Luzern * Der russische Multimilliardär Alexander Lebedew hat am Freitagabend das Gourmet-Restaurant im legendären Château Gütsch eingeweiht. Damit machte Lebedew den ersten Schritt zur Revitalisierung dieses Luzerner Wahrzeichens, in einem Jahr wird das Edel-Hotel selbst wiedereröffnet. Mit dem Restaurant “Petit Palais” möchte Alexander Lebedew die Verbindung zwischen der Schweiz und Russland fördern.
Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur versammelte sich zur Einweihung des Gourmet-Restaurants im Schlosshotel Château Gütsch hoch über Luzern. Der russische Multimilliardär Alexander Lebedew * Александр Евгеньевич Лебедев (Foto unten) präsentierte damit den ersten Teil der aufwendigen Renovation dieser Hotel-Legende.
Neben dem Luzerner Stadtpräsidenten Urs W. Studer und Luzerns Regierungspräsident Markus Dürr fiel vor allem der Botschafter der Russischen Föderation in der Schweiz auf, Igor Bratschikow * Игорь Борисович Братчиков (Foto unten inmitten der Gäste). Seine Ansprache in akzent- und fehlerfreiem Deutsch verband das heutige Château Gütsch mit der gemeinsamen schweizerisch-russischen Geschichte bis hin zu Lew Tolstoi, der hier im Sommer 1857 seinen sozialkritischen Reisebericht “Luzern” schrieb.
Tolstoi würde heute im Château Gütsch nicht nur ein eigenes Zimmer finden (Foto oben), sondern mit dem “Petit Palais” auch ein Gourmet-Restaurant, das nach aufwendiger Renovation durch die Architekten Hanspeter Fischer, Alex Kunz und Gody Erni der Linear Project AG vom Innendesigner Roger Stüssi von SOIUS geschaffen wurde.
Kein Protz, sondern edle Materialien, ein imposantes Cheminée sowie prächtige Lüster bieten in dem von einer loungeartigen Galerie gekrönten hohen Raum für 100 Gäste soignierte Gemütlichkeit. Von der hellen Veranda aus geniessen weitere 50 Gäste einen atemberaubenden Rundblick auf Stadt, See und den Alpenkranz.
Die gediegene Atmosphäre des “Petit Palais” findet ihre Entsprechung in der Küche, welche Axel Kirchner (Foto oben) führt, bis im Herbst 2008 Fabian Inderbitzin und dessen Brigade übernehmen. Der junge Starkoch ist eben vom Gastro-Führer GaultMillau zur “Entdeckung des Jahres” erkoren worden.
Wer ist Alexander Lebedew?
Der 49-jährige Alexander Lebedew * Александр Евгеньевич Лебедев gehört gemäss dem Forbes Magazine mit einem Vermögen von 3,7 Milliarden Dollar zu den reichsten Russen. 1988 wurde er als KGB-Offizier nach London geschickt, um die Kapitalflucht aus Russland zu “bremsen”.
Dabei schien er die Finanzströme des Kapitalismus gut studiert zu haben, denn nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 gründete er in Moskau nacheinander die Russian Investment Company, dann mit Unterstützung des ehemaligen Gazprom-Präsidenten und Premierministers Wiktor Tschernomyrdin die National Reserve Bank NRB und die Investorengesellschaft National Reserve Corporation NRC * Национальная резервная корпорация.
Heute ist Alexander Lebedew unter anderem Mitglied des russischen Parlaments (genauer, er war Duma-Abgeordneter bis 2007), der grösste private Mitbesitzer der nationalen Fluglinie Aeroflot, Mitbesitzer der Moskauer Oppositionszeitung Nowaja Gaseta * Новая газета und Besitzer der Boulevardzeitung Moskowski Korrespondent, welche im April 2008 das Gerücht verbreitete, Wladimir Putin heirate die 24-jährige Sportgymnastin Alina Kabajewa – woraufhin das Blatt kurzerhand geschlossen wurde.
Alexander Lebedew gehört damit zu den wenigen grossen Geschäftsleuten in Russland, welche sich (noch) eine eigene politische Meinung leisten können. Und nun auch ein Edelhotel in der Schweiz, mit welchem Alexander Lebedew die Verbindung zwischen der Schweiz und Russland fördern möchte.
© Fotos: Jürg Vollmer / Krusenstern



























