Zürich * Sergei Eisensteins Stummfilm-Klassiker “Panzerkreuzer Potemkin” mit Live-Musik von Dmitri Schostakowitsch ist Mitte Januar 2009 in Basel, Luzern, Genf, St.Gallen und Zürich zu sehen. Es spielt das Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau unter Vladimir Fedoseyev. Mit der spektakulären Aufführung wird das 60jährige Bestehen der Klubhaus-Konzerte des Migros-Kulturprozent gefeiert.

Die bekannteste Szene aus dem Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin vom Massaker auf der Treppe zum Hafen von Odessa (siehe Video-Ausschnitt unten).
Eisensteins “Panzerkreuzer Potemkin” mit Schostakowitschs 11. Sinfonie
Die Vorführung von Sergei Eisensteins Stummfilm-Klassiker “Panzerkreuzer Potemkin” * “Броненосец Потёмкин” aus dem Jahre 1925 ist ein Höhepunkt der Feiern zum 60jährigen Bestehen der Klubhaus-Konzerte des Migros-Kulturprozent. In diesem Rahmen wird der sowjetisch-russische Stummfilm-Klassiker mit Live-Musik aufgeführt in Basel, Luzern, Genf, St.Gallen und Zürich (Daten siehe unten). Die letzte Aufführung findet am 19. Januar 2009 in der Tonhalle in Zürich statt.
Untermalt wird der Stummfilm nicht mit der Original-Begleitmusik des Berliner Komponisten Edmund Meisel, sondern mit Teilen der 4. Sinfonie und der 11. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch aus dem Jahre 1957. Setzen sich diese doch kritisch auseinander mit der revolutionären Geschichte Russlands, genauer mit dem Petersburger Blutsonntag * Кровавое воскресенье des Jahres 1905, einem Massaker der Petersburger Palastwache an demonstrierenden Arbeitern.
Die von Armin Brunner 1991 dem Stummfilm “Panzerkreuuer Potemkin” taktgenau unterlegte Musik von Dmitri Schostakowitsch wird vom Stummfilm-Spezialisten Frank Strobel dirigiert. Im ersten Teil des Abends, der unter dem Motto “Sinfonie und Stummfilm” steht, spielt das Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau unter Chefdirigent Vladimir Fedoseyev die 11. Sinfonie von Schostakowitsch (Das Jahr 1905). Dieser Klangkörper war früher bekannt als das legendäre Radio-Sinfonieorchester Moskau.
“Panzerkreuzer Potemkin”: Einer der einflussreichsten Filme aller Zeiten
Die Uraufführung von “Panzerkreuzer Potemkin” fand am 21. Dezember 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater statt, als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der Revolution des Jahres 1905. Die Handlung lehnt sich sehr frei an die tatsächlichen Ereignisse von 1905 an, als zaristische Truppen zur Niederschlagung der Unruhen ein Blutbad anrichteten und daraufhin die Besatzung des vor Odessa ankernden “Panzerkreuzer Potemkin” gegen ihre zaristischen Offiziere meuterte.
“Panzerkreuzer Potemkin” fand beim sowjetischen Publikum grossen Anklang, obwohl der Film unter Stalin ideologisch “angepasst” und verfälscht wurde. Auch im Westen wurde eine “verstümmelte” Version vorgeführt, wenn auch nur deshalb, weil das Original verschollen war. Hüben wie drüben war das Publikum aber vom Film begeistert und Sergei Eisenstein wurde als Regisseur weltbekannt. “Panzerkreuzer Potemkin” wurde als “einer der einflussreichsten Filme aller Zeiten” bezeichnet.
“Panzerkreuzer Potemkin” wurde sorgfältig rekonstruiert
Die bekannteste Szene des Films ist das Massaker auf den Stufen der Richelieu-Treppe zum Hafen von Odessa, eine Freitreppe mit 192 Stufen, welche 1955 in Potemkinsche Treppe * Потьомкінські сходи umbenannt wurde: Zaristische Soldaten marschieren in rhythmischem, maschinenhaftem Schritt die endlos lang erscheinende Treppe hinunter, während sie in die Menschenmenge feuern, die vor den Soldaten die Treppe nach unten zu fliehen versucht (siehe Video-Ausschnitt unten).
“Panzerkreuzer Potemkin” wurde weltberühmt und die Filmhistoriker waren sich einig, dass Sergei Eisenstein * Сергей Михайлович Эйзенштейн mit seiner genialen Filmmontage allen anderen Regisseuren um Welten voraus war. Das Original, die ursprüngliche Fassung, blieb aber über Jahrzehnte im sprichwörtlichen Dunkeln versunken.
Das Filmmuseum Berlin-Deutsche Kinemathek suchte mühsam die noch erhaltenen Film-Negative von “Panzerkreuzer Potemkin” zusammen, vom Bundesarchiv-Filmarchiv in Berlin über das Filmmuseum München und das British Film Institute in London bis zu Gosfilmofond * Госфильмофонд России in Moskau. Dank einer aufwändigen Rekonstruktion und Restauration liegt nun wieder eine Originalfassung vor, die an den Filmfestspielen Berlin 2005 Premiere hatte.
Ausschnitt aus dem Stummfilm-Klassiker “Panzerkreuzer Potemkin”
Eine Ikone der Kino-Geschichte, Sergei Eisensteins “Panzerkreuzer Potemkin”: Die Bevölkerung von Odessa begrüsst im Hafen begeistert die Matrosen vom “Panzerkreuzer Potemkin”. Daraufhin marschieren zaristische Soldaten in rhythmischem, maschinenhaftem Schritt die endlos lang erscheinende Treppe hinunter, während sie in die Menschenmenge feuern, die vor den Soldaten die Treppe nach unten zu fliehen versucht.
(Musikalisch unterlegt mit “Stairway to Heaven” von Led Zeppelin, besser den Ton abschalten!)
Eisensteins “Panzerkreuzer Potemkin” in Bern, Basel, Luzern, Genf, St.Gallen und Zürich
14. Januar 2009: Bern
15. Januar 2009: Basel
16. Januar 2009: Luzern
17. Januar 2009: Genf
18. Januar 2009: St.Gallen
19. Januar 2009: Zürich
Informationen und Tickets:
Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Klubhaus-Konzerte, Goethe-Institut, Filmmuseum Berlin-Deutsche Kinemathek.
Personalities: Sergei Eisenstein * Сергей Михайлович Эйзенштейн, Edmund Meisel, Dmitri Schostakowitsch, Vladimir Fedoseyev.
Copyrights: © Fotos: Filmmuseum Berlin-Deutsche Kinemathek, © Video: Filmmuseum Berlin-Deutsche Kinemathek / Youtube.
Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.



















