Bachtschissarai * Der Khan-Palast in Bachtschissarai ist eines der letzten Zeugnisse der islamischen Tataren-Kultur auf der Krim-Halbinsel. Vom Khan-Palast aus wurde einst das Khanat Krim regiert, vom 16. bis ins 18. Jahrhundet war er das Zentrum des Islam in der Ukraine. In den vergangenen Jahren wurde der ganze künstlerisch wertvolle Khan-Palast restauriert und glänzt nun wieder in orientalischer Pracht.
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Von Bachtschissarai aus wurde das Khanat Krim regiert
Bachtschissarai * Бахчисарай bedeutet in der tatarischen Sprache “Palast der Gärten”. Als eines der wenigen Zeugnisse der Tataren-Kultur auf der Krim-Halbinsel ist der legendäre Khan-Palast erhalten geblieben, von dem aus einst das Khanat Krim regiert wurde und der vom 16. bis ins 18. Jahrhundet das Zentrum des Islam in der Ukraine war.
Bachtschissarai ist 35 Kilometer oder eine Stunde mit dem Zug respektive Bus von Simferopol entfernt. Etwa gleich lange dauert die Fahrt von Sewastopol, die (Hin- und Rückfahrt) rund 5 Euro kostet. Noch einmal 5 Euro kostet die Taxifahrt vom Stadtzentrum zum Khan-Palast, den Fussmarsch entlang der staubigen und viel befahreren Hauptstrasse muss man sich wahrlich nicht antun.
Bachtschissarai, Bilohirsk und Aluschta waren Tataren-Städte
Bachtschissarai selbst ist nämlich wenig spektakulär, wenn man von den Moscheen für die muslimischen Krim-Tataren absieht. Bis zur Deportation der Krim-Tataren unter Stalin am 18. Mai 1944 war Bachtschissarai neben Karasubazar (heute Bilohirsk) und Aluschta eine von drei Städten auf der Krim-Halbinsel mit einer tatarischen Mehrheit.
Nach 1990 kehrten rund 250.000 Krim-Tataren aus Zentralasien zurück auf die Krim-Halbinsel, 8.000 von ihnen leben heute in Bachtschissarai, das insgesamt 30.000 Einwohner zählt.
Während die Stadt 1454 am rechten, steilen Ufer des Kuruksu-Flusses erbaut wurde, erhebt sich am linken Flussufer seit 1503 stolz der von Khan Mengli-Girei gegründete Khan-Palast. Stadt und Palast liegen direkt am Karawanenweg, der von Chersones nach Norden führt, so dass die Krim-Tataren mit den Karawanen regen Handel treiben und von diesen gleichzeitig Wegzoll verlangen konnten.
Der Khan-Palast in Bachtschissarai
Der Bau des tatarischen Khan-Palastes durch iranische, türkische, russische, ukrainische und italienische Meister dauerte 200 Jahre. Dadurch entstand eine teilweise wilde Mischung aus verschiedenen Baustilen, vom islamischen Orient bis zur italienischen Renaissance, die den unermesslichen Reichtum des Khans widerspiegelten.
In den vergangenen Jahren wurde der künstlerisch wertvolle Khan-Palast restauriert, wobei die späteren (sprich europäischen) Anbauten entfernt wurden, um den jahrhundertealten Holzbauten ihren orientalischen Charakter wieder zu geben.
Der Tränen-Brunnen im Khan-Palast von Bachtschissarai
Für die meisten Touristen ist der legendäre Tränenbrunnen das Ziel, der von Alexander Puschkin in einem berühmten Gedicht besungen wird. Ganze Reisegruppen stehen deshalb in langen Schlangen an, um sich vor dem Tränenbrunnen gegenseitig zu fotografieren. Der viel schönere Goldbrunnen auf der anderen Seite der Eingangshalle bleibt dagegen unbeachtet.
Auch wenn die gedruckten Reiseführer empfehlen, dass man sich einer Führung anschliessen soll, empfehle ich genau das Gegenteil. Die Führer schleppen die Touristenhorden im Fünfminuten-Takt von Raum zu Raum, für grosse Erklärungen oder genauere Betrachtungen bleibt dabei keine Zeit. Zwischen den Reisegruppen hat man dagegen die Räume für sich alleine.
In der kleinen Palast-Moschee fällt zum Beispiel ein jüdischer Davidstern auf, der im 16. Jahrhundert offenbar auch von den Muslimen als religiöses Symbol verwendet wurde.
Besonders schön sind der mit farbigem Fensterglas vor dem Staub der Aussenwelt geschützte Sommer-Saal, in welchem Dichter und Denker dem jeweiligen Khan Vorlesungen hielten, und der Haupt-Saal mit einem (heute leider nicht mehr existierenden) Springbrunnen in der Mitte. In diesem und den meisten anderen Brunnen des Palastes konnten sich die Gläubigen waschen, wenn der Muezzin zu den fünf täglichen Gebeten aufruft – was er sechs Jahrzehnte nach der Deportation durch Stalin heute wieder tun darf.
Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
“Die Krim entdecken” (Trescher-Reihe Reisen) und Wikipedia.
Personalities: Khan Mengli-Girei, Stalin.
Copyrights: © Fotos: Jürg Vollmer / Krusenstern.
Trotzdem kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei entsprechenden Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.











22. März 2009 um 08:29
[...] Khan-Palast der Tataren in Bachtschissarai auf der Krim-Halbinsel [...]