Sankt Petersburg * Die Aufführung der rekonstruierten Urfassung von Sergei Eisensteins Stummfilm “Panzerkreuzer Potemkin” ist der Höhepunkt des Deutschen Kinofestivals 2008 in Sankt Petersburg. Mit dem Sinfonie-Orchester des Mariinsky-Theaters wird am 14. Dezember ein gigantisches Stummfilm-Konzert aufgeführt, organisiert vom Goethe-Institut in Sankt Petersburg.

Die bekannteste Szene aus dem Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin vom Massaker auf der Treppe zum Hafen von Odessa (siehe Video-Ausschnitt unten).
Sergei Eisensteins “Panzerkreuzer Potemkin”
Grandioser Höhepunkt der fünften Deutschen Kinowoche in Sankt Petersburg ist am 14. Dezember 2008 die Vorführung von Sergei Eisensteins restauriertem Klassiker “Panzerkreuzer Potemkin” * “Броненосец Потёмкин” aus dem Jahre 1925. Der Stummfilm wird im Konzertsaal des Mariinski-Theaters * Мариинский театр vom hauseigenen Sinfonieorchester begleitet, das unter der Leitung von Helmut Imig die Original-Begleitmusik des Berliner Komponisten Edmund Meisel spielt.
Die Uraufführung von “Panzerkreuzer Potemkin” fand am 21. Dezember 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater statt, als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der Revolution des Jahres 1905. Die Handlung lehnt sich sehr frei an die tatsächlichen Ereignisse von 1905 an, als zaristische Truppen zur Niederschlagung der Unruhen ein Blutbad anrichteten und daraufhin die Besatzung des vor Odessa ankernden “Panzerkreuzer Potemkin” gegen ihre zaristischen Offiziere meuterte.
“Panzerkreuzer Potemkin” fand beim sowjetischen Publikum grossen Anklang, obwohl der Film unter Stalin ideologisch “angepasst” und verfälscht wurde. Auch im Westen wurde eine “verstümmelte” Version vorgeführt, wenn auch nur deshalb, weil das Original verschollen war. Hüben wie drüben war das Publikum aber vom Film begeistert und Sergei Eisenstein wurde als Regisseur weltbekannt. “Panzerkreuzer Potemkin” wurde als “einer der einflussreichsten Filme aller Zeiten” bezeichnet.
“Panzerkreuzer Potemkin” wurde sorgfältig rekonstruiert
Die bekannteste Szene des Films ist das Massaker auf den Stufen der Richelieu-Treppe zum Hafen von Odessa, eine Freitreppe mit 192 Stufen, welche 1955 in Potemkinsche Treppe * Потьомкінські сходи umbenannt wurde: Zaristische Soldaten marschieren in rhythmischem, maschinenhaftem Schritt die endlos lang erscheinende Treppe hinunter, während sie in die Menschenmenge feuern, die vor den Soldaten die Treppe nach unten zu fliehen versucht (siehe Video-Ausschnitt unten).
“Panzerkreuzer Potemkin” wurde weltberühmt und die Filmhistoriker waren sich einig, dass Sergei Eisenstein * Сергей Михайлович Эйзенштейн mit seiner genialen Filmmontage allen anderen Regisseuren um Welten voraus war. Das Original, die ursprüngliche Fassung, blieb aber über Jahrzehnte im sprichwörtlichen Dunkeln versunken.
Das Filmmuseum Berlin-Deutsche Kinemathek suchte mühsam die noch erhaltenen Film-Negative von “Panzerkreuzer Potemkin” zusammen, vom Bundesarchiv-Filmarchiv in Berlin über das Filmmuseum München und das British Film Institute in London bis zu Gosfilmofond * Госфильмофонд России in Moskau. Dank einer aufwändigen Rekonstruktion und Restauration liegt nun wieder eine Originalfassung vor, die an den Filmfestspielen Berlin 2005 Premiere hatte – und nun am 14. Dezember 2008 erstmals in Russland gezeigt wird.
“Panzerkreuzer Potemkin” ist der falsche Filmtitel
Der deutsche Titel “Panzerkreuzer Potemkin” entstand aus einem Übersetzungsfehler. Die Originalbezeichnung “Броненосец Потёмкин” und die technischen Parameter des Schiffes zeigen, dass die Князь Потёмкин Таврический * Fürst Potjomkin von Taurien ein gepanzertes Linienschiff der Russischen Marine war, das zur Schwarzmeerflotte gehörte. Korrekt übersetzt müsste der Film also “Gepanzertes Linienschiff Potemkin” heissen…
Eine Ikone der Kino-Geschichte, Sergei Eisensteins “Panzerkreuzer Potemkin”: Die Bevölkerung von Odessa begrüsst im Hafen begeistert die Matrosen vom “Panzerkreuzer Potemkin”. Daraufhin marschieren zaristische Soldaten in rhythmischem, maschinenhaftem Schritt die endlos lang erscheinende Treppe hinunter, während sie in die Menschenmenge feuern, die vor den Soldaten die Treppe nach unten zu fliehen versucht.
(Musikalisch unterlegt mit “Stairway to Heaven” von Led Zeppelin, besser den Ton abschalten!)
Sergei Eisensteins “Panzerkreuzer Potemkin” in Sankt Petersburg
14. Dezember 2008, 19 Uhr
Mariinski Theater * Мариинский театр, ul. Pisarewa 20
Sankt Petersburg
Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Goethe-Institut, Filmmuseum Berlin-Deutsche Kinemathek.
Personalities: Sergei Eisenstein * Сергей Михайлович Эйзенштейн, Edmund Meisel.
Copyrights: © Fotos: Filmmuseum Berlin-Deutsche Kinemathek, © Video: Filmmuseum Berlin-Deutsche Kinemathek / Youtube.
Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.

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