Zürich * Hat im Kaukasus-Konflikt Russland oder Georgien den Krieg begonnen? Diese Frage stellen sich Politiker, Militärs und Medien weltweit. Auch nach dem kaukasischen Fünftagekrieg gibt es kaum verlässliche Informationen, Georgien und Russland betreiben mit Millionenbudgets und westlichen (!) Spin Doctors heftig Propaganda. Im Sinne einer Work in progress sammle ich zusammen mit den Krusenstern-Lesern die Fakten.
Resultat der Krusenstern-Umfrage “Hat Russland oder Georgien den Krieg begonnen?”
Wer hat den Kaukasus-Konflikt im August 2008 begonnen, Russland oder Georgien? Die Karte zeigt die Grenzen von Georgien und seinen Nachbarländern vor Kriegsbeginn.
(Illustration: Lizenz: CC-by-sa, Urheber: Wikimedia-Commons-Benutzer Don-kun, Maksim.)
Die sicheren Fakten zum Kaukasus-Konflikt zwischen Georgien und Russland
Im Kaukasus-Konflikt stehen sich als direkte Kriegsgegner gegenüber:
Georgien mit 4,6 Millionen Einwohnern auf der einen Seite
und
Russland mit 142 Millionen Einwohnern sowie die international nicht anerkannten Republiken
Südossetien mit 75.000 Einwohnern und
Abchasien mit 200.000 Einwohnern auf der anderen Seite.
Der Konflikt wird auf georgischem Staatsgebiet ausgetragen. Ein Staat, der mit rund 70.000 Quadratkilometern Fläche so gross ist wie Bayern. Georgien liegt östlich des Schwarzen Meeres und südlich des Grossen Kaukasus. Seine Nachbarländer sind Russland im Norden, die Türkei und Armenien im Süden sowie Aserbaidschan im Osten. Das Land liegt damit an einer Nahtstelle Eurasiens und hat eine wechselhafte und oft leidvolle Geschichte.
Im Kaukasus-Konflikt zwischen Georgien und Russland ist die Wahrheit der Verlierer
Die Nachrichtenlage im Kaukasus-Konflikt ist bis heute sehr unübersichtlich und dies nicht nur, weil die Kämpfe vor allem in abgelegenen Bergregionen stattfinden. Die Aussagen der Regierungen von Russland, Georgien und der abtrünnigen Republiken Südossetien und Abchasien sind nicht verifizierbar, da es praktisch keine unabhängigen Informationen gibt: Berichte der überwiegend regierungsnahen Medien und insbesondere der staatlichen Nachrichtenagenturen sind offensichtlich Propaganda. Hinzu kommen Hackerangriffe auf die Internetseiten der jeweiligen Gegner.
Kein Grund zur Überheblichkeit aber für die Regierungen und Medien in Westeuropa und den USA: Umgekehrt haben sich nämlich auch viele Vorwürfe westliche Regierungen gegen Russland als falsch erwiesen. Von der teils haarsträubend falschen Berichterstattung vor allem US-amerikanischer Medien aber auch den (im ersten Monat nach Kriegsausbruch gegenüber der georgischen Propaganda) unkritischen Berichten in den deutschsprachigen Ländern ganz zu schweigen.
Diese bis zum heutigen Zeitpunkt (15. September 2008) gegen Russland gerichtete Berichterstattung ist kein Zufall: Die georgische Regierung hat mit einem sehr hohen Millionenbudget so genannte Spin Doctors engagiert. Diese “Medienberater” geben den Informationen den richtigen Dreh (engl. spin) und manipulieren damit die Medien und Regierungen anderer Länder. Georgien und Russland bezahlen solche Spin Doctors, die einprägsame Bilder für die Kameras der Medien inszenieren und orchestrieren – und nachweislich aus Westeuropa kommen.
Für Georgien manipuliert der deutsche “Medienberater” Patrick Worms von der Agentur AspectConsulting aus Brüssel die öffentliche Meinung mit 50 Mitarbeitern alleine in der georgischen Hauptstadt Tiflis.
Für Russland manipuliert die Agentur GPLusEurope aus Brüssel die öffentliche Meinung mit weltweit 40 beteiligten Mitarbeitern. GPLusEurope ist eine Tochter der New Yorker Agentur Ketchum und hat die Berliner Agentur dimap-communications engagiert, welche die russische Sicht der Dinge an die europäischen Medien weitergeben soll.
Spurensuche mit den Krusenstern-Lesern im Kaukasus-Konflikt
Im Sinne einer Work in progress möchte ich deshalb ergründen, wer den kaukasischen Fünftagekrieg begonnen hat. Basierend auf Fakten aus seriösen Mainstream-Medien, die ich selbst sammle – die aber auch Sie als Krusenstern-Leser mit der Kommentarfunktion hinzufügen können. Die Quellen werden wie immer in Krusenstern zitiert und (wenn sie im Internet zugänglich sind) mit einem Link kenntlich gemacht.
Am Schluss dieses Beitrags heisst es ganz bewusst “developing!” Nachweislich falsche Darstellungen der Kriegshandlung werden sichtbar durchgestrichen und durch den aktuellen neuen Wissensstand ersetzt. Es ist ein Experiment, dessen Ausgang ungewiss ist. Beginnen wir mit der Spurensuche im Kaukasus-Konflikt!
Wer hat den Kaukasus-Konflikt begonnen?
7. August 2008 – Die offenen Kampfhandlungen zwischen Soldaten der georgischen Armee und südossetischen Milizverbänden beginnen bereits im Juli 2008 und eskalieren in der Nacht zum 8. August 2008.
8. August 2008 – Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili beschuldigt Russland im US-Nachrichtensender CNN (Zitate gemäss AFP und Reuters), russische Panzer seien unbegründet in Georgien eingedrungen. “Tatsache ist, dass die kleine Nation Georgien von seinem grossen Nachbarn Russland brutal attackiert wird.” Die russische Armee greife von allen Seiten an und treffe dabei auch zivile Ziele, erklärte Saakaschwili, Russland begehe mit Luftwaffenangriffe auf Ziele in Georgien Kriegsverbrechen: “Wir sind zu einem sofortigen Waffenstillstand bereit, wenn die andere Seite aufhört zu schiessen und zu bomben.”
Nach Angaben der georgischen Regierung beginnen georgische Einheiten daraufhin eine Offensive zur Rückgewinnung der Kontrolle über die ganze Region. Daraufhin greifen aus dem Nordkaukasus russische Truppen ein, drängen die georgische Armee zurück und dringen bis ins georgische Kernland vor.
9. August 2008 – Die russische Regierung erklärt gemäss der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, dass “in der Nacht zum 8. August die georgischen Truppen auf das Territorium Südossetiens einmarschiert sind und dessen Hauptstadt Zchinwali zerstört haben. Die Behörden der völkerrechtlich nicht anerkannten Republik Südossetien sprechen von mehr als 2.000 Toten unter der Zivilbevölkerung. Erst nach der Verstärkung der im Krisengebiet stationierten russischen Friedenstruppen mit Kampfjets, Panzern und Soldaten konnte die Invasion Georgiens in Südossetien gestoppt werden.”
10. August 2008 – Georgiens Präsident Michail Saakaschwili erklärt in einer Sitzung des Rates für nationale Sicherheit in Tiflis, dass das russische Militär die zentrale Verkehrsstrasse blockiert hatte, die den östlichen und den westlichen Teil Georgiens verbindet. “Russland hat mit einer Intervention begonnen… Es geht um den (möglichen) Verlust der Unabhängigkeit Georgiens”, erklärt Saakaschwili.
11. August 2008 – Die russische Regierung dementiert einen russischen Vorstoss nach Tiflis: “Das russische Friedenskontingent ist in der georgisch-südossetischen und der georgisch-abchasischen Konfliktzone stationiert, um die Gefahr einer wiederholten Aggression gegen Südossetien zu bannen”, sagte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. “Die von der georgischen Führung, darunter auch auf höchster Ebene, verbreiteten Gerüchte entsprechen nicht der Wirklichkeit.” Die russischen Kräfte hätten nach seinen Worten einen Vorstoss nach Tiflis nie geplant. Die georgische Führung sei einfach in Panik geraten.
15. September 2008 – “Der Spiegel” berichtet in seiner gedruckten Ausgabe gemäss Nato-Informationen, “die Georgier hätten angefangen, und zwar weniger aus Notwehr oder als Reaktion auf russische Provokationen, sondern aus eigenem Kalkül. Es sei eine kalkulierte Offensive gegen die südossetischen Stellungen gewesen, um vollendete Tatsachen zu schaffen.” Die vorangegangenen Schusswechsel mit russischen Truppen stufe die Nato als geringfügige Vorgänge ein: “Im Nachhinein seien sie keineswegs als Begründung für die georgischen Kriegsvorbereitungen zu werten”.
“Der Spiegel” zitiert in seiner gedruckten Ausgabe auch westliche Geheimdienste: “Die Georgier haben am Morgen des 7. August [...] ein Drittel des Armeebestandes zusammengezogen. [...] Saakaschwilis Plan sieht vor, in einem 15-Stunden-Blitzkrieg bis zum Roki-Tunnel vorzudringen und das Nadelöhr zwischen Nord- und Südkaukasus zu schliessen. Damit wäre Südossetien von Russland abgeschnitten. Am 7. August, um 22.35 Uhr, also knapp eine Stunde vor dem von Saakaschwili behaupteten Einmarsch der russischen Panzer in den Roki-Tunnel, beginnt der georgische Artilleriebeschuss der Stadt Zchinwali.” Nach der Erkenntnissen der westlichen Geheimdienste “feuerte die russische Armee erst um 7.30 Uhr am 8. August – mit dem Abschuss einer SS-21 auf die Stadt Borschomi. [...] Erst gegen 11 Uhr ziehen russische Truppen aus Nordossetien durch den Roki-Tunnel.”
developing! Wenn Sie zuverlässige Informationen über den Kriegsbeginn im Kaukasus-Konflikt haben, welche das Bild vervollständigen, benutzen Sie bitte die Kommentarfunktion am Ende dieses Beitrages. Alle Meldungen werden überprüft und zur Vervollständigung dieses Beitrages verwendet, wenn sie plausibel und mit mindestens einer Quelle dokumentiert sind.
Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Diverse Nachrichtenagenturen und Mainstream-Medien (siehe direkte Links im Beitrag). Insbesondere Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ:
der-siebte-august-im-kaukasus1
Personalities: Micheil Saakaschwili.
Copyrights: © Foto: Wikipedia.
Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.



Von Noam Chomsky, emeritierter Professor für Linguistik und Philosophie am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, in der Frankfurter Rundschau:
Eine kleine russische Friedenstruppe überwachte den langen, unsicheren Waffenstillstand, der am 7. August gebrochen wurde, als der georgische Präsident Saakaschwili seine Truppen einmarschieren ließ. Nach Aussagen einer “großen Anzahl von Augenzeugen”, so die New York Times, begann das georgische Militär sofort damit, “sowohl die Zivilbevölkerung der Stadt Zchinwali als auch die dort stationierten russischen Friedenstruppen mit schwerem Raketengeschütz und Artilleriefeuer zu attakieren.”
http://www.fr-online.de/in_und.....ieger.html
Frage zur Karte oben: Mich würde die UN-Resolution interessieren, welche die in der Karte als “UN-Sicherheitszone” bezeichneten Gebiete verabschiedet hat. Meines Erachtens gibt es keine solche Resolution und diese “Sicherheitszonen” wurden eigenmächtig von der russischen “Friedenstruppe” eingerichtet. Gerne lasse ich mich aber vom Gegenteil überzeugen.
Gruss,
Podvalov
Und noch ein Kommentar: Kannst Du die Quelle für die Geschichte mit den georgischen Spindoctors angeben? Da man wirklich nicht mehr Propaganda von der Wahrheit unterscheiden kann, wäre das hilfreich.
Gruss,
Podvalov
Und noch der letzte Kommentar: Natürlich ist die Frage des “wer hat angefangen” wichtig. Und je länger je mehr vermute ich auch, dass es die Georgier waren. Deshalb legen ja auch die Russen soviel Wert auf diese Frage. Aber ist dies dann die ganze Wahrheit? Oder müsste man dann nicht auch nach den Umständen des Beginns fragen? Stichwort Provokationen und so…
Gruss,
Podvalov
@ Vadim: Herzlichen Dank für den Hinweis auf die Frankfurter Rundschau FR und die New York Times NYT. Ich werde diese Information in den Beitrag einbauen.
Selbstverständlich sind weitere Hinweise auf Medienberichte zum Kriegsbeginn willkommen…
.. developing!
@ Podvalov zur UN-Resolution, welche die in der Karte als “UN-Sicherheitszone” bezeichneten Gebiete verabschiedet haben soll.
Die Karte ist dem Wikipedia-Beitrag zum Kaukasus-Konflikt entnommen, wie auch mein Link auf diesen Beitrag zeigt. Sie wurde erstellt auf Grundlagen und Kartenmaterial von Andrew Andersen vom kanadischen Centre for Military and Strategic Studies CMSS.
Die blau-weiss markierte “UN-Sicherheitszone” entlang dem Fluss Inguri trennt seit 1993 Abchasien und Georgien, das seine abtrünnige Provinz wieder zurückbekommen möchte. Dass es zweifelsfrei eine UN-Sicherheitszone ist, beweist eine Karte der Deutschen Bundeswehr über das Ensatzgebiet ihrer UNOMIG-Truppen.
Diese UN-Sicherheitszone ist aber nicht zu verwechseln mit der sieben Kilometer breiten “Sicherheitszone” um die abtrünnige Region Südossetien, welche Russland Ende September 2008 errichten will.
… developing!
@ Podvalov zur Quelle für die Geschichte mit den georgischen Spindoctors:
Meine Quelle ist – neben der Website seiner Agentur – ein Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ, mit wörtlichen Zitaten des deutschen Spin-Doctors Patrick Worms in georgischen Diensten.
Die Quellen in diesem Beitrag – wie übrigens grundsätzlich in allen Krusenstern-Beiträgen – sind mit einem Link zur Originalquelle klar gekennzeichnet und meistens auch als solche zitiert. Aus Gründen der Lesbarkeit verzichte ich machmal allerdings auf den Satz “… wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ berichtete”.
… developing!
@ Podvalov zur Frage “wer hat angefangen”:
Damit hast Du grundsätzlich natürlich Recht. Das wäre dann aber wieder ein ganz anderer Beitrag, bei dem es weniger um den konkreten Anlass zum Kriegsbeginn geht – und was die Propaganda der Spin-Doctors daraus gemacht hat – sondern um geopolitische Zusammenhänge. Denn im Kaukasus-Konflikt geht es nicht (nur) um Russland und Georgien, sondern ganz klar auch um US-amerikanische Interessen am “Brückenkopf” Georgien.
Was mich erstaunt, ist die Tatsache, dass ausser dem schon zitierten Beitrag der FAZ noch kein einziges deutschsprachiges Medium über die Spin-Doctors im Kaukasus-Konflikt geschrieben hat und sich auch das Medieninteresse am Verursacher dieses Krieges in engen Grenzen hält. Oder ist mir da etwas entgangen?
… developing!
spannendes Experiment!
ich kann dazu (im Moment) leider keine weitere Fakten beitragen.
ich versuch mich schlau zu lesen und entwickle dabei meine eigene Meinung
weiterhin gutes Gelingen hier an dieser Baustelle!
Grüsse,
chm
Sehr interessant zu diesem komplexen Thema auch der Bericht
in der FAZ vom 17. Sept. 08, Seite 3. Dort auch ein Hinweis auf
einen Artikel in Krasnaja Swesda vom 3. September. Dieser Bericht
stimmt nicht mit der offiz. russischen Version überein. Und der gleiche
Artikel wurde später auffälligerweise aus der Internetzeitung “Newsru.com”
entfernt.
Mit Gruss, R.M.
@ R. Meier:
Herzlichen Dank für Ihren Hinweis auf den sehr interessanten Artikel von FAZ-Korrespondent Michael Ludwig aus Moskau. Ich habe ein PDF des FAZ-Artikels der-siebte-august-im-kaukasus1 in meinen Beitrag “in progress” integriert.
Der Artikel aus der russischen Armeezeitung Красная Звезда * Krasnaja Swesda (Roter Stern) widerspricht tatsächlich der offiziellen Version – aber auch der “grossen Anzahl von Augenzeugen”, welche die New York Times NYT mit dem genauen Gegenteil zitiert. Ich werde beide Versionen in meinen Beitrag “in progress” einfügen…
… developing!
Nach allem was ich gelesen habe und es war wahrlich keine Einseitigkeit in den Berichten zu vermerken, glaube ich schon und das sagt mir mein Gefühl, Georgien hat den Krieg begonnen.
Ein interessantes Interview findet sich auf Spiegel-Online. Teimuras Chatschischwili, war in den neunziger Jahren Innenminister und Vizeminister für Staatssicherheit Georgiens. Verurteilt wegen eines gescheiterten Mordanschlages auf den damaligen Präsidenten Eduard Schewardnadse im Jahre 1995 saß der Generalmajor a.D. sieben Jahre im Gefängnis. Unter Präsident Saakaschwili befand er sich zwei Wochen in Untersuchungshaft wegen des Verdachts hochverräterischer Umtriebe.
http://www.spiegel.de/politik/.....61,00.html
Ich stehe hinter Russland!!! Grüße aus Berlin.
interessanter FAZ-Artikel (der-siebte-august-im-kaukasus1), nur daraus hervor geht ja leider auch noch nicht, wer angefangen hat unschuldige Menschen zu ermorden.
Hier mal einfach eine Linkliste mit etwas serioeseren Quellen als dem üblichen Mainstream.
sogar die NZZ mit etwas diferenzierter Sichweise
http://www.freitag.de/2008/33/08330602.php
Kai Ehlers
http://www.desib.de/include.ph.....&am...
Ein deutscher Redakteur vom Ef Magazin
http://russland.ru/analysen/mo.....iditem=164
Neue Zürcher Zeitung auch nicht gerade ein linkes Blatt
http://www.nzz.ch/nachrichten/.....ntom_der...
http://www.taz.de/1/politik/eu.....ste-das-...
http://www.neues-deutschland.d.....-ums-kas...
http://www.russland.ru/georgie.....ditem=1918
Zur Frage warum Russland gerade auch von den Altlinken so gerne angegriffen wird
http://www.faz.net/s/Rub117C53.....60AE/Doc...
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28544/1.html
Ein deutscher Chefstratege der Nato
http://www.russland.ru/mainmor.....iditem=2...
Satire:))
http://www.readers-edition.de/.....t-moskau...
@ Robert zum Hinweis, dass auch aus dem FAZ-Artikel nicht hervor geht, wer den Kaukasus-Konflikt begonnen hat:
Es gibt meines Wissens bis heute keinen einzigen Artikel, der wirklich gesichert (!) beweisen kann, wer den Kaukasus-Konflikt am 7. August begonnen hat. Deshalb tragen wir hier aus allen verfügbaren Medien die Puzzleteile zusammen.
Ob wir jemals das letzte Puzzleteil finden werden, ist ungewiss. Im Laufe dieser Work in progress bekommen die Krusenstern-Leser und auch ich als Autor aber immer mehr Denkanstösse, die Medienberichterstattung eines Krieges zu hinterfragen. Dabei geht es mir ausdrücklich nicht um billiges Journalisten-Bashing! Es gibt derzeit einfach keine gesicherten Informationen aus diesem Gebiet.
Wenn man sich als Leser aber einmal bewusst ist, dass westeuropäische (!) Spin-Doctors in Georgien und Russland mit Millionenbudgets Propaganda betreiben und (nicht nur) die westeuropäischen Medien beeinflussen, dann erkennt man:
Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.
Lieber Krusenstern,
beweiskräftig wird niemand in der Leserschaft den Beginn des Kriegsausbruches klären können. Wozu auch? Die mediale Berichterstattung verliert erst seit ein paar Tagen die bis dato zur Schau gestellte antirussische Färbung. Die dem Leser zur Verfügung stehenden (meinungsbildenden) Mittel bestehen auch in diesem Blog aus bereits veröffentlichten Verlautbarungen. Eine Verifzierung wird kaum möglich sein.
Saakaschwili wird auch hier micht erklären: Schaut her, ich war es! Wie auch Medwedew/Putin nicht ausrufen werden: Wir provozierten einen georgischen Angriff!
Die Frage lautet eher: Wann begann der Konflikt? 1988, 1991, 1994, 2008, gar schon früher? Gibt es Lösungen? Event. ist auch die Frage thematisierbar, ob allein die USA und deren demkratische Partnerstaaten geostrageische Interessen verfolgen dürfen?
Um etwaige Glaubwürdigkeiten der jeweiligen Seite betrachten zu können, bedarf es ntürlich einen Blick auf die handelnden Personen, insbesonders auch auf Saakaschwili.
http://www.uni-kassel.de/fb5/f.....stung.html
http://www.uni-kassel.de/fb5/f.....thin3.html
Saakashwili ist offenbar weitaus mehr Nationalist als Demokrat. Seine nationale Anschluss-Premiere vollzog S. in Fortsetzung zur Rosenrevolution in Adscharien. Damals wurde durch die Vermittlung Iwanows (RF) Blutvergiessen vermieden.
Abschliessend eine kleine Aufsatzsammlung der Uni Kassel zum Georgienkonflikt.
http://www.uni-kassel.de/fb5/f.....lcome.html
Mein Mitgefühl liegt bei den Opfern der Machthungrigen; eine beabsichtigte Klärung der Schuldfrage in einem Magazin halte ich nicht für spannend.
Anna
Interessantes Thema.
Und manches lässt sich auch mit formaler Logik betrachten. So stellte ich mir gleich nach Ausbruch des Konfliktes die Frage: Wie lange benötigt eine Armee, um mobilisiert zu sein? Nur wenige Stunden nachdem Saakaschwili seine Truppen in Bewegung setzte (somit hat er de facto angefangen) waren bereits russländische Truppen unterwegs. Und sie handelten sehr effizient. Verlustarm. So dass weiter zu vermuten ist, dass der Genstab Russlands sehr gut auf die Geschehnisse vorbereitet war.
Und – zweite Frage – ging es letztendlich nicht auch um den Kosovo? Russland ist inzwischen stark genug, sich die – aus russischer Sicht – einseitige Aktionen des Westens nicht mehr gefallen lassen zu müssen. Nach “dem Kosovo” war die Unabhängigkeitsanerkennung der georgischen Teilrepubliken von russischer Seite bereits angekündigt. Im Konjunktiv zwar, – aber deutlich genug.
Ich bin im Übrigen gegen alle militärische Streitigkeiten, daher bin ich auch der Meinung, dass Georgien vorläufig nicht in die NATO gehört.
Freundliche Grüße aus Potsdam!
“Den Krieg in Südossetien hat Georgien begonnen und Russlands Handlungen dabei können nicht als Versuch betrachtet werden, die Nachkriegskarte Europas zu verändern”, zitiert die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti den Direktor des Internationalen Instituts für strategische Studien IISS, John Chipman.
Chipman erklärte gemäss RIA Novosti, “die Bilanz der vorhandenen Beweise zeugt, dass der Krieg Georgien begonnen hat, indem es am Morgen vom 7. August Truppen an der Grenze zu Südossetien zusammengezogen und die (südossetische) Hauptstadt Zchinwali angegriffen hat, bevor die russischen Panzer in den Roki-Tunnel einrollten”.
Die Handlungen der russischen Seite in Georgien stellten keinen Versuch dar, die Nachkriegskarte Europas umzugestalten, und können nicht mit der irakischen Aggression gegen Kuwait verglichen werden, so Chipman.
“Die Russen hatten nicht vor, die Nachkriegskarte Europas zu verändern, was einige Kommentatoren und der georgische Präsident in der Folge behaupteten. Die russischen Handlungen in Georgien können nicht als europäisches Äquivalent zu den Versuchen Saddam Husseins vom August 1990 gewertet werden, Kuwait zu erobern”.
Chipman betonte, dass die “Beamten der Bush-Administration offen zugeben, Georgien von Kampfhandlungen in Südossetien abgeraten zu haben, jedoch fühlten, dass ihre Ratschläge ignoriert werden.” “Die Entscheidung Georgiens, die Forderungen seiner amerikanischen Lehrer offen abzulehnen, war offensichtlich verantwortungslos”, so Chipman.
Die Anerkennung der Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens durch Moskau am 26. August wertete der Experte jedoch als verfrüht: “Das hat Russland eine zusätzliche diplomatische Bürde aufgehalst, vor allem im Hinblick auf die faktisch einstimmige Verurteilung dieses Schrittes in der Welt.”
(Anmerkung von Jürg Vollmer/Krusenstern: Sobald der Bericht von IISS vorliegt, ergänze ich den Hauptbeitrag entsprechend)
Siehe meinen Beitrag Pflichtlektüre: Schuldfrage als Puzzlespiel
[...] westliche Spin Doctors mit Millionenbudgets versuchen, die Medienberichterstattung zu beeinflussen. Hier geht’s zum Puzzle “Kaukasus-Konflikt: Hat Russland oder Georgien den Krieg [...]
Mir als politisch durchschnittlich informierter Aussenstehender scheint ziemlich klar, dass Georgien den eigentlichen Krieg mit der Invasion in Südossetien begonnen hat. Auch scheint es eine wirtschaftspolitische Verbindung zu geben zwischen Saakaschwili und VP Cheney; Cheney ist Vorstandsmitglied in Waffen(‘)- und / oder (Öl-)firmen, die ein Interesse am Kaukasus-Konflikt haben könnten. (Ich nenne hier keine Namen, weil ich die genaue Information nicht mehr vor mir habe und keine falschen Anschuldigungen machen will). Wäre aber schon mal etwas für eine vertiefte Recherche!
Jedenfalls glaube ich nicht, dass Georgien Südossetien angegriffen hätte, wenn es nicht dem festen Glauben verhaftet gewesen wäre, dass ihm die USA im Falle eines russischen Gegenschlags zur Seite stehen würde und dass dies DIE Gelegenheit sei, den russischen Einfluss im Kaukasus zu mindern und georgische geopolitische Interessen in der Region (Ölpipelines, NATO-Beitritt) zu fördern. Anscheinend waren die Georgier tatsächlich naiv genug, zu glauben, die USA seien ihre besten Freunde und würden sich für sie selbst in einen Krieg mit Russland – und damit evtl. einen Dritten Weltkrieg – stürzen! (Vielleicht hat die US-Regierung Saakaschwili Versprechungen gemacht, die dieser über-interpretiert hat). Georgien alleine gegen Russland – das wäre ja eine Kamikaze-Aktion, für die ich auch den naiven Saakaschwili als nicht fähig halten würde. Es MUSS also eine Absprache mit den USA gegeben haben.
Allerdings will ich jetzt auch nicht Russland zu sehr verteidigen. Dem geopolitischen Riesen ist es sicher sehr willkommen gewesen, dass die Georgier in diese Falle gelaufen sind. Ich kann mir auch vorstellen, dass Russland die anti-georgische Stimmung in Südossetien bewusst gefördert hat im Wissen, Gewaltausbrüche zu fördern. Denn ein Einmarsch und eine faktische Besetzung Georgiens als “wohlbegründete Pazifierungsmassnahme” kam den Russen sicher sehr gelegen! Da haben sich die Russen im Vorfeld wohl nicht gerade als Fürsprecher von Deeskalationsmassnahmen hervorgetan. Präsenz mit Panzern wirkt halt besser.
Den Russen ist aber gutzuhalten, dass ihre Armee diesmal anscheinend professionell und korrekt (soweit dies im Krieg überhaupt möglich ist) vorgegangen ist. SIe hat sich – das berichten auch seriöse ausländische Medien -nicht anders benommen als etwa auch die amerikanische Armee oder die NATO in Ex.Jugoslawien. Also diesmal anscheinend keine Massaker und Vergewaltigungen wie damals in Tschetschenien. Die Russen wissen unterdessen wohl auch, was sie der Öffentlichkeit schuldig sind, wenn sie für sich wieder in Anspruch nehmen, eine Weltmacht mit geopolitischer Verantwortung zu sein.
Also Alles in Allem – und bei aller Sympathie für “die Kleinen” und die Unterdrückten – in diesem Falle denke ich wirklich, dass Georgien den Krieg begonnen hat, was aber noch lange nicht Russlands geopolitischen Aktionen in ein besseres Licht rückt. Die Berichterstattung im Westen ist sich leider immer noch gewohnt, ins alte Denkmuster von den “bösen Russen” zu verfallen und diesbezüglich wenig zu hinterfragen.
Zum Thema hier einfach ein Link zu einem Artikel des amerikanischen Wirtschaftsjournalisten F. Engdahl vom 30.9.2008. Der Titel:
“Beamte der US-Regierung geben zu, dass Saakaschwili den Kaukasus-Krieg begonnen hat”
http://info.kopp-verlag.de/new.....n-hat.html