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“Russland 2020, eine provokative Thesis” von Sandra Ravioli

Publiziert am 23. Februar 2009 von Krusenstern

Moskau * “Russland 2020, eine provokative Thesis” heisst das neue Buch von Sandra Ravioli. “Russland kann zur Not ohne Europa leben”, glaubt die seit 1992 in Moskau lebende Ökonomin und Russlandspezialistin. “Ist es aber klug von den Europäern zu glauben, sie könnten ohne Russland leben”, fragt die Autorin und stellt in ihrem neuen Buch weitere unbequeme Fragen.

Russland 2020 von Sandra Ravioli, Cover.

Cover des neuen Buches von Sandra Ravioli mit dem Titel Russland 2020.

Putins Rede über “Die Entwicklungsstrategie Russlands bis zum Jahre 2020″

Am 8. Februar 2008 hielt der damalige Präsident Wladimir Putin vor dem Staatsrat in Moskau eine Aufsehen erregende Rede über “Die Entwicklungsstrategie Russlands bis zum Jahre 2020″, die viele Medien und Politiker als Wahlpropaganda für Medwedew und als Putins eigene Propaganda zur Legitimierung seines Postens als Ministerpräsident (ab Mai 2008) abtaten.

In Wirklichkeit enthält die Rede von Wladimir Putin gerade in den Elementen, die sich auf die kommenden zwölf Jahre beziehen, konkrete Hinweise darauf, wie Russland im Jahre 2020 aussehen könnte.

“Russland 2020, eine provokative Thesis” von Sandra Ravioli

“Russland kann zur Not ohne Europa leben”, glaubt die seit 1992 in Moskau lebende Ökonomin und Russlandspezialistin Sandra Ravioli. “Ist es aber klug von den Europäern zu glauben, sie könnten ohne Russland leben”, fragt die Autorin und stellt weitere unbequeme Fragen:

  • Wohin geht Europa – und was könnte passieren, wenn Europa nicht endlich seine alten Ressentiments gegenüber Russland über Bord wirft?
  • Welche Chancen und Risiken für Europa verstecken sich hinter der Frage “mit oder ohne Russland”?

Fragen, welche die Leser anregen zu eigenen Gedanken und – manchmal auch im Widerspruch zu den Vorstellungen der Autorin – zu einem Europa mit Russland im Jahre 2020. Ergänzt werden die Texte durch ins Deutsche übersetzte Auszüge der Rede von Wladimir Putin.

Das Buch erscheint in der NachRussland-Reihe, die sich seit 2007 in vielen Facetten mit dem grössten Land der Erde auseinandersetzt.

Russland 2020 von Sandra Ravioli, Cover.

Russland 2020 – eine provokative Thesis von Sandra Ravioli.

“Russland 2020, eine provokative Thesis”
Sandra Ravioli
Verlag NachRussland, Moskau; Februar 2008
96 Seiten
ISBN 978-3-8370-7647-9


About this story:

Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
NachRussland-Reihe.

Personalities: Sandra Ravioli, Publizistin von Reiseführern wie “Russland anders” und Herausgeberin der NachRussland-Reihe und Publizistin, lebt seit 1992 in Russland und ist als Privatdozentin für diverse Universitäten tätig. Die promovierte Ökonomin ist zudem Projektmanager für verschiedene Unternehmen und Gründerin von Kalinkatours.

Copyrights: © Fotos: NachRussland-Reihe.

Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.


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  • 3 Kommentare für diesen Artikel

    1. Markus AckeretNo Gravatar schreibt:

      Zunächst: Wladimir Putin hielt seine Münchner Rede 2007 und nicht 2008 - mit der Nachfolgeregelung und seiner persönlichen Zukunft im Machtgefüge hatte diese ziemlich wenig zu tun, schon gar nicht mit der “Legitimierung von Medwedew” als Nachfolger.

      Vermutlich handelt es sich hier um eine Verwechslung, denn am 8. Februar 2008 trat Putin vor dem Staatsrat auf und entwarf seinen Plan 2020. Darauf dürften sich auch die “provokativen” Überlegungen von Frau Ravioli stützen. Ich habe ihre Thesen bisher nicht gelesen, und die Hinweise aus diesem Blog-Eintrag helfen nicht viel weiter.

      Aber es erscheint mir auch auf den ersten Blick doch reichlich gewagt zu postulieren, Russland komme ohne Europa aus. Man muss sich nur in Russland - und nicht nur in Moskau! - etwas umsehen und sich der ökonomischen Grundlagen annehmen, um zu erkennen, dass ohne Zusammenarbeit mit dem “westlichen” Ausland weder die gegenwärtigen Entwicklungen noch die hochtrabenden Planungen für die nächsten zwölf Jahre realisierbar wären. (Das betrifft nicht nur die technologischen Entwicklungen, sondern etwa auch die Lebensmittelindustrie: Wer in Moskau einkauft, weiss, wie viel importiert werden muss.) Russland kann sich keine Abschottung leisten, auch wenn es immer wieder Politiker (oder eher billige Populisten) gibt, die solches behaupten. Kluge russische Analytiker des Zeitgeschehens würden dem ebenso heftig widersprechen. Abgesehen davon, dass es ohnehin problematisch ist, mit den Begriffen “Russland” und “Europa” als Gegensatzpaar zu operieren.

      Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass die ständige, ermüdende Rede von den angeblichen “alten Ressentiments gegenüber Russland” selbst tiefsitzenden Ressentiments entspringt und die Debatte über das russisch-”europäische” Verhältnis nicht weiterbringt. Jene, die sie am lautesten schwingen, sind meistens auf anderen Augen blind und von einem unguten dogmatischen Eifer gepackt.

    2. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Markus Ackeret hat natürlich Recht, Putin hielt seine legendäre Münchner Rede schon am 10. Februar 2007, wie ich damals selbst auch berichtete:

      Putins Münchner Rede im Wortlaut in deutscher Übersetzung
      Putins Münchner Rede als Podcast

      Gemeint ist natürlich Wladimir Putins Rede vor dem Staatsrat in Moskau über “Die Entwicklungsstrategie Russlands bis zum Jahre 2020″ ein Jahr später, am 8. Februar 2008:

      Putins Rede “Russland 2020″, Zusammenfassung in deutscher Übersetzung

      Leider habe ich diese beiden Reden miteinander verwechselt, wofür ich mich entschuldige. Mea Culpa!

      Wladimir Putin forderte am 8. Februar 2008 von der neuen russischen Regierung, einen detaillierten Plan für die Entwicklung Russlands auf allen Gebieten bis zum Jahr 2020 auszuarbeiten. Hauptziel sei die Modernisierung Russlands.

      In der programmatischen Rede erklärte der scheidende Präsident Putin, dass die Modernisierung der russischen Wirtschaft voranschreiten müsse. Der Weg soll von einer auf Energiegütern und anderen Rohstoffen aufgebauten Volkswirtschaft zu einer wissensbasierten Ökonomie führen, die vor allem durch den “Rohstoff” Mensch geprägt wird.

      Putin formulierte in seiner Rede unter anderem Ziele für die Lebenserwartung, das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum und die Höhe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Bildung sowie Gesundheitswesen im Jahr 2020.

      Die russische Mittelklasse soll nach den Vorstellungen Putins und der derzeitigen Regierung vom heutigen Anteil von etwa 20 Prozent an der Bevölkerung auf 50 bis 60 Prozent anwachsen. Russland soll das Land mit den besten Lebensbedingungen in der ganzen Welt werden.

      Ich habe den Fehler im Beitrag korrigiert. Herzlichen Dank für seinen Hinweis an den aufmerksamen Krusenstern-Leser und NZZ-Korrespondenten Markus Ackeret in Moskau!

    3. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Zur Diskussion um ein Westeuropa ohne Russland und vice versa: Ich glaube, dass sich weder Russland noch Westeuropa ohne den jeweils anderen entwickeln können.

      Kurzfristig braucht Russland “unser” Westeuropa mehr denn je, während langfristig Westeuropa ohne Russland nur in China oder – chronologisch noch viel weiter entfernt – in Afrika Entwicklungsmöglichkeiten hat. Angesichts der gesellschaftlichen Situation in China und Afrika nicht wirklich erstrebenswerte Alternativen.

      Ich möchte die Fragen von Sandra Ravioli dazu nutzen, mir eigene Gedanken über ein Westeuropa mit Russland im Jahre 2020 zu machen – auch im Widerspruch zu den Vorstellungen der Autorin. Dazu möchte ich das Buch nach meinem ersten Buch-Hinweis allerdings noch vollständig lesen, was ich den Krusenstern-Lesern auch herzlich empfehle!

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    Kommentare

    • engel: Ihr Artikel ist super amüsant und sehr informativ. Ich habe 14 Jahre auf der Krim gewohnt. Freue mich über...
    • Mueller und Meier: Bin gerade jetzt in Odessa und es erinnert tatsaechlich stark an Russland. Mehr Schein als Sein...
    • robert: @ Herr Kursell: Frau Pugacheva war die erste Künstlerin welche in einem Song (Arlekino) ein Schauspiel...
    • robert: Also ich muss sagen ich liebe Pugachevas Stimme. Sie ist prägnant, hat einen exzellenten...
    • Serg: Weiß jemand ob dieser Film jemals im Ausland präsentiert wird?

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