Region die Regeln, in einer anderen die Regeln. Wir wollen einheitliche Regeln. Einheitliche Regeln, die die Interessen aller Teilnehmer berücksichtigen.
Roth: Wollen Sie damit sagen, dass die EU je nach Region nach unterschiedlichen Regeln handelt, die nicht dem Völkerrecht entsprechen?
Putin: Absolut. Wie hat man Kosovo anerkannt? Man vergaß die territoriale Souverenität der Staaten, die UN-Resolution 1244, die sie selbst beschlossen haben. Dort durfte man das und in Abchasien und Südossetioen nicht. Warum?
Roth: Das heisst, Rußland ist einzig und allein fähig, die Regeln des internationalen Völkerrechts zu bestimmen. Alle anderen manipulieren, machen es wie sie wollen? Hab ich Sie richtig verstanden?
Putin: Sie haben mich falsch verstanden. Haben Sie die Unabhängigkeit Kosovos anerkannt? Ja oder Nein?
Roth: Ich selbst nicht, ich bin Journalist.
Putin: Die westlichen Länder. Im Grunde haben es alle anerkannt. Nur, wenn man es dort anerkennt, dann muss man auch die Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien anerkennen. Es gibt überhaupt keinen Unterschied. Der Unterschied ist ausgedacht. Dort gab es ethnische Spannungen und hier gibt es ethnische Spannungen. Dort gab es Verbrechen praktisch von beiden Seiten-, und hier kann man die wahrscheinlich finden. Wenn man etwas gräbt, dann kann man die bestimmt finden. Dort gab es die Entscheidung, dass beide Völker nicht mehr zusammen in einem Staat leben können, und hier wollen sie es auch nicht. Es gibt keinen Unterschied und alle verstehen es in Wirklichkeit. Das alles ist nur Gerede, um rechtwidrige Schritte zu decken. Das nennt man, das Recht des Stärkeren. Und damit kann sich Rußland nicht abfinden.
Herr Roth, Sie leben schon lange in Rußland, sie sprechen hervorragend, fast ohne Akzent, russisch. Dass Sie mich verstanden haben, wundert mich nicht. Das ist mir sehr angenehm, jedoch möchte ich auch sehr, dass mich meine europäischen Kollegen verstehen, die sich am 1. September treffen und über diesen Konflikt beraten werden.
Wurde die Resolution 1244 angenommen? Ja! Dort wurde unterstrichen geschrieben: territoriale Souverenität Serbiens! Die Resolution haben die in den Müll weggeworfen. Alles vergessen. Sie wollten die Resolution zuerst umdeuten, anders interpretieren, aber es ging nicht. Alles vergessen. Warum? Das Weiße Haus ordnete an, und alle führen aus! Wenn die europäischen Länder auch weiterhin eine solche Politik führen, dann werden wir über europäische Angelegenheiten in Zukunft mit Washington reden müssen.

Roth: Ich verstehe, was sie gesagt haben. Können wir ohne Übersetzer weitermachen?
Putin: Sicher.
Roth: Danke.
Ich würde gerne eine Frage stellen, die die Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen betrifft. Unabhängig davon was es aktuell für Einschätzungen und Vorschläge gibt. Unter Berücksichtigung der besonderen Beziehungen zwischen unseren Ländern: Kann Deutschland in dieser Situation eine bestimmte Vermittlerrolle übernehmen?
Putin: Wir haben zu Deutschland sehr gute Beziehungen, vertrauensvolle Beziehungen, sowohl politische als auch ökonomische. Als wir mit Herrn Sarkozy gesprochen haben, bei seinem Besuch hier, haben wir gesagt, dass wir keinerlei Territorien in Georgien wollen. Wir werden uns in die Sicherheitszone zurückziehen, die in den früheren internationalen Abkommen vereinbart wurde. Aber da werden wir auch nicht ewig bleiben. Wir betrachten das als georgisches Territorium. Unsere Absicht besteht nur darin, die Sicherheit zu gewährleisten und es nicht so zu machen, dass da Truppen und Kriegsgerät heimlich geballt werden. Und zu verhindern, dass da die Möglichkeit eines neuen Konfliktes entsteht. Dann begrüßen wir die Teilnahme von Beobachtern der EU, der OSZE und natürlich auch Deutschlands. Wenn die Prinzipien der Zusammenarbeit geklärt sind.
Roth: Das heisst, Sie werden ihre Truppen auf jeden Fall zurückziehen.
Putin: Natürlich. Es ist für uns als erstes wichtig, die Sicherheit in der Region sicherzustellen. Als nächstes Südossetien zu helfen, die eigenen Grenzen zu sichern. Danach haben wir keine Gründe mehr uns dort aufhalten zu müssen. Und währen dieser Arbeit würden wir die Kooperation mit der EU, OSZE nur begrüßen.
Roth: Was können Sie unter der Berücksichtigung der Umstände, in dem sich diese Krise befindet, der Beziehungen zur USA und Europa, zur Eskalation dieser Krise beitragen?
Putin: Als erstes, das habe ich bereits gestern Ihren CNN-Kollegen gesagt, dass diese Krise unter anderem von unseren amerikanischen Freunden, im Zuge des Vorwahlkampfes provoziert wurde. Das schließt auch die Nutzung der administrativen Ressourcen in einer sehr bedauernswerten Ausführung ein, um einem der Kandidaten eine Mehrheit sicherzustellen. In dem Fall, dem der Regierungspartei.
Roth: Das glauben Sie wirklich? [auf russisch]: Das ist kein Fakt.
Putin: [auf deutsch]: Das ist kein Fakt. [weiter auf russisch] Wir wissen, dass es dort viele amerikanische Berater gegeben hat. Das ist sehr schlecht, wenn man eine Seite des ethnischen Konflikts zuerst aufrüstet und sie dann dazu drängt, die Lösung des ethnischen Problems auf militärischem Wege zu suchen. Das scheint auf den ersten Blick einfacher zu sein, als mehrjährige Verhandlungen zu führen, Kompromisse zu suchen. Das ist jedoch ein sehr gefährlicher Weg. Und die Entwicklung der Ereignisse hat es gezeigt.
Instruktoren, Lehrer im weiten Sinne, Personal, welches die Nutzung der gelieferten Technik zeigt, sie alle müssen sich wo befinden? Auf Übungsanlagen und in den Übungszentren. Und wo waren diese Leute? In der Kampfzone! Und das drängt den Gedanken auf, dass die amerikanische Führung über die vorbereitete Aktion gewusst und mehr noch an dieser teilgenommen hat. Ohne einen Befehl der obersten Führung dürfen sich amerikanische Bürger nicht in der Konfliktzone aufhalten. In der Sicherheitszone durften sich lediglich die zivile Bevölkerung, Beobachter der OSZE und die Blauhelme. Wir jedoch haben da Spuren von amerikanischen Staatsangehörigen gefunden, die keiner dieser Gruppen angehören. Das ist die Frage: wieso hat die Führung der USA es erlaubt, sich ihren Bürgern dort aufzuhalten, die dort kein Recht dazu hatten?Und wenn sie es erlaubt haben, dann hab ich die Vermutung, dass es mutwillig passiert ist, um einen kleinen, siegreichen Krieg zu organisieren. Und falls das schiefläuft, Rußland in die Rolle des Gegners zu drängen, um daraufhin das Wahlvolk hinter einem der Präsidentschaftskandidaten zu vereinigen. Natürlich dem der Regierungspartei, da nur diese über eine solchen Ressource verfügen kann. Das sind meine Ausführungen und Vermutungen. Es ist Ihre Sache, ob Sie mir zustimmen oder nicht. Aber sie haben das Recht zu existieren, da wir Spuren von amerikanischen Staatsangehörigen in der Kampfzone gefunden haben.
Roth: Und eine letzte Frage, die mich sehr interessiert. Denken Sie nicht, dass Sie sich in der Falle Ihres eigenen autoritären Systems befinden? Sie kriegen Informationen von Ihren Geheimdiensten und anderen Quellen, jedoch haben die Medien Angst etwas zu berichten, was nicht mit der Linie der Regierung übereinstimmt. Ist es nicht so, dass das von Ihnen geschaffene System, Ihnen die Möglichkeit eines breiten Sichtfeldes auf diesen Konflikt nimmt, auf die Geschehnisse in Europa und anderen Ländern?
Putin: Sehr geehrter Herr Roth, Sie haben unser politisches System als autoritär bezeichnet. Sie haben in unserer heutigen Diskussion auch mehrfach über unsere gemeinsamen Werte gesprochen. Woraus bestehen diese? Es gibt einige grundliegende Werte, wie das Recht zu leben. In USA zum Beispiel gibtes immer noch die Todesstrafe, in Rußland und Europa gibt es die nicht. Heißt das denn, dass Sie aus dem NATO-Block austreten wollen, weil es keine vollständige Übereinstimmung der Werte zwischen den Europäern und Amerikanern gibt?
Jetzt zum Konflikt, über den wir heute sprechen. Wissen Sie denn nicht, was sich in Georgien die letzten Jahre abgespielt hat? Rätselhafter Tod des Ministerpräsidenten Shwania, Niederschlagung der Opposition, physische Zerschlagung von Protestmärschen der Oppositionellen, Durchführung der Wahlen während eines Ausnahmezustands und jetzt diese verbrecherische Aktion in Ossetien mit vielen Toten. Und da ist natürlich ein demokratisches Land, mit der ein Dialog über die Aufnahme in die NATO oder gar EU geführt werden muss. Und wenn ein anderes Land seine Interessen verteidigt, das Recht seiner Bürger auf Leben verteidigt, 80 unserer Leute wurden sofort getötet, 2.000 aus der zivilen Bevölkerung wurden getötet und wir dürfen unsere Bürger dort nicht schützen? Und wenn wir das machen, dann nimmt man uns die Wurst weg? Wir haben die Wahl Wurst oder Leben. Wir wählen das Leben, Herr Roth.
Jetzt über den anderen Wert: Pressefreiheit. Sehen Sie nur wie diese Ereignisse in der amerikanischen Presse beleuchtet werden, die als leuchtendes Beispiel der Demokratie gilt. Und in der europäischen ist es ähnlich. Ich war in Peking, als die Ereignisse anfingen. Massierter Beschuß von Zchinwali, Anfang des Vorstoßes der georgischen Truppen, es gab sogar bereits vielfache Opfer, es hat keiner ein Wort gesagt. Auch Ihre Anstalt hat geschwiegen, alle amerikanischen Anstalten. So als ob gar nichts passiert. Erst als der Agressor in die Fresse bekam, seine Zähne rausgeschlagen bekommen hat, als er seine ganze amerikanische Ausrüstung aufgegeben und ohne Rücksicht gerannt ist, haben sich alle erinnert. An das internationale Völkerrecht, an das böse Rußland. Da waren alle wieder auf der Stelle. Wieso eine solche Willkür [in der Berichterstattung]?
Nun zur Wurst: Wirtschaft. Wir wollen normale, wirtschaftliche Beziehungen zu allen unseren Partnern. Wir sind ein sehr zuverlässiger Partner, wir haben noch nie einen Partner betrogen. Als wir Anfang der 60er die Pipeline in die BRD gebaut haben, hat unser transatlantischer Partner den Deutschen geraten, diesem Projekt nicht zuzustimmen. Sie müssen das ja wissen. Damals hat die Führung Deutschlands die richtige Entscheidung getroffen und die Pipeline wurde zusammen mit der Sowjetunion gebaut. Heute ist eine der zuverlässigsten Gas-Quellen für die deutsche Wirtschaft. 40 Mrd. m³ bekommt Deutschland jedes Jahr. Und wird es auch weiterhin, das garantiere ich. Sehen wir uns das globaler an. Wie ist die Struktur unseres Exports in die europäischen Länder und auch in die USA? 80 % davon sind Rohstoffe (Öl, Gas, Ölchemie, Holz, Metalle). Das alles ist von der europäischen und Weltwirtschaft in höchsem Maße gefragt. Das sind sehr gefragte Produkte auf dem Weltmarkt. Wir haben auch die Möglichkeiten in hochtechnologischen Gebieten, die sind jedoch sehr begrenzt. Mehr noch, trotz rechtsgültiger Abkommen mit der EU beispielsweise über atomaren Brennstoff, werden wir rechtswidrig vom europäischen Markt ferngehalten. Wegen der Position unserer französischen Freunde. Aber sie wissen davon, wir haben mit denen lange diskutiert. Und wenn jemand diese Beziehungen aufgeben will, dann können wir nichts dagegen machen. Wir wollen das jedoch nicht. Wir hoffen sehr, dass unsere Partner ihre Pflichten genauso erfüllen, wie wir unsere.
Das war über unseren Export. Was Euren Export, also unseren Import, angeht, so ist Rußland ein sehr zuverlässiger und großer Markt. Ich erinnere mich jetzt nicht an genaue Zahlen, Import der Maschinenbautechnologie aus Deutschland wächst von Jahr zu Jahr. Dieser ist sehr groß heutzutage. Und wenn jemand uns nicht mehr beliefern will, dann werden wir das wo anders kaufen. Nur wer braucht das, verstehe ich nicht?
Wir drängen auf eine objektive Analyse der Geschehnisse und wir hoffen, dass gesunder Menschenverstand und die Gerechtigkeit siegen werden. Wir sind das Opfer der Aggression und wir hoffen auf die Unterstützung unserer europäischen Partner.

Roth: Herzlichen Dank für dieses Interview Herr Premierminister.
Putin: Vielen Dank.

Putin-Interview, ungekürzt im russischen Wortlaut

(von der offiziellen Website der russischen Regierung)

Т.РОТ: (как переведено) Уважаемый г-н Премьер-министр!

После эскалации ситуации в Грузии в общественном мнении на Западе, имеется в виду не только политические круги, но и пресса, другие люди, возникает мнение, что вы силой создали ситуацию: Россия против всего остального мира.
В.В.ПУТИН: Как Вы считаете, кто начал войну?

Т.РОТ: Последним побудительным мотивом стало нападение Грузии на Цхинвали.
В.В.ПУТИН: Спасибо Вам за этот ответ. Это правда. Так оно и есть. Мы на эту тему поговорим еще чуть подробнее. Я хочу только отметить, что не мы создали эту ситуацию.

А теперь по поводу авторитета России. Я убежден в том, что авторитет любой страны, которая способна защитить жизнь и достоинство своих граждан, страны, которая способна проводить независимую внешнюю политику, авторитет такой страны в долгосрочной, среднесрочной перспективе в мире будет только расти.

И наоборот, авторитет тех стран, которые взяли за правило обслуживать внешнеполитические интересы других государств, пренебрегая своими национальными интересами, вне зависимости от того, как они это объясняют, будет снижаться.

Т.РОТ: Вы все-таки не ответили на вопрос: почему вы пошли на риск изоляции вашей страны?
В.В.ПУТИН: Мне казалось, что я ответил. Но если это требует дополнительных разъяснений, я это сделаю.

Я считаю, что страна, в данном случае Россия, которая может отстаивать честь и достоинство своих граждан, защитить их жизнь, исполнить свои международно-правовые обязательства в рамках миротворческого мандата, такая страна не будет в изоляции, чего бы ни говорили в рамках блокового мышления наши партнеры в Европе или в Соединенных Штатах. На Европе и Соединенных Штатах мир еще не заканчивается.

И наоборот, хочу это подчеркнуть еще раз, если какие-то государства считают, что они могут пренебрегать личными национальными интересами, обслуживая интересы других государств, внешнеполитические интересы, авторитет таких государств, чем бы они ни объясняли свою позицию, в мире будет постепенно снижаться.

В этой связи, если европейские государства хотят обслуживать внешнеполитические интересы США, то они от этого, на мой взгляд, ничего не выиграют.

Теперь возьмем наши международно-правовые обязательства. По международным соглашениям, российские миротворцы взяли на себя обязанность защитить мирное население Южной Осетии.

А теперь вспомним 1995 год, Боснию. И как мы хорошо с вами знаем, европейский миротворческий контингент, представленный голландскими военнослужащими, не стал связываться с одной из нападавших сторон, и позволил этой стороне уничтожить целый населенный пункт. Были убиты, пострадали сотни людей. Проблема и трагедия в Сребренице хорошо известна Европе.

Вы что, хотели, чтобы мы тоже так же поступили? Ушли и дали возможность грузинским вооруженным подразделениям уничтожить проживающих в Цхинвали людей?

Т.РОТ: Ваши критики говорят, что целью России собственно была не защита мирного населения Цхинвали, а попытка лишь сместить президента Саакашвили, привести к дальнейшей дестабилизации Грузии, и тем самым воспрепятствовать ее вступлению в НАТО. Это так?
В.В.ПУТИН: Это не так. Это просто подтасовка фактов. Это ложь.

Если бы это было нашей целью, мы бы, наверное, и начали этот конфликт. Но, как Вы сами сказали, начала этот конфликт грузинская сторона.

Теперь я позволю вспомнить факты недавней истории. После неправового решения о признании Косово все ожидали, что Россия пойдет на признание независимости и суверенитета Южной Осетии и Абхазии. Ведь правда, ведь так было, все ждали этого решения России. И у нас было на это моральное право, но мы этого не сделали. Мы повели себя более чем сдержанно, я даже не буду комментировать, мы это “проглотили”, на самом деле.

И что мы получили? Эскалацию конфликта, нападение на наших миротворцев, нападение и уничтожение мирного населения Южной Осетии. Вы же знаете факты, которые там были и которые уже озвучены. Министр иностранных дел Франции побывал в Северной Осетии и встречался с беженцами. И очевидцы рассказывают, что грузинские военные подразделения танками давили женщин и детей, загоняли людей в дома и заживо сжигали. А грузинские солдаты, когда ворвались в Цхинвали, так, между прочим, проходя мимо домов, мимо подвалов, где прятались женщины и дети, бросали туда гранаты. Что это такое, если это не геноцид?

Теперь по поводу руководства Грузии. Люди, которые привели к катастрофе свою страну - а своими действиями руководство Грузии способствовало подрыву территориальной целостности и государственности Грузии - конечно, такие люди, на мой взгляд, не должны управлять государствами маленькими, либо большими. Если бы они были приличными людьми, они немедленно должны были сами подать в отставку.

Т.РОТ: Это не ваше решение, а грузинское решение.
В.В.ПУТИН: Конечно. Но мы знаем прецеденты и другого характера.

Вспомним, как американские войска вошли в Ирак и как они поступили с Саддамом Хусейном за то, что он уничтожил несколько шиитских деревень. А здесь в первые часы боевых действий было полностью уничтожено, стерто с лица земли 10 осетинских деревень на территории Южной Осетии.

Т.РОТ: Господин Премьер-министр, считаете ли Вы себя в результате этого вправе вторгаться на территорию суверенного государства, то есть не оставаться в зоне конфликта, а осуществлять ее бомбардировки. Я сам сегодня сижу рядом с Вами только благодаря случайности, потому что в 100 метрах от меня, в жилом квартале Гори, взорвался снаряд, бомба, сброшенная с вашего самолета. Не является ли это нарушением норм международного права, а именно то, что вы де-факто оккупируете маленькую страну. Откуда у вас это право?
В.В.ПУТИН: Конечно, мы имеем на это право…

Т.РОТ: Еще раз уточняю - бомба была сброшена на жилой дом.
В.В.ПУТИН: Конечно, мы действовали в рамках международного права.

Нападения на наши миротворческие посты, убийства наших миротворцев и наших граждан - все это, безусловно, мы восприняли как нападение на Россию.

В первые часы боевых действий своими ударами грузинские вооруженные силы убили у нас сразу несколько десятков миротворцев. Окружили наш “Южный” городок (там были “Южный” и “Северный” городки миротворцев) танками и начали расстреливать его прямой наводкой.

Когда наши солдаты-миротворцы попытались вывести технику из гаражей, был нанесен удар системами “Град”. 10 человек, которые зашли в ангар, погибли на месте, сгорели заживо.

Я еще не ответил. Затем авиация Грузии нанесла удары по различным точкам на территории Южной Осетии, не в Цхинвале, а в центре самой Южной Осетии. Мы вынуждены были начать подавление пунктов управления огнем, которые находились за зоной боевых действий и за зоной безопасности. Но это были такие точки, откуда управлялись вооруженные силы, и откуда по российским войскам и миротворцам наносились удары.

Т.РОТ: Но я же говорил, что осуществлялись бомбардировки жилых кварталов. Может быть, Вы не в курсе всей информации?
В.В.ПУТИН: Я, может быть, не в курсе всей информации. Здесь возможны и ошибки в ходе боевых действий.

Вот сейчас только в Афганистане американская авиация нанесла удар якобы по талибам и одним ударом уничтожила почти сто мирных жителей. Это первая из возможностей.

Но вторая, она более вероятна. Дело в том, что пункты управления огнем, пункты управления авиацией и радиолокационные станции грузинская сторона подчас размещала именно в жилых районах, с тем, чтобы ограничить возможности применения нами авиации, используя гражданское население и вас в качестве заложников.

Т.РОТ: Министр иностранных дел Франции, председательствующей в ЕС, господин Кушнер выразил недавно озабоченность, что следующим конфликтом может быть Украина, а именно Крым и Севастополь, как база российского Военно-Морского Флота. Является ли Крым и Севастополь такой целью для России?
В.В.ПУТИН: Вы сказали, следующей целью. У нас не было и здесь никакой цели. Поэтому, считаю, говорить о какой-то следующей цели некорректно. Это первое.

Т.РОТ: Вы это исключаете?
В.В.ПУТИН: Если Вы мне позволите ответить, то вы будете удовлетворены.

Крым не является никакой спорной территорией. Там не было никакого этнического конфликта, в отличие от конфликта между Южной Осетией и Грузией.

И Россия давно признала границы сегодняшней Украины. Мы, по сути, закончили в общем и целом наши переговоры по границе. Речь идет о демаркации, но это уже технические дела.

Вопрос о каких-то подобных целях для России, считаю, отдает провокационным смыслом.

Там, внутри общества, в Крыму, происходят сложные процессы. Там проблемы крымских татар, украинского населения, русского населения, вообще славянского населения. Но это внутриполитическая проблема самой Украины.

У нас есть договор с Украиной по поводу пребывания нашего флота до 2017 года, и мы будем руководствоваться этим соглашением.

Т.РОТ: Другой министр иностранных дел, на этот раз Великобритании, г-н Миллибэнд в последнее время высказал некоторые опасения о том, что начинается новая “холодная война”, начинается новая гонка вооружений. Как бы Вы оценили эту ситуацию? Стоим ли мы сейчас на пороге нового “ледникового периода”, новой “холодной войны”, начала новой гонки вооружений? Как с Вашей точки зрения?
В.В.ПУТИН: Вы знаете, есть такая шутка: “Кто первым кричит: держи вора? - Тот, кто украл”.

Т.РОТ: Министр иностранных дел Великобритании.
В.В.ПУТИН: Это Вы так сказали. Замечательно. Как мне приятно с Вами разговаривать. Но это Вы сказали.

Но если говорить серьезно, то Россия не стремится ни к каким обострениям, ни к какому напряжению с кем бы то ни было. Мы хотим добрых, добрососедских, партнерских отношений со всеми.

Если Вы позволите, я скажу, что я думаю по этому поводу. Был Советский Союз и Варшавский договор. И были советские войска в Германии, по сути, надо честно сказать, это были оккупационные войска, которые остались в Германии после Второй мировой войны, но под видом союзнических войск. Эти оккупационные силы ушли. Советский Союз распался, Варшавского договора нет. Угрозы со стороны Советского Союза нет. А НАТО, американские войска в Европе остались. Зачем?

Для того, чтобы навести порядок в собственном стане, с собственными союзниками, для того, чтобы удержать их в рамках блоковой дисциплины нужна внешняя угроза. Иран не очень подходит на эту роль. Очень хочется возродить образ врага в виде России. Но в Европе уже никому не страшно.

Т.РОТ: В понедельник состоится заседание Совета ЕС в Брюсселе. Там будут говорить о России, о санкциях в отношении России, по крайней мере, будут обсуждаться эти вопросы.

Как Вы все это воспринимаете? Вам все равно? Вы все равно считаете, что Европейский Союз говорит очень многими языками?
В.В.ПУТИН: Если бы я сказал, что нам наплевать, нам безразлично, я бы соврал. Конечно, нам небезразлично.

Конечно, мы будем внимательно смотреть за тем, что там происходит. Мы просто надеемся, что здравый смысл возобладает. Мы надеемся, что будет дана все-таки не политизированная, а объективная оценка событий, которые произошли в Южной Осетии и в Абхазии.

Мы надеемся, что действия российских миротворцев будут поддержаны, а действие грузинской стороны, которая провела эту преступную акцию, найдет осуждение.

Т.РОТ: В этой связи я хотел бы Вас спросить. Как Вы собираетесь решать следующую дилемму? С одной стороны, Россия заинтересована в дальнейшем сотрудничестве с Европейским Союзом. Она и не может поступать иначе в виду экономических задач, которые ставит перед собой. С другой стороны, Россия хочет играть по своим собственным, российским правилам. То есть, с одной стороны, приверженность общеевропейским ценностям, а с другой - решимость играть по своим российским правилам. Но обе стороны невозможно сразу удовлетворить.
В.В.ПУТИН: Вы знаете, мы не собираемся играть по каким-то особым своим правилам. Мы хотим, чтобы все работали по одним и тем же правилам, которые и называются - международное право. Но мы не хотим, чтобы этими понятиями кто-то манипулировал.

В одном регионе мира будем играть по одним правилам, в другом - по другим. Только чтобы это соответствовало нашим интересам.

Мы хотим, чтобы были единые правила, которые учитывали бы интересы всех участников международного общения.

Т.РОТ: Таким образом, Вы хотите сказать, что Европейский Союз играет по различным правилам в различных регионах мира, которые не соответствуют международному праву.
В.В.ПУТИН: А как же! Косово как признали? Забыли про территориальную целостность государства. Забыли про резолюцию 1244, которую сами принимали и поддерживали. Там можно было сделать, а в Абхазии и в Южной Осетии нельзя! Почему?

Т.РОТ: То есть Россия - единственный арбитр международного права. Всеми остальными манипулируют. Они это не осознают. У них иные интересы или им все равно. Я так Вас понял?
В.В.ПУТИН: Вы меня поняли неправильно. Вы согласились с независимостью Косово? Да или нет?

Т.РОТ: Я лично… Я журналист.
В.В.ПУТИН: Нет, западные страны.

Т.РОТ: Да.
В.В.ПУТИН: В основном все признали.

Но если признали там, признайте тогда независимость Абхазии и Южной Осетии. Никакой разницы. Никакой разницы в этих позициях нет. Это придуманная разница.

Там был этнический конфликт - и здесь этнический конфликт. Там были преступления практически с двух сторон - и здесь, наверное, их можно найти.

Если покопаться, наверное, можно найти. Наверное.

Там было принято решение, что эти народы не могут жить вместе в одном государстве - и здесь они не хотят жить вместе в одном государстве.

Да никакой разницы нет, и все это прекрасно понимают. Все это болтовня. Чтобы прикрыть неправовые решения. Это право силы, называется. Кулачное право. И вот с этим Россия не может согласиться.

Господин Рот, Вы живете в России уже долго. Вы прекрасно говорите на русском языке, почти без акцента. То, что Вы меня поняли, не удивительно. Мне очень приятно.

Но мне очень хотелось, чтобы меня поняли и наши, мои европейские коллеги, которые будут собираться 1-го числа и думать над этим конфликтом.

Резолюция 1244 была принята? Была. Там записано и подчеркнуто: территориальная целостность Сербии. Выбросили на помойку эту Резолюцию, забыли про нее. Пытались извернуть. Ее невозможно было извернуть никак. Забыли напрочь. Почему? В Белом доме приказали, и все исполнили.

Если европейские страны так и дальше будут вести свою политику, то разговаривать о европейских делах нам придется с Вашингтоном.

Т.РОТ: Понимаю, что Вы сказали. Можно без переводчика?
В.В.ПУТИН: Можно.

Т.РОТ: Спасибо. Мне хотелось бы задать вопрос, касающийся развития российско-германских отношений вне зависимости от того, какие здесь имеются оценки и предположения. Но, касаясь особого отношения между нашими странами, может ли Германия в этой ситуации играть какую-то определенную посредническую роль?
В.В.ПУТИН: У нас с Германией очень хорошие отношения, очень доверительные - и в области политики, и в сфере экономики.

Когда мы разговаривали с г-ном Саркози во время его приезда в Москву, мы прямо ему сказали, что мы не собираемся аннексировать никакие грузинские земли и мы, конечно, уйдем с тех пунктов, где мы сейчас находимся. Но уйдем в зону безопасности, которая была обговорена в прежних международных соглашениях. Но мы и там не собираемся оставаться вечно. Мы считаем, что это грузинская территория. Наша цель заключается только в том, чтобы обеспечить безопасность в этом регионе, не позволить опять сосредоточить тайно, как это было сделано в этом случае, вооружение, технику, воспрепятствовать созданию предпосылок для нового вооруженного конфликта.

И в этой связи могу сказать, что участие там международных наблюдателей, наблюдателей ОБСЕ, Евросоюза, в том числе из Германии, мы будем только приветствовать. Нужно только договориться о принципах совместной работы.

Т.РОТ: Это должно означать, что вы в любом случае отведете свои войска?
В.В.ПУТИН: Конечно. Нам главное - обеспечить безопасность в этой зоне. На следующем этапе - помочь Южной Осетии обезопасить свои границы. И нет у нас оснований больше там находиться, в этой зоне безопасности. В ходе этой работы мы будем приветствовать сотрудничество с европейскими структурами и с ОБСЕ тоже.

Т.РОТ: В условиях того кризиса в отношениях, которые, несомненно, сейчас имеются (отношения с США, с Европой), какой вклад Вы можете внести в дело того, чтобы этот кризис сошел на нет?

В.В.ПУТИН: Во-первых, я об этом вчера говорил вашим коллегам из “Си-Эн-Эн”. Мне кажется, что в значительной степени кризис был спровоцирован, в том числе нашими американскими друзьями в ходе предвыборной борьбы. Это, конечно, использование административного ресурса в самом плачевном его исполнении для того, чтобы обеспечить преимущество одного из кандидатов, в данном случае правящей партии.

Т.РОТ: У Вас есть факты?

В.В.ПУТИН: У нас есть анализ ситуации. Мы знаем, что там было много американских советников. Это очень плохо вооружать одну из сторон этнического конфликта и потом толкать ее на решение этих этнических проблем вооруженным путем. Это гораздо, казалось бы, проще, на первый взгляд, чем вести многолетние переговоры и искать компромиссы, но это очень опасный путь. Развитие событий это показало.

Но инструкторы, “учителя”, в широком смысле - персонал, обучающий работать на поставленной военной технике - где он должен находиться - на полигонах и в учебных центрах, а они где находились? В зоне боевых действий. Это уже наталкивает на мысль о том, что руководство США знало о готовящейся акции и, более того, скорее всего, принимало участие, потому что без команды высшего руководства американские граждане в зоне конфликта не имели право находиться. В зоне безопасности могли находиться только местные граждане, могли находиться наблюдатели ОБСЕ и миротворческие силы. А мы там обнаружили следы граждан США, которые не входили ни в первую, ни во вторую, ни в третью категорию. Это уже вопрос. Почему высшее руководство США разрешило присутствие там своих граждан, которые не имели право находиться в этой зоне безопасности? А если они разрешили это, то тогда у меня возникает подозрение в том, что это было сделано специально для того, чтобы организовать маленькую победоносную войну. А если она не получилась - создать из России образ врага, и уже на этой почве объединять электорат вокруг одного из кандидатов в президенты. Конечно, кандидата от правящей партии, потому что таким ресурсом может обладать только правящая партия.

Вот мои рассуждения и предположения. Это ваше дело - согласиться с этим или нет. Но они имеют право на существование, поскольку мы обнаружили следы американских граждан в зоне боевых действий.

Т.РОТ: И последний вопрос, который я хотел Вам задать, он меня очень интересует. Не считаете ли Вы, что Вы сами лично находитесь в западне авторитарного государства? В созданной ныне системе Вы получаете информацию от Ваших спецслужб, Вы получаете информацию из различных источников, в том числе из высшей экономической среды. Но даже средства массовой информации порой боятся сказать что-то иное, что противоречит тому, что Вы хотите услышать.

Не получилось ли так, что созданная Вами система, сама теперь закрывает Вам широкий взгляд, возможность действительно видеть те процессы, которые сейчас происходят в Европе, в других странах?
В.В.ПУТИН: Уважаемый господин Рот, Вы охарактеризовали наше политическое устройство как авторитарную систему.

Вы упомянули в ходе нашей сегодняшней дискуссии несколько раз об общих ценностях. Где набор этих ценностей?

Есть основополагающие принципы. Ну, скажем, право человека на жизнь. Вот в США, допустим, есть смертная казнь, а у нас, в России, нет и у вас, в Европе, нет. Значит ли это, что вы собираетесь выйти, скажем, из блока НАТО, потому что нет полного совпадения ценностей у европейцев и у американцев?

Теперь возьмем этот конфликт, который мы сейчас с вами обсуждаем. Разве вам не известно, что происходило в Грузии в последние годы? Загадочная смерть премьер-министра Жвания. Расправа с оппозицией. Физический разгон митингов протеста оппозиционных сил. Проведение общенациональных выборов фактически в условиях чрезвычайного положения. Затем эта преступная акция в Осетии со многими человеческими жертвами. И это, конечно, демократическая страна, с которой нужно вести диалог и которую нужно принять в НАТО, а может быть и в Евросоюз.

А если другая страна защищает свои интересы, просто право своих граждан на жизнь, граждан, на которых осуществлено нападение - у нас 80 человек убили сразу. 2000 мирных граждан там в итоге убиты. И мы что, не можем защитить жизни своих граждан там? А если мы защищаем свои жизни, то у нас отберут колбасу? У нас выбор какой - между колбасой и жизнью? Мы выбираем жизнь, г-н Рот.

Теперь по поводу другой ценности - свободы прессы. Посмотрите, как освещаются эти события в прессе Соединенных Штатов, которая считается светочем демократии. Да и в европейской тоже.

Я был в Пекине, когда начались эти события. Начался массовый обстрел Цхинвали, начались уже наземные операции грузинских войск, уже были многочисленные жертвы, - никто слова не сказал. Ваша компания молчала, и все американские компании молчали, как будто ничего не происходит, - тишина. Как только агрессору дали по роже, зубы ему выбили, как он только бросил все американское оружие и побежал без оглядки - сразу все вспомнили и про международное право, и про злобную Россию. Сразу все заголосили.

Теперь по поводу колбасы, экономики. Мы хотим нормальных экономических связей со всеми нашими партнерами. Мы очень надежный партнер. Мы никогда никого не подводили.

Когда мы строили трубопроводную систему в Федеративную Республику Германии в начале 60-х годов, там наши партнеры из-за океана тоже советовали немцам не соглашаться с этим проектом. Вы должны об этом знать. Но тогда руководство Германии приняло правильное решение, и вместе с Советским Союзом эта система была построена. Сегодня это один из надежных источников обеспечения углеводородами немецкой экономики. 40 миллиардов кубических метров Германия получает ежегодно. В прошлом году и в этом, и получит, гарантируем это.

Теперь давайте посмотрим более глобально. Какова структура нашего экспорта в европейские страны, да и в Северную Америку? На 80 с лишним процентов - это товары сырьевой группы: нефть, газ, нефтехимия, лес, разные металлы, химические удобрения. Это все, в чем крайне нуждается мировая и европейская экономика. Это очень востребованные товары на мировых рынках.

У нас есть возможности и в высокотехнологичных областях, но они пока очень ограничены. И, более того, даже имея договоренности с Евросоюзом, скажем, в области поставок ядерного топлива, нас неправомерно не пускают на европейский рынок. Кстати говоря, из-за позиции наших французских друзей. Но они об этом знают, мы с ними долго дискутировали.

Но если кто-то хочет нарушить эти связи, мы не сможем ничего с этим поделать. Мы этого не хотим.

Мы очень надеемся на то, что наши партнеры будут так же исполнять свои обязательства, как мы исполняли и намерены исполнять свои обязательства в будущем.

Это то, что касается нашего экспорта. А что касается вашего экспорта, то есть для нас импорта, в России очень надежный и большой рынок. Я сейчас не помню цифры, но поставки, скажем, немецкой машиностроительной промышленности на российский рынок растут из года в год. Они просто очень большие сегодня. Кто-то хочет перестать нам поставлять? Мы будем покупать в других местах. Кому это надо, я не понимаю?

Мы призываем к объективному анализу сложившейся ситуации. Мы надеемся на то, что здравый смысл и справедливость восторжествуют.

Мы - жертва агрессии. Мы надеемся на поддержку наших европейских партнеров.

Т.РОТ: Сердечное спасибо за это интервью, г-н Премьер-министр.
В.В.ПУТИН: Спасибо большое.


About this story:

Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Tagesschau der ARD, putin-ard.blogspot.com, Russland.ru, Offizielle Website der russischen Regierung.

Personalities: Wladimir Putin, Thomas Roth.

Copyrights: © Videos: Tagesschau der ARD.

Trotzdem kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei entsprechenden Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.

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  • 17 Kommentare für diesen Artikel

    1. SergeyNo Gravatar schreibt:

      Warum wird in der freien westlichen Presse diese Interview so wahlweise veröffentlicht? In dieser Seite gibt es nur etwa 1/3 davon. Alle scharfe und treffende Äußerungen Putins sind einfach unterlassen. Das vollständige Interview ist bei http://www.politik.de/forum/sh.....?p=8105957 ausgelegt. Putin zeigt wieder Klasse.

    2. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Tatsächlich publizierte die ARD in der Tagesschau und einer nachfolgenden 10 Minuten dauernden Sondersendung nur rund 15 Prozent des insgesamt 60 Minuten dauernden Interviews mit Wladimir Putin. Dass Interviews stark gekürzt werden müssen, entspricht der normalen journalistischen Praxis. Auch und gerade beim Fernsehen, sonst wäre jede Tagesschau mehrere Stunden lang.

      Ob dabei die richtigen oder die falschen Interview-Teile herausgeschnitten werden, ist immer eine Frage des Standpunktes. Dies zeigen die Journalisten des russischen Staatsfernsehens, welche das 60 Minuten dauernde Interview ebenfalls stark kürzten – auf rund 30 Prozent der tatsächlichen Dauer – und dabei ganz anders gewichteten.

      Psychologisch ungeschickt finde ich hingegen drei Punkte:

      1. Dass die ARD nicht das vollständige Putin-Interview als Video und in schriftlicher Form im Internet publizierte.

      2. Dass die ARD bei der deutschen Abschrift des stark gekürzten Putin-Interviews schreibt, es handle sich um “Das Interview mit Wladimir Putin im Wortlaut” (Wurde mittlerweile korrigiert).

      3. Dass unmittelbar nach dem nur 10 Minuten dauernden Putin-Interview eine mit 320 Minuten (!) unsäglich lange und unsäglich langweilige US-Wahlkampfsendung gezeigt wurde.

      Jürg Vollmer

      PS: Im Beitrag von Krusenstern finden Sie neben der deutschen und der russischen Version des Fernsehinterviews die ungekürzte Transkription des Interviews in Russisch (nach dessen Aufschaltung auf der Website der russischen Regierung ergänzend beigefügt). Ich erlaube mir zudem, nachträglich die deutsche Übersetzung aus dem politik.de-Forum beizufügen, was sicher im Sinne des Übersetzers ist.

    3. SpiegelfechterNo Gravatar schreibt:

      @Krusenstern

      Hast Du eigentlich Informationen, ob und wenn ja dann was bei der “langen” Version von Vesti-24 gekürzt wurde? Das komplette IV soll zwar fast 60 Minuten gedauert haben, aber es ist ja auch möglich, dass die Differenz zu den 27 Minuten, die Vesti-24 sendete, kein “richtiger” Inhalt war, sondern technische Pausen oder Gespräche zur “Geschäftsordnung”.

    4. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Die Diskrepanz von 60 zu 27 Minuten auch im russischen Fernsehen dürfte einerseits auf den “dazwischen geschalteten” Übersetzer zurückzuführen sein – wobei ich mir nicht vorstellen kann, wieso der nachweislich sehr gut Russisch sprechende ARD-Korrespondent Roth und der ebenso sehr gut Deutsch sprechende Putin einen Übersetzer brauchten – andererseits auf das Weglassen einiger weniger wichtigen Fragen und Antworten.

      Dies müssen aber Vermutungen bleiben, solange nicht die vollständige Aufnahme inklusive Übersetzer publiziert wird.

      Wieso die ARD-Redaktion dies nicht schon längst getan hat und wieso die ARD-Redaktion im http://blog.tagesschau.de/?p=1380 nach mittlerweile 177 Kommentaren die drei von mir angesprochenen Fragen nicht beantwortet, ist mir ein Rätsel.

      Wahrscheinlich handelte es sich nur um eine Verkettung unglücklicher Umstände, von der überhasteten Übersetzung über die (je nach politischem Standpunkt) etwas ungeschickte Kürzung des Putin-Interviews bis zur anschliessenden unsäglich langen und langweiligen US-Wahlkampf-Spezialsendung.

      Ein einziger Beitrag im Tagesschau-Blog würde dies klären.

    5. olgaNo Gravatar schreibt:

      In den Kommentaren sind verschiedene Vorwürfe gegen Herrn Roth geäußert worden. Während es sich über den Vorwurf der Zensur durchaus diskutieren lässt, finde ich folgenden Hinweis viel eindeutiger und schwerwiegender. Es ging darum, dass in einer Reportage aus Gori Herr Roth, vor zwei Wohnblöcken stehend, berichtet haben soll, so sehe die ganze Stadt aus. Eine Reportage des ZDF, die wenige Minuten später ausgestrahlt wurde, zeigte intakte Häuser und funktionierenden Straßenverkehr. Man weiß auch aus anderen deutschen Medien, dass es wenige Zerstörungen in Gori gab.

      Sollte dieser Vorwurf stimmen, so müsste es Konsequenzen für Herrn Roth haben.

    6. Thomas RothNo Gravatar schreibt:

      Offener Brief

      Lieber Zuschauer, liebe Zuschauerin,

      aus Anlass des Interviews mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin haben wir so viele E-Mails bekommen, dass ich sie leider nicht mehr alle einzeln beantworten kann. Die meisten beziehen sich aber auf den gleichen Sachverhalt, dass wir das Interview unzulässig gekürzt hätten.

      Dazu ist zu sagen: Wir haben mit der russischen Seite, also dem Pressedienst des Ministerpräsidenten, vereinbart, dass wir, sofern der Inhalt es rechtfertigt, in den Nachrichtensendungen der Tagesschau und den Tagesthemen über das Interview berichten und außerdem eine ca. 10minütige Zusammenfassung nach den Tagesthemen senden. Das haben wir selbstverständlich auch getan.

      Das Interview selbst war erheblich länger, was übrigens durchaus häufig vorkommt. Fernsehen, Radio, aber auch Zeitungen stellen in einem solchen Fall eine redaktionelle Fassung her, die dann in dem vorbesprochenen Rahmen auch veröffentlicht wird. Mit Zensur hat das nicht das geringste zu tun. Manche E-Mail-Schreiber scheint das zu bewegen.

      Ich habe zugelassen, dass das Interview durch mehrere russische Sender begleitet wird und nach einer vereinbarten Sperrfrist (20:00 Uhr Ortszeit) nach eigener Entscheidung veröffentlicht werden kann. Die russischen Sender haben das in sehr unterschiedlichen Längen getan (von 5 bis zu rund 40 Minuten). Einige haben nur das aus ihrer Sicht wichtigste veröffentlicht. Verpflichtet waren sie nur zur Quellenangabe: Ein Interview der ARD, Erstes Deutsches Fernsehen. Nur zum Verständnis: Hätte die ARD Interesse daran gehabt, irgendetwas nicht zu veröffentlichen, hätten wir uns gar nicht erst auf solche Bedingungen eingelassen. Also nichts durcheinander bringen!

      Die etwas eingeschränkte technische Qualität war dem ungeheuer hohen Zeitdruck an diesem Abend geschuldet. Das hätten wir natürlich gerne noch besser hinbekommen. Der russische Simultanübersetzer ist selbstverständlich ein diplomierter Übersetzer, der schon viele hochrangige Persönlichkeiten, übrigens auch Wladimir Putin, übersetzt hat. Mit etwas weniger Zeitdruck wären wir sicher noch zu einer mehr umgangssprachlichen Übersetzung gekommen, als das an diesem Abend gelungen ist.

      Letzter Punkt: Selbstverständlich ist unser journalistisches Interesse, das ganze Interview zu veröffentlichen. Das geschieht am Dienstag, den 2. September um 6:20 Uhr im WDR-Fernsehen und wird danach auf http://www.tagesschau.de auch in schriftlicher Form veröffentlicht. Wir machen das sehr gerne und freuen uns, wenn wir das große Interesse damit zufriedenstellen können.

      Allen Bloggern und E-Mail-Schreibern herzlichen Dank für ihre Reaktion. Ausgenommen sind diejenigen, denen es nicht gelungen ist, sich außer schwer nachvollziehbaren Beschimpfungen klar und wenigstens halbwegs höflich zu äußern.

      Allerletzter Punkt: Ich freue mich am Donnerstag, den 04. September um 13:00 Uhr über das Interview auf http://www.tagesschau.de zu chatten. Sie alle sind dazu gewiss herzlich eingeladen.

      Mit besten Grüßen

      Thomas Roth

      (Publiziert unter http://www.tagesschau.de/ausland/roth100.html)

      ***

      Anmerkung von Jürg Vollmer:

      Dieser offene Brief von Moskau-Korrespondent Thomas Roth wurde am 1. September 2008 auf der Website der Tagesschau publiziert als Reaktion auf Vorwürfe unter anderem im Weblog der Tagesschau, die in der Sache und im Ton jenseits von Gut und Böse waren. Thomas Roth war in diesen Tagen in Russland unterwegs und persönlich nicht erreichbar.

      Weil sich Thomas Roth damit erstmals persönlich gegen die teilweise unglaublichen Vorwürfe verteidigen konnte, erschien mir dieses Dokument so wichtig, dass ich es noch am 1. September 2008 an dieser Stelle als offenen Brief publizierte – selbstverständlich mit schriftlicher Erlaubnis der dafür zuständigen Redaktion des WDR: “…wir haben nichts dagegen, daß Sie den ohnehin offenen Brief von Thomas Roth in ihren Blog einstellen.”

      Bei der Publikation des offenen Briefes von Thomas Roth habe ich deutlich die Quelle angegeben und einen klar markierten Link auf das Originaldokument gesetzt, wie ich es bei allen Beiträgen für Krusenstern konsequent mache.

      Dass Thomas Roth zu diesem Zeitpunkt persönlich nicht wusste, dass sein offener (!) Brief auch in Krusenstern publiziert wurde, erscheint der WDR-Redaktion in Köln und mir als Krusenstern-Autor auch im Nachhinein nicht relevant. Dies bestätigen ein heute geführtes Telefongespräch und eine E-Mail des zuständigen Redakteurs. Dass Thomas Roth den Krusenstern-Weblog zum damaligen Zeitpunkt nicht einmal kannte, nehme ich auch nicht weiter tragisch – der Russland-Korrespondent und ARD-Studioleiter wird in Moskau gewiss wichtigere Lektüre haben.

      Weil anonyme Kreise nun Spekulationen über die “Rechtmässigkeit” der Publikation des offenen Briefes von Thomas Roth in Krusenstern anstellen, ergänze ich den offenen Brief mit dieser Anmerkung. Damit sollte sich die Diskussion erledigt haben.

      Zürich, 29. September 2008 - Jürg Vollmer

    7. Der UnbequemeNo Gravatar schreibt:

      Ich finde, dass die ARD angesichts des Interviews ihre US-Sendung hätte reduzieren können, oder das Interview bei Phönix zur einer besseren Zeit als 6:20 laufen lassen. Um 6:20 wird das Interview bestimmt kaum jemand schauen, das wissen wir doch alle. Das ist die allerschlechteste Fernsehzeit, angesichts der Wichtigkeit des aufziehenden “Kalten Krieges” und der Notwendigkeit, einander zu verstehen, geradezu lächerlich. Aber das ist natürlich keine Kritik an Thomas Roth persönlich.

      Zumindest hat Thomas Roth den Mut, mit den Benutzern zu chatten, vielen Dank dafür.

      Meiner Frage ist: warum haben Sie damals aus Gori von einer “schwer zerstörten” Stadt berichtet, wo in der Tat nur zwei-drei Häuser beschädigt wurden. Im Fernsehen wurde, wie Olga richtig anmerkte, immer das gleiche Gebäude gezeigt. Hingegen gibt es in Zchinvali viel schlimmere Verwüstungen und deutlich mehr Tote, hier in Paar Bilder:

      http://www.flickr.com/photos/29505388@N03/

      Warum hat der Westen so unproportional berichtet? War es von den Redaktionen so gewollt und gab es andere, praktische Gründe?

      Und noch eine letzte Frage: sind die russischen Argumente wirklich so schwer nachvollziehbar? Wenn ich durch die deutschen Foren und Blogs surfe, dann habe ich dieses Gefühl überhaupt nicht. Die User stehen mehrheitlich hinter Russland. Schaue ich aber auf offizielle Medien und unsere Politik, habe ich oft das Gefühl, es existiert da irgendwo eine Betonwand. Ist sie echt oder gespielt?

      Mit freundlichen Grüssen

      Der Unbequeme

    8. egghatNo Gravatar schreibt:

      Das Interview als Abschrift gibt es auch hier:

      http://putin-ard.blogspot.com/

      Spannend, weil die Stellen, die herausgeschnitten wurden, kursiv sind und man so auf einen Blick erkennen kann, was gesendet wurde und was nicht.

    9. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Herzlichen Dank für die Anregung, die verschiedenen Versionen deutlicher zu kennzeichnen. Noch sichtbarer als mit kursiver Schrift werden die Unterschiede durch die Verwendung verschiedener Farben, was ich nun nachträglich getan habe.

    10. olgaNo Gravatar schreibt:

      Ich habe nicht verstanden, welche Aussagen mit gelber Farbe markiert sind. In dem von Vesti ausgestrahlten Interview sind sie drin gewesen. Was heißt “Zusätzliche Passagen”?

      Ich finde, es ist auch interessant, den vom ard-putin.blogspot.com publizierten deutschen Wortlaut (der mit dem russischen übereinstimmt) mit dem auf der ARD-Seite veröffentlichten Interview-Text zu vergleichen.

      Aus einer defensiven Bemerkung von Thomas Roth an dieser Stelle:

      “Putin: Sie haben mich falsch verstanden. Haben Sie die Unabhängigkeit Kosovos anerkannt? Ja oder Nein?
      Roth: Ich selbst nicht, ich bin Journalist.”

      wurde da eine selbstbewusste:

      “Putin: Sie haben mich falsch verstanden. Wurde die Unabhängigkeit des Kosovo von ihnen anerkannt, ja oder nein?
      Roth: Aber nicht alle Länder Europas. Nicht alle.”

      Herr Roth scheint sich für einige Stellen in seinem Interview richtig zu schämen.

      Unglaublich, aber es geht immer weiter, er versucht das Interview auch jetzt, nach der ganzen Diskussion, an einigen Stellen abzuändern.

    11. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Die Übersetzung von http://www.russland.ru hatte einige kurze Passagen zusätzlich zur Übersetzung von http://www.ard-putin.blogspot.com, diese zusätzlichen Passagen sind gelb markiert.

      Die von Ihnen kritisierte Kürzung in der nun von der ARD publizierten Abschrift halte ich dagegen nicht für relevant – höchstens psychologisch ungeschickt, wenn man weiss, dass jetzt jede kleinste Abweichung als Skandal empfunden wird.

      Und im Gegensatz zu Ihnen betrachte ich Thomas Roth weiterhin als einen integeren und kompetenten Journalisten, so wie ich als ehemaliger Fernsehjournalist auch die ganze Zensur-Diskussion in anderen Weblogs nicht nachvollziehen kann.

      Das Putin-Interview von Thomas Roth ist gute Arbeit! Die Übersetzung war aus Zeitmangel zwar nicht gerade ein Glanzstück, seine Fragen und selbst die Kürzungen halte ich hingegen durchaus vertretbar, wenn auch (je nach politischem Standpunkt) etwas ungeschickt. Wobei ja nicht einmal bekannt ist, ob er selber die Kürzungen vornehmen musste, oder ob die Redaktion dies machte.

      Was in der Diskussion völlig untergeht ist die meines Erachtens viel wichtigere Frage, warum die ARD anschliessend an das auf 10 Minuten gekürzte Putin-Interview eine fünfeinhalb (!) Stunden dauernde, unsäglich lange und langweilige US-Wahlkampf-Spezialsendung brachte.

      So wie auch die deutschsprachigen Printmedien (mit wenigen Ausnahmen wie der Neuen Zürcher Zeitung) seitenweise substanzlosen Klatsch und Tratsch vom US-Wahlkampf bringen, während sich vor der Haustüre im Georgien-Konflikt, in der Ukraine und im völlig vergessenen Belarus echte Geschichte(n) ereignet.

      Oder will mir tatsächlich ein Chefredakteur erklären, die schwangere 17-jährige Tochter der potentiellen Vizepräsidentin eines potentiellen US-Präsidenten sei relevant?

      Darüber würde sich wirklich zu diskutieren lohnen.

      Jürg Vollmer

    12. olgaNo Gravatar schreibt:

      Hier ist ein Auszug aus dem Interview von Thomas Roth im Deutschlandfunk:

      Klein: Hat sich denn der WDR tatsächlich aufgrund des Zuschauerdrucks erst entschieden, das Interview dann in ganzer Länge zu senden?

      Roth: Nein. Es war von Anfang an geplant, von uns jedenfalls, dass wir das Interview in ganzer Länge senden. Es war noch nicht klar, welcher Sender da zugreift. Der Westdeutsche Rundfunk hat sich entschlossen, wie gesagt so weit ich weiß auch der Bayerische Rundfunk, und das ist ja schon mal eine ganze Menge.

      Klein: Aber erstaunlich war für manchen, dass die gesamte Fassung dann früh morgens um 6:20 Uhr im WDR-Fernsehen, also im dritten Programm lief. Wie kam es zu der Entscheidung? Es wäre ja auch denkbar gewesen, das bei Phönix oder auch im Ersten Deutschen Fernsehen laufen zu lassen.

      Roth: Da überfragen Sie mich. Im Korrespondentenbüro entscheidet man solche Dinge nicht, sondern das entscheiden die jeweiligen Programmplanungen in den jeweiligen Landesrundfunkanstalten. Das ist bei uns so, wie es bei Ihnen auch der Fall ist. Mein Interesse ist natürlich immer, an möglichst prominenter Stelle im Programm zu sein. Das ist uns an diesem Freitag ja auch gelungen, wie ich finde. Aber es sind natürlich noch mehr Interessen, die ein solches Fernsehprogramm bestreiten. Da laufen Spielfilme, die nicht billig sind, Zuschauererwartungen. Da sind viele Dinge langfristig angekündigt. Die Zuschauer warten darauf. Insofern sind das sicherlich alles Kriterien, die die Programmplanung dann in dem Falle auch beeinflussen.

      Klein: Nach welchen Kriterien, Herr Roth, haben Sie die Kurzfassung, diese 10 Minuten aus dem längeren Interview ausgewählt?

      Roth: Nach den üblichen Kriterien, indem man sagt: was ist an diesem Abend das journalistisch Interessante? Was ist das journalistisch Neue, was die Zuschauer interessieren könnte, und was verzerrt insgesamt nicht den Inhalt des Interviews? Da waren viele Stellen drin, die wir an dem Abend leider nicht senden konnten. Wenn Sie sich die Langfassung zu Gemüte führen, werden Sie auch wissen, was ich meine. Aber wir haben uns darauf konzentriert, was nachrichtlich das Wichtigste sein könnte. Ich weiß nicht, ob zwei Journalisten dann jeweils die gleiche Variante wählen würden. Das ist die journalistische Freiheit und hoffentlich auch Kompetenz, daraus auszuwählen. Schauen Sie, das ist ähnlich, wie wenn Sie zu einer Pressekonferenz gehen, die eine Stunde, zwei Stunden oder vielleicht gar noch länger dauert, und am Ende dann darüber berichten. Dann werden Sie zwei, drei O-Töne auswählen, in der Hoffnung, dass Sie die richtigen treffen. Das ist da natürlich auch so, aber ich war deshalb dort auch ganz beruhigt, weil mir von Vornherein klar war, dass wir natürlich die Langfassung dieses Interviews auch senden werden. Insofern haben wir, glaube ich, wirklich das ganze Bild geliefert, im Fernsehen und im Internet. Mehr kann man, glaube ich, nicht tun.

      Klein: Ich darf noch mal sagen: beide Fassungen des Interviews sind auf “tagesschau.de” nachzulesen. - Ich würde gerne mal meinen Eindruck schildern. In der Langfassung kommen schon einige Dinge vor, drastischere Aussagen wie noch mal Vorwürfe des Völkermordes von Putin an die Adresse Georgiens, Vergleiche mit dem Einmarsch der Amerikaner in den Irak. Verkürzt gesagt: Was Saddam Hussein dort gemacht hat war weniger schlimm, als was die Georgier taten. Dann noch mal der Vorwurf, ein bestimmtes politisches Lager in den USA hätte zu Gunsten ihres Kandidaten die Entwicklung provoziert. - Ich habe die Kurzfassung zumindest als gemäßigter empfunden, oder täuscht das?

      Roth: Nein, das würde ich so nicht sagen. Was man übrigens nicht vergessen darf: So etwas geschieht unter außerordentlich großem Zeitdruck. Das Interview fand ja am Abend statt. Da hat man nicht allzu viel Zeit abzuwägen. Aber Sie haben völlig Recht: das sind so Stellen, die ich vorhin auch gemeint hatte, wo ich dachte, die müsste man unbedingt noch in die Kurzfassung reinbringen. Dann haben sie natürlich eine beschränkte Zeit. Aber Sie erwähnen das richtig. Was für mich das eigentlich Spannende an dem Interview war, war die direkt gesuchte Konfrontation - so habe ich das jedenfalls interpretiert; das tue ich bis heute - des russischen Ministerpräsidenten mit dem Weißen Haus in Amerika. Das heißt er sagt in dem Interview mehr oder weniger deutlich (eher deutlich), dass dieser Krieg im Weißen Haus angezettelt worden sei, um in dem Fall der regierenden Partei (also dem Präsidenten Bush und seinem von ihm erwünschten Nachfolger McCain) Popularität zu verschaffen. Das habe ich in dieser Direktheit bis dahin noch nicht gehört. Mein Eindruck ist, dass wir überhaupt mit dieser gesamten Georgien-Krise doch eine Bruchstelle vorliegen haben, eine erhebliche Verschärfung des Tons. Übrigens heute Morgen wird der russische Präsident Medwedew ja auch zitiert mit der Äußerung (ich glaube, es war im italienischen Fernsehen), wo er gesagt hat, Saakaschwili, der georgische Präsident, ist eine politische Leiche. Das ist schon als Kommunikation zwischen Staatschefs eine absolut neue Gangart und ich muss selbst sagen, dass mich das beunruhigt.

    13. olgaNo Gravatar schreibt:

      Hier ist der Link zu dem ganzen Interview

      http://www.dradio.de/dlf/sendu.....lf/841448/

    14. olgaNo Gravatar schreibt:

      Hallo Herr Vollmer,

      ich gebe zu, meine Anmerkung zu den Abweichungen bei der Übersetzung ist kleinlich. Mit ihr lässt sich der Vorwurf der Zensur nicht belegen. Aber das war auch nicht meine Intention.

      Ich finde es interessant, dass sie von psychologischen Ungeschicktheiten in diesem Zusammenhang sprechen. Ich finde, dass die von mir zitierte Abweichung tatsächlich vor allem einen psychologischen Charakter hat. In meinen Augen ist es ein Beleg dafür, dass Herr Roth sich ungemütlich fühlt, weil es ihm nicht gelungen ist, in einer sehr spannenden Diskussion (da gebe ich Ihnen auch Recht) Putin argumentativ „zu schlagen“. Das ist für mich der entscheidende Punkt.

      Ich zweifele jetzt tatsächlich an der Integrität dieses Journalisten. Aber er ist mir nicht so wichtig. Es gibt ein viel wichtigeres Problem, dass jetzt auf der Hand liegt, und welches dieses Interview dokumentierte. Mit den demokratischen Werten allein zu argumentieren, die angeblich für Europa so heilig sind, ist vor dem Hintergrund des Konflikts in Georgien nicht mehr möglich. Man kann und muss über das Vorgehen Russlands diskutieren. Aber man wird ein glaubwürdiger (Diskussions)Partner erst dann, wenn man in aller Öffentlichkeit, und zwar unmissverständlich, das Vorgehen Georgiens als „inakzeptabel“ kritisiert.

      Das ist bis jetzt auf der höchsten politischen Ebene nicht geschehen. Und das wollte Herr Roth – oder eben ein anderer Zuständiger bei der ARD – nicht. Dieser Eindruck entsteht, wenn man sich die gekürzte Version anschaut.

      Sehr problematisch ist die Feststellung Roths, die Ausstrahlung der Vollversion sei geplant gewesen und daher keine Reaktion auf das Blog. Sie lässt sich keinesfalls nachweisen.

      Und schließlich offenbaren Einträge im Blog ein großes Diskussionsbedarf über die Rolle der Medien auch in diesem Krieg. Da wären wir auch bei der Frage, die Sie angesprochen haben, nämlich, warum US-Wahlkampf und nicht Georgien-Konflikt. Dass die Zuschauer/User damit nicht einverstanden sind, dass sie sich für was anderes interessieren als eine 17-jährige Schwangere, offensichtlich nicht für die teuren Spielfilme, die Herr Roth in seinem Interview anspricht, ist doch wunderbar! Dass man sich selbst eigene Meinung bilden möchte, ist doch super! Wäre die Geschichte mit Putin-Interview nicht ein guter Anfang für eine umfangreiche Diskussion in den Medien über die Medien im Georgien-Konflikt und überhaupt? Ich finde schon.

      Im Übrigen finde ich, dass das Interview von Thomas Roth im Deutschlandfunk seine Voreingenommenheit zeigt. Er ist offensichtlich davon überzeugt, dass Russland in den Konflikt eingriff, um Saakaschwili zu stürzen. Deshalb der Titel des Interviews mit Putin - „Saakaschwili dürfte keinen Staat führen“, deshalb der Hinweis in seinem Deutschlandfunk-Interview auf Medwedews Worte „Saakaschwili ist eine politische Leiche“. Es ist ein Versuch, mit den Zitaten die Absichten (angeblichen) zu belegen. Es O.K., aber solange man es auch als eine Meinung eindeutig identifizieren kann.

    15. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Heute chattet Thomas Roth, ARD-Korrespondent und Studioleiter in Moskau, von 13 bis 14 Uhr im tagesschau-Chat zu seinem umstrittenen Putin-Interview: http://www.talksalon.de/?cid=184&id=ts2

      Nach der Ausstrahlung dieses Interviews publizierte Krusenstern am 30. August 2008 um 18 Uhr als erstes Medium das Putin-Interview in der vollständigen Version des russischen Staatssenders Westi und in der gekürzten Version der ARD mit einer vollständigen Abschrift des Interviews in Russisch und Deutsch.

      Verschiedene deutsche Weblogs folgten und lancierten damit eine heftige Diskussion, auch die Diskussion im Tagesschau-Weblog http://blog.tagesschau.de/?p=1380 erreichte mit bisher rund 900 Kommentaren neue Dimensionen.

      Ich werde den Chat mit Thomas Roth verfolgen, habe der Redaktion auch im Voraus einige Fragen eingereicht, und werde natürlich darüber berichten.

      Jürg Vollmer

    16. olgaNo Gravatar schreibt:

      Ich habe mir das auf der Internet-Seite von der ARD als Video-Datei veröffentlichte Interview angeschaut und finde, dass diese Version vollständig ist. Es gibt da nichts zu kritisieren. Somit ist dieser Teil der Diskussion für mich beendet.

      Dagegen hat der russische Sender offensichtlich eine Passage entfernt, wo Thomas Roth Putin die Position der EU-Länder erklärt.

      ” Roth: Kann ich Ihnen erklären, warum sie Sie nicht verstehen? Darf ich das? Weil der Unterschied, so wird argumentiert, darin besteht, dass im Kosovo zum Beispiel die UNO mitbeschäftigt war, internationale Gremien mitbeschäftigt waren, es gab verschiedene Resolutionen. Sie haben einige davon, Russland auch, mitgetragen. Dieses war in Südossetien, Abchasien natürlich nicht der Fall, oder nur zum Teil. Und darin besteht, jedenfalls aus der Sicht der europäischen Gemeinschaft, der große Unterschied. Dass Gewalt auf beiden Seiten angewendet worden ist, ist richtig. ”

      Darüber könnte man auch diskutieren, aber ich denke, es ist jetzt nichts neues dabei in Bezug auf russisches Fernsehen.

      Die Kriterien für die Kürzung, die Herr Roth in seinem Interview im Deutschlandfunk genannt hat, sind natürlich richtig. Aber ich finde es äußerst problematisch, dass ein so wichtiges Interview lediglich als Quelle für Nachrichten (”was ist an diesem Abend das journalistisch Interessante? Was ist das journalistisch Neue, was die Zuschauer interessieren könnte, und was verzerrt insgesamt nicht den Inhalt des Interviews?”) benutzt und nicht als Hintergrund zu der Krise im Kaukasus veröffentlicht werden sollte.

    17. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Anmerkung zum offenen Brief von Thomas Roth:

      Am 1. September 2008 wurde auf der Website der Tagesschau ein offener Brief von Moskau-Korrespondent Thomas Roth publiziert als Reaktion auf Vorwürfe unter anderem im Weblog der Tagesschau, die in der Sache und im Ton jenseits von Gut und Böse waren. Thomas Roth war in diesen Tagen in Russland unterwegs und persönlich nicht erreichbar.

      Weil sich Thomas Roth damit erstmals persönlich gegen die teilweise unglaublichen Vorwürfe verteidigen konnte, erschien mir dieses Dokument so wichtig, dass ich es noch am 1. September 2008 an dieser Stelle als offenen Brief publizierte – selbstverständlich mit schriftlicher Erlaubnis der dafür zuständigen Redaktion des WDR: “…wir haben nichts dagegen, daß Sie den ohnehin offenen Brief von Thomas Roth in ihren Blog einstellen.”

      Bei der Publikation des offenen Briefes von Thomas Roth habe ich zudem deutlich die Quelle angegeben und einen klar markierten Link auf das Originaldokument gesetzt, wie ich es bei allen Beiträgen für Krusenstern konsequent mache.

      Dass Thomas Roth zu diesem Zeitpunkt persönlich nicht wusste, dass sein offener (!) Brief auch in Krusenstern publiziert wurde, erscheint der WDR-Redaktion in Köln und mir als Krusenstern-Autor auch im Nachhinein nicht relevant. Dies bestätigen ein heute geführtes Telefongespräch und eine E-Mail des zuständigen WDR-Redakteurs. Dass Thomas Roth den Krusenstern-Weblog zum damaligen Zeitpunkt nicht einmal kannte, nehme ich auch nicht weiter tragisch – der Russland-Korrespondent und ARD-Studioleiter wird in Moskau gewiss wichtigere Lektüre haben.

      Weil anonyme Kreise nun Spekulationen über die “Rechtmässigkeit” der Publikation des offenen Briefes von Thomas Roth in Krusenstern anstellen, ergänze ich den offenen Brief mit dieser Anmerkung. Damit sollte sich die Diskussion erledigt haben.

      Jürg Vollmer

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    Kommentare

    • engel: Ihr Artikel ist super amüsant und sehr informativ. Ich habe 14 Jahre auf der Krim gewohnt. Freue mich über...
    • Mueller und Meier: Bin gerade jetzt in Odessa und es erinnert tatsaechlich stark an Russland. Mehr Schein als Sein...
    • robert: @ Herr Kursell: Frau Pugacheva war die erste Künstlerin welche in einem Song (Arlekino) ein Schauspiel...
    • robert: Also ich muss sagen ich liebe Pugachevas Stimme. Sie ist prägnant, hat einen exzellenten...
    • Serg: Weiß jemand ob dieser Film jemals im Ausland präsentiert wird?

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