Weliki Ustjug * In Russland, Belarus und in der Ukraine bringt der Weihnachtsmann den Kindern zweimal Geschenke, am 1. und am 7. Januar. Begleitet wird er dabei von seiner Enkelin Snegurotschka. Die russischsprachigen Kinder lieben Väterchen Frost und schreiben ihm jedes Jahr 1 Million Briefe. Wir publizieren die Antwort von Väterchen Frost auf einen Brief von Michael.

Väterchen Frost in Weliki Ustjug. Diese Illustration wird dem traditionellen Ded Moros nicht gerecht. Vielleicht haben Krusenstern-Leser schöne Fotos vom richtigen Väterchen Frost !?!
Väterchen Frost schreibt einen Brief an Michael
Väterchen Frost
162390 Weliki Ustjug
RusslandLieber Michael,
Du möchtest wissen, wie die russischen Kinder Weihnachten feiern, wenn es doch in Russland am 24. Dezember gar keinen Heiligabend gibt. Tatsächlich feiern die Familien in den russischsprachigen Ländern wegen des alten Julianischen Kalenders den Heiligabend 13 Tage später, also am 7. Januar.
Trotzdem beginnen die russischen Festtage schon am 31. Dezember, wenn die Frauen für alle Freunde und Verwandten kochen, bis sich der Tisch biegt. Die Kinder schmücken den Tannenbaum, der in Russland Ёлка * Jolka genannt wird. Obwohl es in Russland weiss Gott genug Tannenbäume gibt, brachte erst Zar Peter des Grosse im späten 17. Jahrhundert die Tradition des Weihnachtsbaumes zu uns.
Der russische Jolka ist dafür der schönste Tannenbaum der Welt. Auf der Baumspitze leuchtet der Красная звезда * Rote Stern, der aus längst vergangenen Sowjetzeiten übrig geblieben ist. Darunter hängt traditioneller Weihnachtsschmuck aus bemalten Glaskugeln, bunter дождик * Lametta und Серпантин * Papierschlangen, süssen Bonbons und grossen Schneeflocken aus Watte (Die Papierschlangen haben ihre russische Bezeichnung übrigens dem lateinischen Serpens * Schlange entlehnt).
Nur Kerzen findet man keine auf dem russischen Tannenbaum. Dafür basteln die russischen Kinder aus Pappmaché die Figuren von Дед Мороз * Väterchen Frost und Снегурочка * Snegurotschka, also von mir und meiner Enkelin.
Wie mein Bruder Nikolaus habe ich einen langen, weissen Bart. Weil Nikolaus aber 1931 einen Sponsoringvertrag mit Coca Cola unterschrieb, muss er seither einen roten Mantel mit einer roten Zipfelmütze tragen. Corporate Design nennt er das – und schämt sich nicht mal. Ich trage immer noch meinen eisblauen Pelzmantel und meinen Kopf wärmt die russische Pelzmütze Ушанка * Uschanka aus dem schneeweissen Fell des Polarfuchses.
Die Amerikaner haben Nikolaus auch sein magisches Zepter weggenommen, stattdessen macht er sich mit einer Rute aus Birkenzweigen lächerlich. Wenigstens haben sie Nikolaus seinen von drei Rentieren gezogenen Schlitten gelassen und sogar das russische Wort dafür übernommen, der Dreispänner heisst auf der ganzen Welt Тройка * Troika.
Schade ist, dass nur noch die russischen Kinder meine Enkelin Снегурочка * Snegurotschka kennen, das Schneemädchen mit langen blonden Haarzöpfen. Natürlich trägt auch Snegurotschka einen eisblauen Pelzmantel und während der langen Fahrt auf dem Rentierschlitten wärmt die Uschanka aus schneeweissem Pelz ihre Ohren.
Moderne Historiker behaupten, dass uns erst nach der Oktober-Revolution 1917 die Bolschewiki von russischen Märchen- zu Weihnachtsfiguren machten, weil sie das christliche Weihnachtsfest durch eine atheistische Tradition ersetzen wollten. Ja, sogar die Russisch-Orthodoxe Kirche bezeichnet Väterchen Frost und Snegurotschka heute als „kommunistische Erfindung” und möchte mich abschaffen. Ein hoffnungsloses Unterfangen: Die russischen Kinder glauben an mich!
Schliesslich habe ich neben meinem eigenen Weihnachtspostamt in Великий Устюг * Weliki Ustjug auch eine eigene Website, ich stelle meine Filme in Youtube und habe ein eigenes Profil bei Facebook.
Zurück in die warme russische Stube, genauer vor den Fernseher: 15 Minuten vor Mitternacht spricht der russische Präsident im Fernsehen zum Volk. Dann zählen die Uhren am Kreml-Turm den Countdown, bis die Kreml-Glocken ertönen und die Russen das alte Jahr mit dem traditionellen Wunsch verabschieden: “Lass alles schlechtes in altem Jahr bleiben und nehmen wir nur Gutes ins neue Jahr mit”.
Tief in der Nacht komme ich mit Snegurotschka und wir legen die Neujahrsgeschenke unter den Tannenbaum, damit sie die Kinder am 1. Januar auch sicher finden.
Die Erwachsenen feiern währenddessen bis in den 1. Januar hinein, auch am 2. Januar, am 3. Januar und… na ja, die jungen Leute ziehen die Party durch bis zum 6. Januar.
Erst am 6. Januar findet nämlich der russische Heiligabend statt und am 7. Januar Weihnachten, natürlich mit vielen Verwandten und Freunden. Die Kinder erhalten ihre Weihnachtsgeschenke, die meistens kleiner sind als jene vom Neujahr.
Auch das Essen beginnt bescheiden, schliesslich herrscht bis zum 6. Januar strenge Fastenzeit: Es wird eine süsse Кутья * Kutja aufgetischt. Der russische Brei wird aus Weizen, Honig, Nüssen, Mohn und Rosinen gekocht – die Hoffnung und Unsterblichkeit, Erfolg, Glück und Ruhe symbolisieren. Die Kutja ist aber nur der Anfang für das traditionelle Weihnachtsessen mit zwölf Gängen – so viele, wie es Apostel gibt.
Am Abend schaut dann die ganze russische Familie im Fernsehen das “Встречи с Аллой Пугачёвой” * “Weihnachtstreffen bei Alla Pugatschowa”. Die berühmteste Schlagersängerin in Russland lädt seit gefühlten 100 Jahren bekannte Musiker und Prominente zu diesem Konzert ein.
Die Erwachsenen gehen aber rechtzeitig vor Mitternacht aus der warmen Stube in die Kälte hinaus. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion dürfen die Menschen nämlich wieder die Kirche besuchen. Vor der Mitternachts-Messe umkreisen die Gläubigen in einem stillen Menschenzug die Kirche, um dann den sehr lange dauernden Weihnachts-Gottesdienst in der Russisch-Orthodoxe Kirche zu besuchen.
Am 7. Januar ist dann auch bei uns in Russland der letzte Weihnachtstag. Die Menschen begrüssen sich mit “Frohe Christliche Weihnachten!” Und die wünsche ich Dir auch.
Dein Väterchen Frost
Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Väterchen Frost-Website, Väterchen Frost bei Youtube, Väterchen Frost bei Facebook.
Personalities: Weihnachtsmann, Väterchen Frost * Дед Мороз, Snegurotschka * Снегурочка, Alla Pugatschowa * А́лла Бори́совна Пугачёва.
Copyrights: © Fotos: Väterchen Frost-Website.
Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.


Oh, da gibt es einiges:
Viele Fotos aus neuerer Zeit, auch aus Velikij Ustjug und Infos zum Fest auf http://www.sagen.at/doku/oksan.....sland.html
Eine genaue Beschreibung seines Aussehens und Infos zum Fest auf http://www.russian-online.net/.....silvester3
Eine Erklärung, warum Väterchen Frost eine genauso junge Erfindung ist wie der Weihnachtsmann (nämlich ein Nikolaus”ableger”), bringt Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A4terchen_Frost
Wie er im russischen Märchenfilm aussieht, gibt es auf Fotos hier http://www.maerchenfilme.com/r.....rost.shtml
Und dass Ded Moros sich weigerte, Putin zu besuchen, erfahren wir auch: http://www.n-tv.de/900586.html Leider wurde der betreffende Text des “Buchs der guten Taten” unterschlagen…
In besagtem Weliki Ustjug wurde Väterchen Frost nun allerdings sein Budget gekürzt: http://www.newizv.ru/news/2008-12-12/103159/
Ded Moros gibt es erst seit 1936. Und die Coca-Cola-Sponsoring-Geschichte ist in Wahrheit auch eine andere, – zumindest ist sie nicht so, wie sie Ded Moros unserem Michael glauben machen möchte.
Ich habe entsprechend reagiert, weil ich es nicht richtig finde, dass solche historischen Fälschungen (wie sie leider inzwischen in Russland üblich geworden sind) bedenken- und bewußt gedankenlos übernommen werden, und sich somit ausbreiten.
Selbst wenn es banal wirken sollte, – aber den primitiven russländischen Anti-Amerikanismus finde ich doof!
Der “Brief von Väterchen Frost an Michael” richtet sich an einen fiktiven kleinen Jungen in einem deutschsprachigen Land, der neugierig dem russischen Weihnachtsmann geschrieben hat, weil er mehr über die Weihnachtstraditionen in den russischsprachigen Ländern erfahren möchte.
Natürlich dürfen auch Erwachsene den Brief lesen. Aber eine Woche nachdem ich den Text geschrieben habe, finde ich den Brief sogar zu wenig kindergerecht (nicht zu verwechseln mit kindlich!) und werde ihn in den nächsten Tagen nochmals überarbeiten, sprachlich präziser formulieren. Parallel dazu werde ich einen “historisch korrekten” Text publizieren – man beachte die Anführungszeichen.
Ob Väterchen Frost 1917 oder erst 1936 von den damaligen Machthabern institutionalisiert wurde, darüber streiten sich nämlich die Historiker. Einem Kind ist dies wohl herzlich egal. Dass hingegen ein Coca Cola-Grafiker 1931 das Bild des Weihnachtsmannes (mit dem Gesicht eines pensionierten Coca-Cola-Mitarbeiters) weltweit geprägt hat, ist historisch belegt und für ein Kind sicher spannender.
“Primitiven russländischen Anti-Amerikanismus” kann ich allerdings auch in der jetzigen Fassung nicht erkennen. Das wäre ja auch ein bisschen komisch bei einem Schweizer Autor, dem notabene immer wieder vorgeworfen wird, er kritisiere Russland zu sehr…
Ich bitte für den “… Anti-Amerikanismus” in diesem Zusammenhang um Entschuldigung. Ich war mir sicher – irrtümlicherweise offenbar – dass der Brief von irgendwoher übernommen war und vermutete in der Coca-Cola-Passage eine russländische Quelle.
Unmittelbar vor diesem Artikel las ich das Gryslow-Statement, der alle Weihnachtsmänner der Welt Hochstapler (Samoswanzy) nennt und nur im russischen Ded Moros den wahren Weihnachtsmann sieht, lese also anschließend den obigen fiktiven Brief hier und spürte sofort den Gryslow-Duktus.
Wenn es so nicht gemeint ist, kann ich die Härte meiner Formulierungen zurücknehmen. Ich bitte daher um Nachsicht, – aber manchmal kann ich nicht anders.
“Ob Väterchen Frost 1917 oder erst 1936 von den damaligen Machthabern institutionalisiert wurde, darüber streiten sich nämlich die Historiker.”
Wenn man von der Mythenforschung her denkt, werden Mythen und Symbole eigentlich immer nahtlos ersetzt, ohne lange Pausen (Beispiel: Heilige, die Rollen alter heidnischer Personen / Wesen übernehmen). Solche Symbolverschiebungen geschehen immer dann, wenn der alte Mythos im neuen System keinen Platz mehr hat, aber im Volk so sehr verwurzelt ist, dass ein gezieltes Ausrotten gefährlich würde.
Mythen und mythische Symbole können nicht von Machthabern verordnet werden – die Machthaber reagieren mit der Institutionalisierung (und damit Veränderung des Bildes) direkt auf ein bereits vorhandenes großes Bedürfnis, um Konflikte zu vermeiden und die eigene Doktrin auch emotional zu verankern.
Von daher betrachtet scheint 1917 das wahrscheinlichere Datum – aber die Frage müsste sich doch klären lassen, wenn man historische Bilder- und Kinderbücher untersucht? Die können ja nicht alle verschwunden worden sein?
1917? Im Kriegskommunismus? Wie unwahrscheinlich.
Die Erfindung einer Jahresendfigur hätte gegen alle Regeln der jungen Sowjetmacht verstoßen. Wenn man überhaupt ein Datum vor 1936 ansetzen will, dann bestenfalls innerhalb der NÖP-Zeit, und zwar unmittelbar vor Lenins Tod. Aber nichts Dementsprechendes ist bekannt.
Die erste Ded-Moros-Abbildung ist wohl die aus der Prawda vom Januar 1937, bezogen auf ein Foto zum vorangegangenen Jahreswechsel. Hier erscheint ein Ded Moros ohne Brimborium, sondern nur mit der Ausgabe der “Geschichte der KPdSU(B)” in der Hand. Und dies passt zeitlich auch zu der Wiedereinführung des Weihnachtsbaums ein Jahr zuvor, also zum Jahreswechsel 1935/1936. Und dieses Ereignis wurde ausgelöst durch einen Artikel von Stalins Sekretär in der Prawda vom 28. Dezember 1935.
“Und dies passt zeitlich auch zu der Wiedereinführung des Weihnachtsbaums ein Jahr zuvor, also zum Jahreswechsel 1935/1936.”
Das klingt wie ein schlagendes Argument – nur hat es den Weihnachtsbaum eben auch schon vorher gegeben…
Ich denke, man wird das Rätsel nie lösen können, wenn man nicht sorgfältig Literatur, Kinderbücher und Volksbräuche des gesamten Jahrhunderts untersucht. Letztendlich ist es aber auch nur eine Frage, die Forscherherzen bewegt – Menschen beim Feiern sind flexibler. Und Bäume, die zur Wintersonnenwende eine Rolle spielten, gab es schon, lange bevor es Russen gab…
Ist es nicht wichtiger, bei einem mythologischen Bild hinzuschauen und zu fragen: Was glauben die Menschen da und warum? Und wenn sich das Bild ändert oder geändert wird von Machthabern: Was dürfen sie nicht mehr glauben, was sollen sie glauben? Wo lassen sie sich schneller überzeugen, wo beharren sie auf alten Bildern? Was überlebt heimlich? Interessant in diesem Zusammenhang auch die Diskrepanz zwischen “verordnetem Glauben” und dem, was sich tatsächlich in den Wohnzimmern abspielt… und das vielleicht so stark ist, dass es Machthaber “adoptieren” müssen.
Die Frage ist doch, ob wir über Russland reden wollen, oder ganz allgemein über Mythologie und Volkstum.
Was Russland betrifft, so gibt es wohl zahlreiche heidnische Bräuche, die sogar das Christentum unbeschadet überlebt haben. Zum Beispiel die Iwan-Kupala-Nacht, zu der es sogar seitens der Orthodoxen Kirche sogar den (gescheiterten) Versuch gab, diesen Tag für sich zu vereinnahmen.
Nur: Der Weihnachtsbaum gehört nun einmal nicht zu den russischen Bräuchen der letzten 2.000 Jahre. Die ersten Weihnachtstannen wurde erst unter Peter dem Großen per Dekret eingeführt.
Einen Ded Moros gab es wohl, aber das war eine bitterböse Sagengestalt, die definitiv nichts mit jenem Ded Moros von dem Jürg schreibt zu tun haben kann. Mehr noch: Der 1936er Ded Moros in all seinen Modifikationen seit Stalin steht jener russischen Sagengestalt diametral entgegengesetzt gegenüber, so dass man fast davon überzeugt sein kann, dass der gemeinsame Name eher Zufall als Absicht war.
Das Wichtigste aber: Ded Moros war als Jahresendfigur eingeführt und sollte eigentlich – anders als der Coca-Cola-Mann – Weihnachten vergessen machen.
Und: Es hat mit dem Julianischen Kalender wenig zu tun, wenn in Russland das Neujahrsfest in der Nacht vom 31.12 zum 1. Januar gefeiert wird.
Natürlich wird das Neujahrsfest in Russland nicht wegen des Julianischen Kalenders am 31. Dezember gefeiert. Den entsprechenden Anfangssatz habe ich deshalb korrigiert. Aus den restlichen 1.000 Worten des Beitrages war allerdings klar ersichtlich, dass es sich nur um eine missverständliche Formulierung handeln konnte.
Ob dagegen nur zu den russischen Bräuchen zählen darf, was “in den letzten 2.000 Jahren” in russischen Stuben gefeiert wurde – oder “erst unter Peter dem Großen per Dekret eingeführt” wurde, darüber kann man sich streiten. Mag ich aber nicht.
Ich habe die Weisheit nämlich nicht gepachtet und meine Beiträge sind nicht sakrosankt. Deshalb steht explizit unter jedem Krusenstern-Beitrag: “Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.”
Ich freue mich weiter auf die Rückmeldungen der Krusenstern-Leser, auch wenn mancher Leser sogar in einem harmlosen Text für Kinder “doofen, primitiven russländischen Anti-Amerikanismus!” erkennt.
In diesem Sinne (wenn auch etwas verfrüht)
Frohe Weihnachten!
Habe gerade von einer russischen Freunde die vermeindliche “Richtigstellung” bekommen, dass Дед Мороз eigentlich rot gewandet sei, nur in “Ausnahmefällen” in blau erscheint!??
Über die Figur von Väterchen Frost scheiden sich die Geister: Die einen glauben, er sei erst von den Kommunisten eingeführt worden, andere suchen seine Wurzeln in Nikolai Nekrassows Poem “Waldkönig Frost” oder in Morosko, einer uralten Figur der russischen Volksmärchen. Ich wälze in diesen Tagen Bücher, recherchiere im Internet – und hoffe, bis Weihnachten einen einigermassen abgesicherten Beitrag schreiben zu können.
Zur Farbe seiner Kleidung sind sich allerdings die meisten Quellen einig (von denen ich hier nur jene zitiere, die ich verlinken kann):
- “Väterchen Frost trägt einen eisgrauen, mit Blautönen durchwebten Pelzmantel” (Wikipedia de.)
- “Ded Moroz wears a heel-long fur coat, a semi-round fur hat, and white valenki or high boots (sapogi), silver or red with silver ornament.” (Wikipedia engl.)
- “Ded Moros trägt einen eisblauen Pelzmantel” (Projekt Weliki Ustjug)
Ausgerechnet auf der Website von Projekt Weliki Ustjug sind allerdings viele Fotos von Väterchen Frost in einem roten Kostüm zu sehen. Ich denke, dass hier die internationale Werbung die Tradition überlagert – wie alt auch immer diese Tradition ist. Oder wie es NachRussland formuliert:
Unter dem Einfluss der ominpräsenten Werbung und von Hollywood “änderte sich das traditionelle Väterchen Frost und wurde dem US-Santa Clause immer ähnlicher. Der eisgraue Pelzmantel wird oft rot, aus schlittenziehenden Schimmeln werden Rentiere…”
(1) Ursprünglich (seit 1936 bis etwa 1952) war Ded Moros hellgrau gekleidet, beziehungsweise sollte es wohl weiß sein. Erst unter Breschnew wurde er hellblau. Und rot wird er erst – neuerdings öfter – seit dem Zerfall der Sowjetunion abgebildet.
(2) Wer Nekrassow kennt, wird wissen, dass die Figur dort mit dem gegenwärtigen Ded Moros nur den Namen gemein hat.
(3) Was definitiv klarzustellen gilt: Ded Moros ist KEIN Weihnachtsmann, noch nicht einmal in Bezug auf orthodoxes Weihnachten. Er wurde in der Sowjetunion als Jahresendfigur eingeführt (von wem auch immer) und eine solche ist er stets geblieben. Bis heute.
Was die Adoption der roten Farbe angeht – wenn solche Bräuche übernommen werden, ist ja nie nur “die böse Werbung” schuld. Die Werbung trifft vielmehr auf ein ideales Umfeld.
Ich kann leider nicht mehr genug Russisch, um ganz sicher eine Parallele ziehen zu können, aber im Polnischen bedeutet “krasny” nicht nur “rot”, sondern auch “schön” (und in vielen verwandten slawischen Sprachen auch). Die Zwerge, die “rote Leute” heißen, bedeuten gleichzeitig “schöne Leute” – und einen Abglanz sieht man darin, dass sich Frauen in Osteuropa zu eleganten Anlässen nicht nur in Schwarz kleiden, sondern auch in Rot. Es ist die alte Lebensfarbe, die vor allem in der Erstarrung des Winters eine sehr große Rolle spielt. Sie bringt Glück und verheißt Lebendigkeit. Und das schon in uralten Bräuchen, die älter als die orthodoxe Kirche sind. Da können die Regimes lustig wechseln, so etwas verliert sich im Volksglauben nicht.
Väterchen Frost hätte sich aufgrund einer Weihnachtsmannwerbung (tatsächlich verschiebt sich die Jahresendfigur derzeit mythologisch gesehen in einen modernen Weihnachtsmann, die Bräuche gleichen sich international an) ganz sicher nicht in einer Kultur gerötet, die Grün als “heilige” Farbe am höchsten schätzt. Und Coca Cola war natürlich schlau, den “internationalen Werbeweihnachtsmann” nicht in schwarze Klamotten zu stecken…