Zürich * “Rusalka” * “Руса́лка” von der russisch-aserbeidschanischen Regisseurin Anna Melikian überrascht die Kinozuschauer mit hinreissendem Bildwitz, deftigen Pointen und fetzigem Soundtrack. Die Hauptrolle der herb-schönen Aussenseiterin Alisa spielt die grandiose Mascha Schalajewa. In der Schweiz kommt “Rusalka” heute in die Kinos – übrigens im Verleih der Trigon-Film, welche regelmässig die besten russischsprachigen Filme ins Land bringt.
Hier finden Sie den Film-Trailer (klicken)
Ein verlottertes Holzhaus duckt sich am Strand, bis zur Unkenntlichkeit verwaschene Röcke flattern im Wind, rostige Wracks liegen schief im alten Hafen. Bonjour Tristesse, Welten entfernt von den edlen Luxushotels, den klimatisierten Einkaufszentren und der schicken Bootsmarina von Anapa * Анапа am Schwarzen Meer (wo die erste Hälfte des Films gedreht wurde). Hier wohnt Alisa mit Mutter und Babuschka zwischen proppenvollen Gurkengläsern und chronisch leerer Haushaltskasse.
Bis die kleine Alisa entdeckt, dass sie ihre Wünsche wahr machen kann. Leider endet die Erfüllung ihrer ursprünglich gut gemeinten Wünsche meist im Desaster. Das verlotterte Holzhaus brennt ab, ein Orkan verwüstet das ganze Dorf… weshalb Alisa für immer verstummt, so wie der Sonderling Oskar Matzerath in “Die Blechtrommel” aufhört zu wachsen. Zur (vermeintlichen) Strafe wird Alisa für zehn Jahre in ein Heim für Kinder mit Down-Syndrom gesteckt.
Ein Leben ohne Perspektive
Nachdem sie nicht einmal mehr ein Dach über dem Kopf haben, landen die drei Frauen dort, wo es Heimatlose hintreibt – in der Grossstadt, im boomenden Moskau. Die Mutter arbeitet im Supermarkt, Alisa und die Babuschka bleiben tagsüber in einem Plattenbau, der im doppelten Sinne des Wortes gesichtslos bleibt, bis ein gigantisches Werbeplakat mit einem hübschen Model-Gesicht über die hässliche Fassade gehängt wird. Die einzige Perspektive von Alisa, jene der Beobachterin aus dem Fenster, ist nun auch weg.
Alisa sucht sich daraufhin eine Arbeit, bei der sie nicht sprechen muss. In einem lächerlichen Schaumgummi-Kostüm marschiert sie als wandelndes Mobiltelefon durch die Moskauer Strassen. Erst als sie einem jungen Geschäftsmann das Leben rettet, der ex und hopp von einer Brücke in die Moskwa springt, bekommt ihr eigenes Leben erstmals eine echte Perspektive. Alisa bringt den lebensmüden Businessmann Sascha zum Lachen und plant ihre Zukunft.
Wer “Rusalka” lachen hört, muss sterben
Die Regisseurin Anna Melikian * Анна Меликян nennt ihre Mischung aus charmantem Märchenfilm und surrealer Metropolen-Romanze nicht ohne Grund “Rusalka” * “Руса́лка”. In der russischen Mythologie leben die Rusalky * Meerjungfrauen tagsüber stumm wie Fische im Wasser und gehen Nachts an Land – wo sie sich in einen Mann verlieben, der sterben muss, wenn er ihr Lachen hört.
Der aus Aserbeidschan an der Grenze zum früheren Persien stammenden Regisseurin wurden 1001 Märchen in die Wiege gelegt. Natürlich hat sie auch Puschkins “Rusalka” und Andersens „Kleine Meerjungfrau“ gelesen, sie hat sicher auch Dvoraks Oper “Rusalka” gehört.
Anna Melikian verlegt die Geschichte des hoffnungslos verliebten Wassergeschöpfs aber ins Moskau von heute und zeigt die Schwierigkeiten einer jungen Frau, erwachsen und akzeptiert zu werden – voller mitreissendem Bildwitz, mit deftigen bis zotigen Pointen, einem fetzigen Soundtrack und immer neuen Überraschungen.
Die Hauptrolle der Alisa schrieb sie ihrer Freundin, der grandiosen 27-jährigen Mascha Schalajewa * Мария Александровна Шалаева auf den Leib. Kein liebliches Naturwesen, sondern eine trotzige Aussenseiterin mit herb-schönem Gesicht, das man ebensowenig vergisst, wie die Geschichte von “Rusalka”.
“In Russland sind Märchen immer wichtig, weil die Russen in ihrer Natur etwas Romantisches und Kindisches haben. Ich glaube, Märchen werden bei uns immer populär sein. Und warum die Märchen im Kino wichtig sind: Die Leute bei uns haben mittlerweile die Filme satt, wo nur gekämpft und geschossen wird. Sie wollen viel mehr einfache, menschliche Geschichten. Sie wollen weinen und Liebesfilme anschauen”, glaubt Anna Melikian.
Darsteller von “Rusalka” * “Руса́лка”
Mascha Schalajewa * Мария Шалаева — (Alisa * Алиса)
Jewgeni Tsiganow * Евгений Цыганов — (Sascha * Саша)
Maria Sokowa * Мария Сокова — (Мама)
Anastasia Dontsowa * Анастасия Донцова — (Alisa als Kind * Алиса в детстве)
Irina Skrinischenko * Ирина Скриниченко — (Rita * Рита)
Pressestimmen zu “Rusalka” * “Руса́лка”
“Im Kinomärchen Rusalka geht eine Heldin mit Träumen und Bodenhaftung durchs postkommunistische Russland.”
Tages-Anzeiger, Zürich“Anna Melikian ist ein fantastisch leichter, melancholischer und komischer Film gelungen. Dieses Kino-Märchen erzählt mit viel Menschenliebe, sehr zeitgenössisch und realistisch.”
3sat“Der sehr schöne Film spielt mit den Märchenmotiven einer humoristisch-romantischen Literatur – Mond und Meerjungfrau, magische Wunscherfüllungsfähigkeiten, das Ganze in der Bonbonfarbpalette altmodischer Kinderbücher.”
Junge Welt, Berlin“Mit umwerfendem Bildwitz und spannend bis zur letzten Sekunde erzählt Anna Melikian die märchenhafte und zugleich knallhart realistische Geschichte eines jungen Mädchens.”
Die Welt, Berlin
“Rusalka” * “Руса́лка” in den Schweizer Kinos
Aarau 26. Juni bis 2. Juli 2008
Baden-Wettingen 30. Mai bis 24. Juni
Basel ab 26. Juni im camera 2
Bern ab 26. Juni im Movie 1
Luzern ab 3. Juli
St.Gallen August 2008
Winterthur ab 26. Juni im Loge 2
Zürich ab 26. Juni im nord-süd
Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Trigon-Film und Wikipedia.
Personalities: Alexander Puschkin, Hans Christian Andersen, Antonin Dvorak, Anna Melikian * Анна Меликян, Mascha Schalajewa * Мария Александровна Шалаева, Jewgeni Tsiganow * Евгений Цыганов, Maria Sokowa * Мария Сокова, Anastasia Dontsowa * Анастасия Донцова, Irina Skrinischenko * Ирина Скриниченко.
Copyrights: © Fotos: Trigon-Film, Zürich
Trotzdem kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei entsprechenden Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.


Kommentare