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Wie kam der Weihnachtsbaum nach Russland? Das Lied vom Tannenbaum * Ëлочка

Publiziert am 24. Dezember 2008 von Krusenstern

Moskau * Im Kreml bringt ein 33 Meter hoher Weihnachtsbaum die Kinderaugen zum Leuchten. Genau genommen ein Neujahrsbaum, denn die Tanne war in Russland früher ein Symbol für Krankheit und Tod. Erst später half sie als Weihnachtsbaum einer “deutschen” Zarin übers Heimweh, wurde dann von den Bolschewiki in die “Verbannung” geschickt und erst von Stalin als Neujahrsbaum zurück geholt.

2008: Der Kommerz-Weihnachtsbaum im Moskauer Kreml

Im Moskauer Kreml steht wieder ein Weihnachtsbaum, der die Kinderaugen zum Leuchten bringt. Vor allem aber soll er Touristen anlocken, so wie der als Lenin kostümierte Darsteller am rekonstruierten Auferstehungs-Tor * Воскресенские ворота.

Weihnachtsbaum, Lenin und Auferstehungs-Tor haben eines gemeinsam: Sie stehen erst seit 1996 wieder im Kreml und dienen der Geldvermehrung. Denn für die Kinderbescherung unter der Kreml-Weihnachtsbaum müssen Eintrittskarten gekauft werden – und die kosten an den Moskauer Theaterkassen oder beim Troizkaja-Turm 2.000 Rubel (50 Euro) für Eltern mit einem (!) Kind. Die Kinderbescherung unter dem Weihnachtsbaum im Kulturhaus der Moskauer Polizei GUWD ist mit 250 Rubel viel günstiger, hat aber bei den Kindern nicht den Kruto-Faktor (Coolness-Faktor) des Kreml.

Bevor russophile oder russophobe Etymologen und Ethnologen jetzt einen Herzinfarkt bekommen, eine sprachliche Präzisierung: In der russischen Sprache gibt es keinen Weihnachtsbaum, sondern den Neujahrsbaum – oder in Russisch eine ёлка * Jolka.

Die Jol oder Jul war in vorchristlicher Zeit ein Gelage in der Mittwinternacht am 21. oder 22. Dezember, später in christlichen Zeiten am Heiligabend. Von einem Tannenbaum war damals nicht die Rede, denn dieser galt als ein Symbol für Krankheit und Tod, und statt Weihnachten und Neujahr wurden Ende Dezember heidnische Bräuche gefeiert.

1699: Wie Zar Peter der Grosse den Weihnachtsbaum nach Russland brachte

Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts feierten die Russen das Neujahr nämlich am 1. September, dem Tag der Schöpfung der Welt. Einer von vielen alten Zöpfen, die Zar Peter der Grosse mit rücksichtslosen Reformen abschnitt, um Russland in einen modernen Staat zu verwandeln. Ausgerechnet der Reform-Zar führte aber den veralteten Julianischen Kalender in Russland ein, der im restlichen Europa seit dem 16. Jahrhundert sukzessive durch den Gregorianischen Kalender abgelöst wurde.

Mit dem Julianischen Kalender bestimmte der Zaren-Erlass von 1699 auch, dass das neue Jahr am 1. Januar gefeiert werden sollte. Der christliche Heiligabend und das Neujahr fielen damit in die Swjatki * Святки. In diesen heidnischen zwölf Rauhnächten steht im Volksglauben die Tür zum Geisterreich weit offen. Ein Graus für den kultivierten Zaren, weshalb Peter der Grosse ein striktes Verbot erliess, die Swjatki in “ketzerischer Manier” zu feiern: “Am Vorabend der Geburt Christi und in Zeiten der Swjatki sind Götzendienste, Spielereien, Verkleidungen und Maskierungen als auch Tänze in den Gassen sowie verführerische Lieder zu unterlassen.” Gleichzeitig führte er den Weihnachtsbaum ein.

Statt wilder Saufgelage und lustvoller heidnischer Geisteraustreibung auf den Strassen sollten die Russen zu Hause einen Tannenbaum aufstellen und sich in christlicher Kontemplation üben? So wie es der Zar und Zimmermann während seiner “Lehrzeit” in Amsterdam gesehen hatte? Die Russen liessen sich von Zar Peter dem Grossen notgedrungen viel gefallen, dass sie diesen Teil des Zaren-Erlass von 1699 befolgten, darf hingegen bezweifelt werden. Nur schon deshalb nicht, weil der Tannenbaum bei den russischen Bauern und Fischern seit jeher als ein Symbol für Krankheit und Tod galt.

1817: Die “deutsche” Zarin etablierte den Weihnachtsbaum in Russland

Nach den eher erfolglosen Versuchen von Zar Peter dem Grossen hatte ein Jahrhundert später die “deutsche” Zarin Alexandra Feodorowna mehr Erfolg, den Weihnachtsbaum in Russland zu etablieren. Nach ihrer Heirat mit Zar Nikolaus I. im Jahre 1817 litt Prinzessin Charlotte von Preussen an Heimweh und liess deshalb die reich gedeckten Festtags-Tafel im Sankt Petersburger Winterpalast (der heutigen Eremitage) mit kleinen Tännchen schmücken, an denen Kerzen flackerten.

Wie zu Hause legte die “deutsche” Zarin Alexandra Feodorowna kleine Geschenke unter die Tännchen oder hängte diese an den kleinen, feinen Tannenzweigen auf. Weil die Geschenke für die gesamte Zarenfamilie von Jahr zu Jahr grösser wurden, mussten auch immer grössere Tannenbäume im Winterpalast aufgestellt werden, bis eine riesige Tanne mitten im Festsaal stand – und im Kerzenlicht glitzerte. Denn dass im Winterpalast weltweit erstmals glitzernde Sterne, Flittergold und vergoldete Nüsse an den Tannenzweigen aufgehängt wurden, erklären Historiker durchaus plausibel.

So wie es auch plausibel ist, dass nach der Zarenfamilie der ganze Hofstaat einen glitzernden Weihnachtsbaum wollte, und nach den Hofschranzen ganz Sankt Petersburg und dann ganz Russland. Schliesslich liess die Zarenfamilie jedes Jahr rund 4.000 (!) Sankt Petersburger Einwohner in den Winterpalast ein, die den Weihnachtsbaum der Zarenfamilie bewundern durften. Aus dem dunklen Symbol für Krankheit und Tod wurde so durch das “leuchtende” Beispiel der Zarin eine beliebte christliche Tradition, die Jolka.

1917: Die Bolschewisten schickten den Weihnachtsbaum in die “Verbannung”

Noch einmal ein Jahrhundert später was es aus mit Glitter und Glamour. Nach der Oktoberrevolution von 1917 wurde die Zarenfamilie brutal ermordet. Die Bolschewiki führten im “neuen Zeitalter” konsequenterweise zuerst den Gregorianischen Kalender ein, dann verbannten sie zusammen mit den Erinnerungen an die Zaren auch die Religion aus den Köpfen der Sowjetbürger.

Die atheistischen Revolutionäre verboten als “Überbleibsel der bourgeoisen Denkweise” das Jolka-Fest – und damit auch den Weihnachtsbaum. Eltern durften ihren Kindern keine Geschenke mehr geben und in den Städten war der Verkauf von Weihnachtsbäumen strengstens verboten. Nicht einmal die Bauernfamilien auf dem Land durften sich einen Tannenbaum aus dem Wald holen. Der Weihnachtsbaum wurde in die “Verbannung” geschickt.

1937: Ausgerechnet Stalin holt den Weihnachtsbaum zurück

Bis der Schriftsteller Michail Bulgakow * Михаил Афанасьевич Булгаков im Oktober 1926 die Uraufführung seines Stücks “Die Tage der Turbins” * “Дни Турбиных” feierte: Im Moskauer Künstlertheater * Московский художественный театр МХАТ stand im zweiten Akt plötzlich ein richtiger Weihnachtsbaum auf der Bühne. Eine veritable Tanne mit Kerzen, bunten Bändern und brennenden Wachskerzen an den grünen Zweigen. Das ganze Theater roch nach diesen Tannenzweigen und Kerzen!

Fast jeden Abend fielen deswegen Zuschauer in Ohnmacht, weshalb während der Vorstellungen ein Rettungswagen vor dem Theater wartete. “Die Tage der Turbins” feierten aber einen Riesenerfolg und vor allem einem Sowjetbürger gefiel der Anblick: Der sowjetische Diktator Josef Stalin sah sich das Stück fünfzehn Mal an und entschied möglicherweise deshalb, den Tannenbaum zu “rehabilitieren”.

В дореволюционное время буржуазия и чиновники буржуазии всегда устраивали на Новый год своим детям ёлку. Дети рабочих с завистью через окно посматривали на сверкающую разноцветными огнями ёлку и веселящихся вокруг неё детей богатеев.

Почему у нас школы, детские дома, ясли, детские клубы, дворцы пионеров лишают этого прекрасного удовольствия ребятишек трудящихся Советской страны? Какие-то, не иначе как «левые» загибщики ославили это детское развлечение как буржуазную затею.

Следует этому неправильному осуждению ёлки, которая является прекрасным развлечением для детей, положить конец. Комсомольцы, пионер-работники должны под Новый год устроить коллективные ёлки для детей. В школах, детских домах, в дворцах пионеров, в детских клубах, в детских кино и театрах — везде должна быть детская ёлка! Не должно быть ни одного колхоза, где бы правление вместе с комсомольцами не устроило бы накануне Нового года ёлку для своих ребятишек. Горсоветы, председатели районных исполкомов, сельсоветы, органы народного образования должны помочь устройству советской ёлки для детей нашей великой социалистической родины.

Организации детской новогодней ёлки наши ребятишки будут только благодарны.

Я уверен, что комсомольцы примут в этом деле самое активное участие и искоренят нелепое мнение, что детская ёлка является буржуазным предрассудком.

Итак, давайте организуем весёлую встречу Нового года для детей, устроим хорошую советскую ёлку во всех городах и колхозах!

Prawda, 28. Dezember 1935

Im Dezember 1935 stellte Stalins berüchtigter Sekretär Alexander Poskrebyschew * Александр Николаевич Поскрёбышев in einem Prawda-Artikel die rethorische Frage: “Warum haben wir den Arbeiter-Kindern in den Schulen, Waisenhäusern, Kindergärten, Kinder-Clubs, und Volkspalästen die Freude des Tannenbaumes geraubt? Also lasst und ein fröhliches Neujahrsfest organisieren für unsere Kinder mit einen guten sowjetischen Neujahrsbaum in allen Städten und kollektiven landwirtschaftlichen Betrieben!”

Zweifellos rethorisch war die Frage, weil schon ein paar Wochen später in der Prawda ein Foto erschien, auf welchem der Sohn des Nordpol-Fliegers Michail Babuschkin * Михаи́л Серге́евич Ба́бушкин unter einem geschmückten Tannenbaum “seinen Eltern und allen Eltern der Welt” alles Gute für das neue Jahr wünscht.

<em/>Die Familie des sowjetischen Nordpol-Piloten Babuschkin mit Weihnachtsbaum” title=”russischer-tannenbaum-pilot-babuschkin-mit-sohn” width=”484″ height=”298″ class=”size-full wp-image-3078″ /><p class=Die Familie des sowjetischen Nordpol-Piloten Babuschkin mit Weihnachtsbaum.

Und schon ein Jahr später wurde im Januar 1937 der erste “offizielle” sowjetische Tannenbaum im Säulensaal des Moskauer Дома союзов * Haus der Gewerkschaften aufgestellt. Die 15 Meter hohe Tanne durfte aber kein Weihnachtsbaum sein, in der Wochenschau “Советский Союз” * “Sowjetski Sojus” wurde die Tanne deshalb nach der neuen Sprachregelung als Neujahrsbaum bezeichnet. Den Sowjetbürgern war das aber egal, schon im darauf folgenden Jahr feierte man in ganz Russland wieder das Jolka-Fest.

Der erste Weihnachtsbaum im Moskauer Haus der Gewerkschaften.

Der erste Weihnachtsbaum im Moskauer Haus der Gewerkschaften.

1991: Das Weihnachtsfest kehrt nach Russland zurück

Den Weihnachtsbaum bekamen die Russen unter Stalin also zurück, das christliche Weihnachtsfest war in der atheistischen Sowjetunion aber weiterhin verboten. Erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 kehrte das Weihnachtsfest nach Russland zurück.

Wobei die meisten Familien weiterhin eher Neujahr feiern, als Weihnachten – und deshalb auch einen Neujahrsbaum in der Stube stehen haben. Am Silvesterabend halten sich aber Kinder und Erwachsene wie früher an den Händen, tanzen einen Reigen um den Baum und singen das dazu das Lied vom kleinen Tannenbaum Jolka.
Hier der Text in Deutsch und Russisch sowie zwei Versionen des Liedes als Video-Clips.

Tannenbaum

Im Walde steht ein Tannenbaum
im immergrünen Kleid,
ist schlank und lieblich anzuschaun
zu jeder Jahreszeit.

Horch, unter Kufen knirscht der Schnee,
er glitzert weiss und kalt,
ein zottelbeinig Pferdchen zieht
den Schlitten durch den Wald.

Der Schlitten fährt, man hört es kaum,
drauf sitzt ein alter Mann,
er hat den kleinen Tannenbaum
gefällt im dichten Tann.

Nun steht das Tannenbäumchen hier,
gar festlich schön geschmückt,
hat alle Kinder hoch erfreut
und jedes Herz beglückt.

Ëлочка

В лесу родилась ёлочка,
В лесу она росла ,
Зимой и летом стройная,
Зелёная была.

Метель ей пела песенку:
“Спи, ёлочка, бай-бай !”
Мороз снежком укутывал:
“Смотри, не замерзай !”

Трусишка зайка серенький
Под ёлочкой скакал .
Порою волк , сердитый волк,
Рысцою пробегал.

Чу! Снег по лесу частому
Под полозом скрипит .
Лошадка мохноногая
Торопится , бежит.

Везёт лошадка дровеньки
А в дровнях старичок .
Срубил он нашу ёлочку
Под самый корешок .

Теперь она, нарядная ,
На праздник к нам пришла.
И много-много радости
Детишкам принесла.


About this story:

Sources: Dieser Beitrag beruht u.a. auf folgenden Quellen:
Kommersant, ОТЕЧЕСТВЕННЫЕ ЗАПИСКИ, Prawda, Retro Post, Russland Online, Super Jolka, Savok Name, Wikipedia und diverse Literatur.

Personalities: Peter der Grosse, Alexandra Feodorowna, Michail Bulgakow * Михаил Афанасьевич Булгаков, Josef Stalin, Alexander Poskrebyschew * Александр Николаевич Поскрёбышев, Michail Babuschkin * Михаи́л Серге́евич Ба́бушкин.

Copyrights: © Fotos: Savok Name, © Videos: Russia Today, Youtube.

Trotz sorgfältiger Recherche kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten, die bei Rückmeldungen selbstverständlich umgehend korrigiert werden.

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  • 5 Kommentare für diesen Artikel

    1. KrusensternNo Gravatar schreibt:

      Dieser Beitrag ist der Versuch einer Annäherung an die russische Tradition des Weihnachtsbaumes oder eben Neujahrsbaumes. Alle Angaben beruhen auf sorgfältiger Recherche in den verschiedensten Quellen (siehe “About this story”).

      Trotzdem kann der Text unvollständige Fakten oder nicht korrekte Angaben enthalten. Ich freue mich auf die Rückmeldungen von Krusenstern-Lesern und werde den Beitrag gerne mit Ihren Anregungen ergänzen.

      An dieser Stelle wünsche ich allen Lesern von Krusenstern ein schönes und frohes Weihnachtsfest! Wo und wann immer Sie es auch feiern…

      Jürg Vollmer

    2. RalfNo Gravatar schreibt:

      Lieber Jürg,

      danke für diese tolle Recherche, zu der ich nichts zusätzliches beitragen kann. Aber vielleicht meldet sich ja jemand aus meinen Blog :-)

      http://beryosa.blogspot.com/20.....-nach.html

      http://jugendbuecher.blogspot......-nach.html

      Auch Dir, Deinen Freunden und Gästen wünsche ich frohe Fest- und Feiertage auf meinen diesjährigen deutsch-russischen Weihnachts- und Neujahrsseiten: http://sibiria.beryosa.net/weihnachten07/index.htm

      Ralf

    3. Petra van CronenburgNo Gravatar schreibt:

      Wunderbar recherchiert, Kompliment!

      Darf ich noch eine Anekdote aus dem Zarenhaus zufügen? Nikolaus älterer Bruder Alexander I. hatte ja auch eine deutsche Frau geheiratet (wie auch der Vater schon), die Tochter des Markgrafen von Baden und damit badische Prinzessin Luise Maria Auguste. Sie nahm den Namen Jelisaveta Alexejewna an, kam 1793 nach Russland und war Zarin von 1801-1825.

      Der badische Hof war 1801 Gast in Petersburg, der Zar selbst ließ sich spätestens 1813 noch einmal in Karlsruhe sehen. Weitere Besuche der Zarin im Badischen folgten.

      Was hat das mit dem Weihnachtsbaum am Zarenhof zu tun?

      Die badischen Residenzen Baden-Baden und Karlsruhe liegen direkt vor den Toren des Elsass - dem Land, aus dem wir die ersten gesicherten Quellen für Weihnachtsbäume haben (1521 in Schlettstadt / Selestat) und wo der Friederike-Geliebte Goethe den Weihnachtsbaum so ins Herz schloss, dass er ihm in seinem Werther ein Denkmal setzte, so dass er durch diesen Bestseller fast modisch wurde in Deutschland.

      Kurzum: Weihnachtsschmuck und Weihnachtsbäume spielten am badischen Hof eine besonders große Rolle, größer noch als im Rest des Landes. Baden und Elsass waren damals so etwas wie “Weihnachtsland” und nicht nur unter der Zarenfamilie herrschte reger Austausch zwischen jenem Grenzland und Petersburg.

      Man kann sich gut die Atmosphäre vorstellen, in der Charlotte dann den Baum im Zarenhof aufstellte!
      Und wenn man heute in Baden-Baden über den Weihnachtsmarkt schlendert, hört man wieder überall Russisch - denn die Russen aus Petersburg lieben es, einen Kurzurlaub mit deutschem Weihnachten zu erleben.

      Auch von mir frohe Feiertage und einen guten Rutsch!

    4. Andreas SolfNo Gravatar schreibt:

      Es ist gut recherchiert. Auch die Quellen sind solide gewählt.

      Bis auf eine - klitzekleine - Ausnahme: Anatoli Koroljow, politischer Kommentator der RIA Nowosti, weiß möglicherweise nicht, dass Bulgakows Stücke - alle, ohne Ausnahme! - bis 1932 in der Sowjetunion verboten waren. Die Wahrheit ist folgende: Erst als er - Bulgakow - Stalin persönlich um seine Ausreise bat, erhielt er 1932 die Erlaubnis die “Дни Турбиных” zu inszenieren. Ob man sich aber am Moskauer Theater 1926 (Version 1) oder 1932f (Version 2) tapfer genug zeigte, sich über ein Verbot der Kommunistischen Partei hinwegzusetzen, darf bezweifelt werden. Und wenn doch, so hätten die ersten Ohnmachtsanfälle von denen Koroljow schreibt, wohl zu ernsthaften Kosequenzen geführt. Und wenn sich - wie Koroljow schreibt - die Jolka quasi selbst wieder eingeführt hätte, hätte man sich das Szenario in der Prawda 1936 wohl ersparen können.

      Alles andere ist gut recherchiert. Auch die anderen Quellen sind solide gewählt.

    5. Andreas SolfNo Gravatar schreibt:

      Auch mir unterlief ein Fehler bei der Passage mit dem Prawda-Artikel. Der Autor des Tannenbaum-Briefes war nicht Stalins Sekretär, sondern Pawel Petrowitsch Postyschev. Und - lernte ich soeben - die Tannenbaum-Aktion war mit Stalin abgesprochen, parallel hierzu wurde ein gewisser “Wandel” eingeläutet. Was inzwischen sogar in der deutschen Wikipedia vermerkt ist:
      “Sie (= die Tanne, - A.S.) ging einher mit einem gesellschaftlichen Wandel: der Abschaffung der Lebensmittelkarten 1935, der beginnenden Produktion russischen Sekts und der Wiederzulassung von Jazz und Foxtrott”

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    Kommentare

    • engel: Ihr Artikel ist super amüsant und sehr informativ. Ich habe 14 Jahre auf der Krim gewohnt. Freue mich über...
    • Mueller und Meier: Bin gerade jetzt in Odessa und es erinnert tatsaechlich stark an Russland. Mehr Schein als Sein...
    • robert: @ Herr Kursell: Frau Pugacheva war die erste Künstlerin welche in einem Song (Arlekino) ein Schauspiel...
    • robert: Also ich muss sagen ich liebe Pugachevas Stimme. Sie ist prägnant, hat einen exzellenten...
    • Serg: Weiß jemand ob dieser Film jemals im Ausland präsentiert wird?

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