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Grosse Wasserweihe der Russisch-Orthodoxen Kirche

Publiziert am 18. Januar 2009 von Krusenstern

Zürich * An der Grossen Wasserweihe zum Fest der Epiphanie am Zürichsee haben rund 100 Russisch-Orthodoxe Gläubige teilgenommen. Trotz eiskalten Temperaturen und Sturm tauchten 20 Gläubige nach altem Brauch in die nun geheiligten Wasser des Zürichsees ein. Die eindrucksvollste Feier im Kirchenjahr bietet Gelegenheit für ein kleines Porträt der Russisch-Orthodoxen Kirche in der Schweiz.

Seit 1816 ist die Russisch-Orthodoxe Kirche in der Schweiz aktiv

Die Russisch-Orthodoxe Kirche fand schon zu Zeiten von Zar Alexander I. als erste orthodoxe Kirche den Weg in die Schweiz. 1816 zelebrierte in Bern der erste Russisch-Orthodoxe Priester und 1936 wurde in Zürich die Auferstehungskirche gegründet, die seit 2002 in ihrem eigenen Gotteshaus an der Narzissenstrasse 10 feiert.

Die Auferstehungskirche ist als einzige Gemeinde des Patriarchats Moskau in der Deutschschweiz geistliches Zentrum für viele Russen, aber auch für Orthodoxe anderer Nationalität ohne eigene Gemeinde und für viele Schweizer. Kern des kirchlichen Lebens sind die regelmässigen Gottesdienste in Kirchenslawisch und Deutsch.

Eine der eindrucksvollsten Feiern im Kirchenjahr ist das Fest der Epiphanie oder Grossen Wasserweihe am 19. Januar (2008 aus kalendarischen Gründen einen Tag früher). “Für uns ist dieser Tag ebenso wichtig wie Weihnachten”, erklärt Dani Schärer, Lektor der Russisch-Orthodoxen Gemeinde in Zürich. Im Mittelpunkt des Festes stehe die Taufe Christi.

Die Bedeutung der Wasserweihe in der orthodoxen Kirche

Die Grosse Wasserweihe wird zum Gedenken der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer nach dem alten Kalender am 19. Januar begangen. “Durch die Taufe von Jesus im Jordan wurde auch das Wasser dieses Flusses und jedes Flusses gesegnet, denn Wasser ist Leben”, betont Lektor Dani Schärer.

Während der Jordan als Grenzfluss zwischen Israel, Libanon, Syrien und Jordanien ganzjährig warmes Wasser führt und eine Taufe im Januar durchaus nachvollziehbar ist, fällt der festliche Tag in Russland mitten in den strengsten Winter.

In Russland muss deshalb oft erst ein Loch ins Eis gehauen werden, damit der orthodoxe Priester mit dem Kreuz das Wasser weihen kann. Danach tauchen die erwachsenen Gläubigen in das Gewässer. Die orthodoxen Gläubigen nehmen das bei der Wasserweihe gesegnete Wasser auch mit nach Hause, um damit ihr Heim zu segnen – und es gibt bis heute russische Mütter, welche nach alter Sitte ihre Säuglinge in die eiskalte Flut tauchen.

Seit 2004 wird die Grosse Wasserweihe in Zürich gefeiert

Die Russisch-Orthodoxe Auferstehungs-Kirche in Zürich hatte erstmals im Januar 2004 zur Grossen Wasserweihe eingeladen. Dieses Jahr war es allerdings eine grosse Herausforderung für Vater Oleg Batov * протоиерей Олег Батов und die Gläubigen.

Das 4 Grad kalte Wasser des Zürichsees war zwar nicht zugefroren wie letztmals 1962/63, so dass Vater Oleg kein Loch ins Eis schlagen musste, bevor er sein Kreuz dreimal kurz in den Zürichsee tauchte. Es herrschte aber Eiseskälte – und die Alarmlichter am Zürichsee blinkten hektische Sturmwarnungen.

Trotzdem fanden rund 100 Gläubige zur Grossen Wasserweihe am Zürichsee, als Vater Oleg zusammen mit Priestern von befreundeten Byzantinisch-Orthodoxen Kirchen um den Heiligen Geist für das Wasser und die versammelten Gläubigen bat, “auf dass es Wasser werde, das aufsprudelt in das ewige Leben und die heiligt, die daran teilhaben!”

Am Schluss des Gottesdienstes tauchten trotz eiskalten Temperaturen und Sturm 20 Gläubige nach altem Brauch in die nun geheiligten Wasser des Zürichsees ein. Andere nehmen wenigstens das in der Kirche geweihte Wasser nach Hause und segnen damit ihr Heim und alles, was dazu gehört. In vielen russischen Haushalten auch in der Schweiz steht deshalb das ganze Jahr über eine Flasche mit dem geweihten Wasser, um es an Stelle der Heiligen Kommunion oder bei Krankheit und Not zu trinken.


About this story:

Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Russisch-orthodoxe Auferstehungs-Kirche in Zürich.

Personalities: Vater Oleg Batov * протоиерей Олег Батов, Lektor Dani Schärer.

Copyrights: © Fotos: Jürg Vollmer / Krusenstern. Zusätzlich zur Auswahl dieser Bildergalerie finden Sie sämtliche Fotos von diesem Anlass im Krusenstern-Fotoarchiv zur kostenlosen Verwendung gemäss der Creative Commons CC-Lizenz.

Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.


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    Kommentare

    • engel: Ihr Artikel ist super amüsant und sehr informativ. Ich habe 14 Jahre auf der Krim gewohnt. Freue mich über...
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