Kiew * Der Ukraine drohen in den nächsten Wochen der Bankrott und der totale Kollaps, weil die ukrainische Währung Griwna im Sturzflug ist: In nur zwei Tagen verlor die Griwna gegenüber dem Dollar 17 Prozent. Im Mai 2008 musste musste man für 1 Dollar rund 4 Griwna bezahlen, am Freitag schon 8 Griwna – und der IWF rechnet bis März 2009 sogar mit 15 Griwna! Ab 1. Januar 2009 bleiben deshalb die meisten Wechselstuben in der Ukraine geschlossen.

1 Griwna-Geldschein in der ukrainischen Währung.

1 Griwna-Geldschein der ukrainischen Währung (Ausschnitt).

Katastrophale Abwertung der Griwna um 90 Prozent in fünf Monaten

Die Abwertung, welche die ukrainische Währung Griwna * Гривня seit Juni 2008 erlebt hat, ist einzigartig: In nur zwei Tagen verlor die Griwna gegenüber dem Dollar 17 Prozent, seit Mai 2008 sogar 90 Prozent. Vor einigen Tagen erklärte ein Sprecher des ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko, wenn der Kurs 9 Griwna erreiche, könnten 60 Prozent aller Kredite in der Ukraine nicht erfüllt werden.

Die Zahlen machen Angst: Im Mai 2008 musste musste man für 1 Dollar rund 4 Griwna bezahlen, am Freitag schon 8 Griwna und der Schritt auf 9 Griwna ist bei der aktuellen Krise klein. Dabei steht der Ukraine das Schlimmste noch bevor: Der IWF rechnet damit, dass man im März 2009 für 1 Dollar sogar 15 Griwna bekommt!

Der Griwna-Sturzflug trifft die Bevölkerung hart

Der Grund für den Sturzflug der ukrainischen Währung Griwna ist vor allem in der Stahlindustrie zu suchen, die von der schwindenden Nachfrage nach dem Rohstoff und rapide fallenden Marktpreisen hart getroffen wurde.

Rund 15 Prozent der 46 Millionen Ukrainer arbeiten in der Stahlindustrie und erwirtschafteten bisher ein Drittel der Wirtschaftsleistung der Ukraine. Heute stehen aber 60 Prozent der ukrainischen Hochöfen still, was katastrophale Auswirkungen hat. Es sei “unvermeidbar, dass Dutzende von Betrieben in Konkurs gehen”, erklären Marktanalysten. Treffen wird dies die internationalen Kreditgeber – vor allem aber die ukrainische Bevölkerung.

Selbst in der Hauptstadt Kiew gibt es derzeit kaum noch ausländisches Geld, in der Provinz schon gar nicht: In Sewastopol auf der Krim-Halbinsel konnten im ganzen Monat Dezember weder Banken noch Western Union den Kunden ihr Geld auszahlen. Ab 1. Januar sollen deshalb die meisten Wechselstuben in der Ukraine geschlossen bleiben.

Kann die Ukrainische Nationalbank den Griwna-Sturzflug aufhalten?

Vergangene Woche konnte die Ukrainische Nationalbank * Національний банк України den totalen Kollaps der Griwna und damit den Bankrott des Landes gerade noch verhindern, indem sie innert zwei Tagen zwei Mal die Leitzinsen massiv erhöhte.

Die erste Erhöhung von 17 auf 18 Prozent lockte noch keinen internationalen Investor hinter dem Ofen hervor. Der zweite Schritt am Freitag war dagegen eine ökonomische Sensation – wie auch immer man diesen Begriff werten möchte: Die Ukrainische Nationalbank steigerte die Leitzinsen auf unglaubliche 22 Prozent. Das Geld in den USA oder in Japan um 0 Prozent ausleihen und in der Ukraine um 22 Prozent investieren ist zu einem hoch spekulativen, aber einträglichen Bombengeschäft geworden!

Rekordhohe Auslandsverschuldung der Ukraine

Dabei hatte die Ukrainische Nationalbank seit Oktober 2008 schon über 5 Milliarden Euro in den Zukauf der eigenen Währung gesteckt, um den Sturzflug der Griwna zu wenigstens zu bremsen, wenn sie ihn schon nicht aufhalten konnte.

Bei einer Auslandsverschuldung von 73 Milliarden Euro entfallen vier Fünftel der Kredite auf Banken und Unternehmen, die sich in Fremdwährung verschuldet haben, etwas mehr als die Hälfte in Dollar. Rund 2,8 Milliarden Euro davon müssen alleine im Dezember 2008 zurückgezahlt werden. Kein Ökonom glaubt, dass die ukrainischen Unternehmen dazu in der Lage sind, wenn die konjunkturelle Situation so schlecht ist und die Börse in Kiew mit minus 80 Prozent in diesem Jahr sowieso schon die rote Laterne aller europäischen Börsen trägt.


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Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ, Die Presse, Wien und diverse Nachrichtenagenturen.

Personalities: Wiktor Juschtschenko.

Copyrights: © Fotos: Ukrainische Nationalbank.

Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.

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