Moskau * Der kasachische Film “Mongol” * “Монгол” wurde mit dem wichtigsten russischen Filmpreis ausgezeichnet, dem Nika * Ника 2007. Regisseur Sergej Bodrow drehte den 15-Millionen teuren Film in Kasachstan, Nordchina und teilweise in Russland. Das bildgewaltige Historien-Epos erzählt in kasachischer Sprache die Geschichte des mongolischen Heerführers Dschingis Khan und soll der erste Teil einer Trilogie sein.
Der in Russland geborene und und in Kasachstan lebende Regisseur Sergej Bodrow * Сергеи Владимирович Бодров wurde bereits 1996 mit dem gesellschaftskritischen Film “Gefangen im Kaukasus” * “Кавказский пленник” für einen Oscar nominiert. In Hollywood ging der Streifen leer aus, dafür wurde er in Berlin mit dem Europäischen Filmpreis Felix für das beste Drehbuch ausgezeichnet und an den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit dem FIPRESCI-Preis. Zudem erhielt er den wichtigsten russischen Filmpreis, den Nika * Ника 1997.
Mit “Mongol” erreichte Bodrow 2008 die zweite Oscar-Nominierung für den besten nichtenglischsprachigen Film – ging aber ein weiteres Mal leer aus. Zu Recht wurde er noch einmal mit dem Nika * Ника 2007 ausgezeichnet.
Die dramatische und erschütternde Jugend Dschingis Khans
Sergei Bodrow verwirklichte mit dem Film “Mongol” * “Монгол” einen Kindheitstraum. In der internationalen Produktion (Russland, Kasachstan, Deutschland und USA) erzählt er die Geschichte vom Aufstieg Dschingis Khans zu einem der mächtigsten Herrscher des Mongolischen Reichs. Das Drehbuch, verfasst durch Bodrow und Co-Autor Arif Aliyev, dreht sich um die dramatische und erschütternde Jugend Dschingis Khans und stützt sich auf historische Studien.
Die Geschichte spielt im 12. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Mongolei. Der neunjährige Temudschin, der spätere Krieger Khan, muss aus seinem Heim flüchten, nachdem sein Vater ermordet wurde und ein Rivale die Macht übernommen hat. Zusammen mit seinem Blutsbruder, dem Stammesprinzen Dschamucha, bekämpft der erwachsene Temudschin seine Feinde mit dem Ziel, die rivalisierenden Stämme der Region zu einigen.
Erster Teil einer Trilogie über Dschingis Khan
“Mongol” ist eine shakespearewürdige Familienchronik um Trennung, gesellschaftlichen Ausschluss und das Wiedererlangen der Macht. Ein kleiner Junge behauptet sich mutig gegen zerstörerische Kräfte und siegt allein durch Willensstärke.
Die Saga spielt vor der atemberaubenden Kulisse Zentralasiens. Die Dreharbeiten fanden 2006 vor allem in Kasachstan und Nordchina statt, teilweise auch in Russland. Mit einer Länge von zwei Stunden ist Mongol nur der erste Teil einer geplanten Trilogie über das Leben Dschingis Khans. Der Film wurde durch kasachische Geldgeber mitfinanziert und ist in mongolischer Sprache gesprochen.
Von den Stereotypen und Standarddarstellungen rund um Dschingis Khan in Filmen und Büchern abweichend, zeichnet “Mongol” ein vielschichtiges Porträt des künftigen Eroberers und zeigt ihn als inspirierenden, furchtlosen Visionär. Die Einordnung Dschingis Khans in einen breiteren historischen und politischen Kontext macht den Film zu einem gelungenen Werk ganz in der kinematischen Tradition des Japaners Akira Kurosawa (“Die sieben Samurai”) und des Briten David Lean (“Lawrence von Arabien”).
“Mongol” lief bereits in kasachischen und russischen Kinos und wurde am Toronto Film Festival und am RomaCinema Festival 2007 gezeigt. Die Europa-Premiere ist für den 6. Juni 2008 geplant.
Das Multitalent Sergei Bodrow
Sergei Bodrow wurde im russischen Chabarowsk geboren und studierte an der Moskauer Filmhochschule VGIK * Всероссийский государственный институт кинематографии ВГИК als Drehbuchautor. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er für das sowjetische Satiremagazin “Krokodil” und veröffentlichte mehrere Aufsätze und Kurzgeschichten.
Sein Kino-Debüt hatte er als Co-Regisseur mit “Sweet Dreams in the Grass” (1984). Weitere Filme sind “Freedom is Paradise” (1989), “I Wanted to See Angels” (1992), “Gefangen im Kaukasus” (1996) und “Nomad” (2005). Bodrow schrieb ausserdem das Drehbuch für den preisgekrönten kasachischen Film “Schizo” (2004).
Sergei Wladimirowitsch Bodrow ist seit 1990 in zweiter Ehe mit der US-amerikanischen Fotografin Carolyn Cavallero verheiratet, die als Co-Autorin an den Drehbüchern für drei seiner Filme mitgewirkt hat. Seither pendelt er zwischen Moskau und seinem Zweitwohnsitz in Venice Beach, Kalifornien. Sein Sohn, der Filmschauspieler und Regisseur Sergei Sergejewitsch Bodrow, wurde 2002 bei einem Lawinenunglück im Kaukasus getötet.
Der wichtigste russische Filmpreis
Der Nika * Ника ist der wichtigste russische Filmpreis, der als Gegenstück des amerikanischen Oscar seit 1987 in Moskau verliehen wird. Der Preis wurde von der Gewerkschaft der Filmschaffenden der Sowjetunion gestiftet, welche in den Anfangsjahre denn auch über die Preisträger abstimmte und Filme aus den Archiven der Filmzensur auszeichnete, welche die stalinistische Vergangenheit aufarbeiteten.
Seit Anfang der 1990er Jahre ist aber eine gewählte Jury für die Auswahl der Preisträger verantwortlich, welche relativ unabhängig agiert. Neben “Mongol” waren dieses Jahr auch die Filme “Fracht 200″ von Alexej Balabanow, “Einfache Dinge” von Alexej Popogrebski, “Reise mit Haustieren” von Vera Storoschewa und “Rusalka” von Anna Melikjan nominiert.
Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen: “Mongol” * “Монгол”, Nika * Ника, Moskauer Filmhochschule VGIK * Всероссийский государственный институт кинематографии ВГИК, RIA Novosti, Wikipedia (de) (engl) (rus).
Personalities: Sergej Bodrow * Сергеи Владимирович Бодров
Copyrights: © Video: Film-Trailer, © Foto: Offizielle Website von “Mongol”
Trotzdem kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei entsprechenden Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.

Der Vergleich mit Akira Kurosawa und David Lean scheint mir gut getroffen. Nachdem ich hier den Film-Trailer von “Mongol” gesehen habe, freue ich mich darauf, den Film in deutschen Kinos zu sehen.
Leider wird “Mongol” hier wohl kastriert, also deutsch synchronisiert. Das ist genauso übel wie die russische Übersetzung, mit der das kasachische Original offenbar zugekleistert wurde.
Dank der NZZ habe ich über Ihr Weblog erfahren und mich gleich hinein vertieft. Mit grossem Interesse habe ich den Beitrag über den Film “Mongol” gelesen, darin allerdings zwei Unstimmigkeiten gefunden:
Einerseits heisst es, Bodrow sei in Kasachstan wohnhaft, anderseits er pendle zwichen seinen Wohnsitzen Moskau und Venice Beech; ausserdem steht einmal, der Film “ist in mongolischer Sprache gesprochen”, an anderer Stelle (im “Lead”) heisst es allerdings, die Geschichte werde “in kasachischer Sprache” erzählt”.
Wie auch immer – ich schätze ihr Blog sehr, da man darin Informationen und Hinweise findet, die sonst schwer zugänglich sind.
Mit freundlichen Grüssen,
Tomas Mertl
Confiteor [...] quia peccavi nimis verbo et opere: mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.
Da habe ich nach dem Übersetzen diverser Quellen aus dem Russischen und Englischen tatsächlich übersehen, dass diese nicht übereinstimmen. Ich habe nun die Film-Produktionsgesellschaft angefragt, welche Varianten die richtigen sind. Sobald ich eine Rückmeldung erhalte, werde ich den Beitrag entsprechend korrigieren.
Ich freue mich, Sie als aufmerksamen und kritischen Leser gewonnen zu haben! Das ist gerade das Schöne an Weblogs: Dass die Leser mitdenken und die Beiträge so verbessern – im doppelten Sinne des Wortes.
Herzlichen Dank!
Jürg Vollmer